Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2016

17:43 Uhr

Allianz Capital Partners

Versicherer will als Investor in die 1. Liga

Die Allianz will vermehrt in große Infrastruktur-Beteiligungen investieren. Der Versicherer hat Flughafen-Privatisierungen und Straßenbau-Projekte im Blick. Vermögen soll um mehrere Milliarden Euro steigen.

In Windparks hat die Allianz-Tochter bislang nicht investiert. Das könnte sich künftig ändern. dpa

Windpark

In Windparks hat die Allianz-Tochter bislang nicht investiert. Das könnte sich künftig ändern.

FrankfurtDie Allianz will bei großen Infrastrukturbeteiligungen wie Flughäfen, Abwassernetzen und Windparks künftig ganz vorne mitmischen. Die Tochter Allianz Capital Partners (ACP) soll verlässliche Renditen für die Kunden des durch die niedrigen Zinsen gebeutelten Versicherungsriesen künftig vor allem mit solchen Großinvestments erwirtschaften.

„Bisher können wir im Konzert der ganz Großen noch nicht mitspielen. Aber wir müssen möglichst schnell in die erste Liga kommen“, sagte ACP-Chef Jürgen Gerke der Nachrichtenagentur Reuters im ersten Interview seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr.

ACP hatte unter anderem mit der Übernahme der Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast Schlagzeilen gemacht. Bisher ist ACP 15 Milliarden Euro schwer, davon stecken drei Milliarden in Solar- und Windkraft sowie knapp vier Milliarden in Infrastruktur. „Ein erster Zwischenschritt für ACP wäre ein verwaltetes Vermögen von 25 Milliarden Euro. Wir würden uns freuen, wenn wir unsere heutige Größe dann schnell verdoppeln könnten“, sagte Gerke. „Wir könnten uns auch die Übernahme ganzer Portfolien vorstellen, etwa wenn ein Investor in Schieflage verkaufen muss.“

Das 10-Punkte-Programm für mehr Investitionen

Wer die Vorschläge erarbeitet hat

Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) berufene Expertenkommission hat einen Zehn-Punkte-Plan für mehr öffentliche und private Investitionen in Deutschland vorgelegt. Die Gruppe setzt sich aus 21 Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften zusammen. Geleitet wird sie vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Selbstbindung des Staates für mehr Investitionen

Der Staat sollte sich haushaltsrechtlich verpflichten, mindestens in der Höhe zu investieren, wie sein Vermögen, etwa Straßen oder Gebäuden, Jahr für Jahr abgenutzt werden. Der Bund sollte sich zudem festlegen, unerwartete Überschüsse vorrangig für Investitionen zu nutzen. Neue Spezialinstitute sollen den Staat dabei unterstützen.

Kommunales Iprogramm

Für die Kommunen soll es einen „Nationalen Investitionspakt“ geben. Über den sollen in den nächsten drei Jahren zusätzliche kommunale Investitionen von mindestens 15 Milliarden Euro fließen.

Unterstützung von strukturschwachen Kommunen

Beratend unterstützt werden sollen strukturschwache Gemeinden und Städte durch eine „Infrastrukturgesellschaft für Kommunen“ (IfK). Zudem sollen Kooperationen mit anderen Kommunen und mit öffentlichen Firmen weiterentwickelt werden.

Private Gelder für Kommunen

Bei der Entscheidung zwischen öffentlicher und privater Finanzierung von Investitionen der Kommunen soll die jeweils effektivste und günstigste Lösung gewählt werden. Eine Option ist ein öffentlicher Infrastrukturfonds von Bund und Ländern, an dem sich institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds beteiligen können. Eine zweite ist die eines Bürgerfonds, über den Sparer Geld anlegen können. Dieses flösse dann risikomindernd in ein Bündel von Investitionsvorhaben - womöglich noch gefördert über die Arbeitnehmersparzulage.

Verkehrsgesellschaft auf Bundesebene

Langfristig soll eine öffentliche Infrastrukturgesellschaft für Bundesfernstraßen geprüft werden. Sie wäre für den Bau und Betrieb der Fernstraßen zuständig und würde sich überwiegend über Maut-Gebühren finanzieren und selbst Kredite - aber ohne Staatsgarantie - aufnehmen können. Eine Privatisierung von Autobahnen ist damit aber nicht vorgesehen.

Allgemeine Rahmenbedingungen in Deutschland

Die Kommission plädiert in Deutschland für mehr Investitionen in Qualifikation und Bildung, den Bürokratieabbau, eine effektive Finanzmarktregulierung sowie die Nachwuchssicherung von Fachkräften - auch mit Hilfe von Zuwanderung.

Innovationen in Unternehmen

Das Ziel von drei Prozent Anteil der Ausgaben von Forschung und Entwicklung an der Wirtschaftsleistung wird als zu niedrig angesehen. Die Kommission schlägt 3,5 Prozent vor. Zudem sollen bei der Finanzierung von Investitionen Eigenkapital und Fremdkapital steuerlich gleich behandelt werden. Eine generelle Steuersenkung soll das für Unternehmen nicht mit sich bringen.

Energie

Hier sieht die Kommission einen Investitionsbedarf von über 30 Milliarden Euro jährlich bei den privaten Anbietern für Netze, Erzeugung und Energieeffizienz bis 2020.

Juncker-Plan

Die Kommission begrüßt den Investitions-Förderplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Sollte er sich als erfolgreich erweisen, sollte er dauerhaft weiterverfolgt werden. Das bedeute aber auch eine höhere Kapitalausstattung.

Das Infrastruktur-Geschäft solle sich „idealerweise“ binnen zwei bis drei Jahren verdoppeln. Die bisher acht Firmen reichen vom Ferngas-Netz durch Tschechien (Net4Gas) bis zu Parkautomaten in Chicago. Sie sind Teil der „alternativen Investments“, in denen 15 Prozent der gut 600 Milliarden Euro stecken, die die Allianz für ihre Versicherten anlegt.

Bei Erneuerbaren Energien nimmt Gerke sechs Milliarden Euro ins Visier. In dem Bereich hat sich ACP 2015 erstmals in die USA vorgewagt, wo die Anlagen viel größer sind als in Europa. „In Zukunft könnten das auch Schwellenländer wie Indien sein.“

Mit direkten Unternehmensbeteiligungen wie dem Fährbetreiber Scandlines und dem Druckmaschinenbauer Manroland hatte ACP wenig Glück. Manroland rutschte sogar in die Pleite. Proteste vor der Allianz-Verwaltung schreckten die Versicherungsmanager von neuen direkten Engagements ab. Sie zogen 2009 die Notbremse. Die letzte alte Beteiligung, der Snackautomaten-Betreiber Selecta, wurde erst 2015 verkauft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×