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16.12.2012

16:49 Uhr

Versicherer

Die Zeit der Vier-Prozent-Renditen ist vorbei

Die Finanzmärkte sind unberechenbar geworden. Verzinsliche Anlagen, die einst als sicher galten, sind es schon lange nicht mehr. Das trifft vor allem die Versicherer. Deren Aufseher schlagen deshalb Alarm.

Händlerin in Frankfurt. Unsicheres Marktumfeld. dpa

Händlerin in Frankfurt. Unsicheres Marktumfeld.

New YorkDie niedrigen Zinsen und instabilen Finanzmärkte könnten nach Einschätzung der Europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde die europäischen Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds in Schwierigkeiten bringen.
“Schwache Konjunkturaussichten, wachsende wirtschaftliche Ungleichgewichte und ein wahrscheinlich langfristig niedriges Zinsumfeld führen zu einem negativen mittelfristigen Ausblick für die finanzielle Gesundheit des europäischen Sektors für Versicherungen und betriebliche Altersvorsorge”, schrieb die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) in Frankfurt.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Für Europas Versicherungskonzerne, darunter Schwergewichte wie Allianz, Axa, Prudential und Assicurazioni Generali, wird die Lage schwieriger, da die niedrigen Zinsen weltweit die Anlageerträge schmälern. Insbesondere Lebensversicherer, die eine Mindestgarantieverzinsung bieten, die über der Rendite von Staatsanleihen mit einem erstklassigen Rating liegt, leiden unter schwankenden Anlageerträgen.

“Trotz der jüngsten positiven Entwicklungen bei Finanzmarktpreisen, der Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und koordinierter politischer Initiativen bleiben die Risiken für die Finanzstabilität hoch”, heißt es in dem Bericht weiter.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Eine Untersuchung der EIOPA zu den Pensionsfonds habe eine “beunruhigende” Verschlechterung der Finanzierungslage gezeigt, insbesondere bei größeren Versorgungssystemen mit garantierten Leistungen wie etwa in Großbritannien und den Niederlanden. Ein Schlüsselfaktor dabei seien die niedrigen Renditen.
Mit Blick auf die längerfristige Entwicklung werde sich auch die längere Lebensdauer der Pensionäre negativ auf die künftige Finanzlage auswirken, schreibt die EIOPA.


Kommentare (9)

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mseemann

16.12.2012, 17:01 Uhr

4% - auf den Sparanteil = Beitrag - Verwaltungs- und Vertriebskosten.

Account gelöscht!

16.12.2012, 17:19 Uhr

Die Staaten muessen sich entschulden. Wo sonst wenn nicht bei den Menschen, die Geld verliehen haben? Sicherlich kann man hinterfragen, warum die Menschen, die mit Geld nie umgehen konnten, ploetzlich besser dastehen sollen. Also, die Frage geht an alle Politiker unseres Landes ;-) Aber die Antwort sollte ja mittlerweile bekannt sein.

Account gelöscht!

16.12.2012, 19:06 Uhr

Liebes HB, es ist nicht fein, auf den zu treten der bereits sichtbar am Boden liegt!
Im Ernst: es würde mich brennend interessieren, was dahintersteckt, daß das HB ständig auf den Versicherungen herumhackt. Auch wenn Sie damit sicherlich nicht Unrecht haben, die Frequenz des LV-Bashing erreicht beinahe die Frequenz von (positiven) Artikeln über Warren Buffet! Und die hinter den LV stehenden Versicherungskonzerne sind doch potentielle Anzeigekunden! Oder ist es umgekehrt geradezu ein Wink mit dem Zaunpfahl?

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