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09.04.2013

15:30 Uhr

„Agenda 2020“

Allianz fordert mehr Maßnahmen gegen Investitionsstau

Die geringen Investitionen im öffentlichen und privaten Sektor seien die Schwachstelle der deutschen Wirtschaft, so die Allianz. Immerhin sei der konjunkturelle Tiefpunkt überwunden – dank des Exports..

Fahnen der Allianz: Die Bundesregierung soll die Investitionen anfeuern. dapd

Fahnen der Allianz: Die Bundesregierung soll die Investitionen anfeuern.

FrankfurtDie Allianz fordert von der Bundesregierung eine aktivere Standortpolitik und Maßnahmen gegen den Investitionsstau. "Wir brauchen dringend eine Agenda 2020 für bessere Investitionsbedingungen in Deutschland", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise am Dienstag in Frankfurt.

Zu geringe Investitionen im öffentlichen und privaten Sektor seien die "einzige Schwachstelle" der deutschen Wirtschaft, der Heise ansonsten trotz der Euro-Krise eine robuste Verfassung und gute Zukunftsaussichten attestierte. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent. In diesem Jahr sei wegen der Belastung aus dem schwachen vierten Quartal 2012 nur ein mageres Plus von einem Prozent drin.

Allianz: Stärken und Schwächen

Gut gerüstet für schwierige Lage

Die Umstände könnten leichter sein für die Allianz: Die Staatsschuldenkrise sorgt für Unsicherheit. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und es gibt immer mehr Naturkatastrophen. Doch Europas größter Versicherer ist vergleichsweise gut gerüstet. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Vermögensverwaltung

Der Versicherungskonzern verwaltete im Jahr 2011 Anlagen im Wert von fast 1,7 Billionen Euro. Das sind noch einmal neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Rund drei Viertel davon verwaltet der Konzern "für Dritte", also nicht für die eigenen Versicherungskunden. Mit diesem Geschäft erzielt die Allianz hohe Provisionserlöse.

Stärke: Ergebnis steigt

Die hohen Provisionserlöse führen dazu, dass das operative Ergebnis der Asset-Management-Sparte im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro anstieg. Die Sparte trug damit einen Großteil des Gewinns des Allianz-Konzerns bei. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen zählt die Allianz zu den größten Vermögensverwaltern der Welt.

Stärke: Gute Verteilung

Das Geschäft ist dabei seit Jahresbeginn auf zwei gleichberechtigte Anlageverwalter aufgeteilt: Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Zuvor war Pimco ein Tochterunternehmen von AGI. Nun ist der sehr erfolgreiche Anleihespezialist unabhängiger und kann eigenständig seine Fonds managen und vertreiben.

Stärke: Hohe Kundenzufriedenheit

Kaum ein anderer deutscher Konzern analysiert so genau, was seine Kunden denken und wie zufrieden sie sind. In einem Kundenbericht publiziert die Allianz nun regelmäßig die Ergebnisse. Auf einer Notenskala von eins bis fünf bekommt die Allianz von den Kunden für die Produkte durchschnittlich die Note 1,9 und für den Service die Note 2,3.

Stärke: Hohe Preise zu rechtfertigen

Eine hohe Zufriedenheit ist wichtig, weil der Konzern nur dann seine Preise rechtfertigen kann. Laut Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand bei der Allianz Deutschland, hat der Konzern noch zu wenig rundum begeisterte Kunden, die eine 1,0 vergeben.

Stärke: Viel Neugeschäft

Gerade solche Kunden sind wichtig, denn die Untersuchungen des Konzerns haben ergeben, dass die 20 Prozent der Kunden mit der höchsten Zufriedenheit im Schnitt mehr als doppelt so viel Neugeschäft bringen wie der Durchschnittskunde.

Schwäche: Deutsche Sachversicherung

Ausgerechnet der Heimatmarkt ist für die Allianz in der Sachversicherung ein Sorgenkind. Die Beitragseinnahmen der Allianz Versicherungs-AG, in der die Sachversicherung gebündelt ist, waren auch 2011 leicht rückläufig (siehe Grafik). Dass es Probleme bei der Profitabilität gibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote von 102,2. Nur bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Schwäche: Kfz-Versicherung

Vor allem die wichtige Kfz-Versicherung schwächelt. Die Zahl der versicherten Autos sank 2011 nochmals um 50?000 auf 8,12 Millionen Fahrzeuge. Marktführer ist die Huk-Coburg (8,7 Millionen Fahrzeuge). "Was die Autoversicherung angeht, hat die Allianz ungünstigere Kostenstrukturen als die Konkurrenz", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Schwäche: Starke Konkurrenz

Die Huk-Coburg kann dank ihrer automatisierten Prozesse billigere Tarife anbieten. Der neue Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß will die Profitabilität steigern und baut die Sparte um. Mit Preiserhöhungen nimmt die Allianz auch weitere Marktanteilsverluste in Kauf, wenn dadurch das Geschäft wieder mehr Gewinn abwirft.

Schwäche: Das Bankgeschäft

Die Allianz vertreibt neben dem Versicherungsgeschäft auch Bankprodukte. Doch das Geschäft läuft nicht rund. Der Umsatz ging 2011 leicht auf 567 Millionen Euro zurück, die Sparte schrieb einen operativen Verlust von 68 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und der Allianz Bank aktiv. 2011 schrumpfte das Ergebnis der OLB nach Steuern um rund 68 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

Schwäche: Hohe Risikovorsorge

Sie musste viel Risikovorsorge für wacklige Schiffsfinanzierungen bilden. Die Allianz Bank - formal eine Zweigniederlassung der OLB - schrieb vor Steuern 1,8 Millionen Euro Verlust. Sie tut sich schwer mit der Neukundengewinnung.

Den Tiefpunkt Ende vergangenen Jahres hat die deutsche Wirtschaft aber laut Heise längst hinter sich gelassen und ist recht vielversprechend ins Jahr gestartet: "Die Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Beschleunigung sind inzwischen sehr deutlich. Unter der Voraussetzung, dass keine extremen Schocks auftreten, gibt es aus unserer Sicht keine Gründe, warum sich der Aufschwung nicht auch 2014 fortsetzen sollte."

Die größten Impulse gingen vom Export aus, der nach Ansicht Heises in diesem und im kommenden Jahr wegen der Belebung des Welthandels wieder stärker zur Konjunktur beitragen dürfte. Der kräftige Rückgang der Exporte im Februar dürfe nicht überbewertet werden.

Versicherer in Europa

Europa

Zahl der Unternehmen: 5078 (in 2008)

Beschäftigte: 956 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 1104 Milliarden Euro

Daten aus 2010

Deutschland

Zahl der Unternehmen: 582

Beschäftigte: 216 400

Bruttoprämien: 179 Milliarden Euro

Frankreich

Zahl der Unternehmen: 441

Beschäftigte: 147 400

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Italien

Zahl der Unternehmen: 242

Beschäftigte: 47 185

Bruttoprämien: 126 Milliarden Euro

Großbritannien

Zahl der Unternehmen: 1314

Beschäftigte: 117 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Niederlande

Zahl der Unternehmen: 268

Beschäftigte: 57 000

Bruttoprämien: 78 Milliarden Euro

Belgien

Zahl der Unternehmen: 145

Beschäftigte: 23 727

Bruttoprämien: 29 Milliarden Euro

Schweiz

Zahl der Unternehmen: 151

Beschäftigte: 45 659

Bruttoprämien: 40 Milliarden Euro

Spanien

Zahl der Unternehmen: 292

Beschäftigte: 47 779 (in 2009)

Bruttoprämien: 57 Milliarden Euro

Dänemark

Zahl der Unternehmen: 184

Beschäftigte: 16 773

Bruttoprämien: 21 Milliarden Euro

Schweden

Zahl der Unternehmen: 386

Beschäftigte: 20 414

Bruttoprämien: 28 Milliarden Euro

Positive Impulse erwartet der Ökonom in den nächsten Monaten auch von der Binnennachfrage: "Neben dem Bau sollte auch der private Verbrauch an Schwung gewinnen". Motor hinter dieser für Deutschland zuletzt ungewohnt positiven Entwicklung sei vor allem der robuste Arbeitsmarkt, da nach wie vor viele Firmen neue Beschäftigte einstellten. Das "Jobwunder" in Deutschland dürfte sich deshalb nach Einschätzung der Allianz fortsetzen.

Nächstes Jahr erwartet Heise im Schnitt noch 2,77 Millionen Arbeitslose, so wenige wie seit Jahren nicht mehr. Ebenfalls positiv für Nachfrage und Konsum: auf breiter Front steigende Einkommen bei einer gleichzeitig sehr gedämpften Teuerung.

Von

rtr

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