Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2017

17:24 Uhr

Allianz-Chef Oliver Bäte

Teambuilding im Kugelhagel

VonChristian Schnell

Die Allianz hat mit einer außergewöhnlichen Strategieübung manche Topmanager verschreckt. Kritiker sehen ihre Chance, um wegen der teilweise ungewohnten Methoden gegen Konzernchef Bäte zu sticheln.

Der 52-Jährige führt seit fast zwei Jahren den Versicherungskonzern Allianz. Dominik Butzmann für Handelsblatt

Allianz-Chef Oliver Bäte

Der 52-Jährige führt seit fast zwei Jahren den Versicherungskonzern Allianz.

FrankfurtEs sollte eigentlich nur die Firmenkultur ein bisschen beleben. Oder wenigstens ein paar Kollegen wachrütteln. Aber die paramilitärischen Gäste, die Allianz-Chef Oliver Bäte jüngst auffuhr, befeuerten am Ende doch eher seine internen Gegner.

Der Hintergrund: Als kürzlich die weltweit gut 250 Topmanager des Konzerns zum jährlichen Führungstreffen zusammenkamen, da lief das seit Bätes Amtsantritt im Jahr 2015 übliche Teambuildung anders ab als erwartet: Ein Kampfpilot sollte gerettet werden, berichtet der „Spiegel“. Auf großen Leinwänden simulierten Kampfjets und Militärhubschrauber eine Gefechtssituation. Ehemalige US-Militärs sorgten dafür, dass alles möglichst echt aussah. Das Ziel lautete: schnelle und transparente Entscheidungsabläufe nach Vorbild der US-Streitkräfte als Übung für die Gruppe.

Eine auf Teambuilding-Maßnahmen spezialisierte Agentur hat das Spektakel für die Allianz organisiert. Nur, wo früher eine Kletterwand und später ein Wildwasser-Rafting ausreichten, muss heute auch hier noch mehr Kitzel geboten werden.

Das Signal nach außen sollte sein: Seit Bäte am Ruder ist, wird nicht mehr wie unter seinem Vorgänger Michael Diekmann die neue Strategie lediglich von oben verkündet; stattdessen wird durch „Experimentieren“ in der Gruppe versucht, gemeinsam die neue Marschrichtung zu entwickeln. Und das ist nur eines von vielen Terrains, auf denen sich Bäte derzeit bewegt. Er mischt an zu vielen Stellen mit, heißt aus Sicht seiner Widersacher, zu denen noch immer zahlreiche, sehr konservative Kräfte in Europas größtem Versicherer gehören. Denen gefielen die von Bäte angestoßenen Veränderungen von Anfang an nicht. Kein Wunder, will er doch unter anderem im Mittelmanagement komplette Ebenen streichen. Da wirkt die Kriegsführung schnell recht echt.

Bäte kennt den Widerstand. „Jede Veränderung führt zu Unzufriedenheit“, sagte der 52-Jährige kürzlich bei der Vorlage der Bilanz mit gewohnt schnellem Sprechstil. In Zukunft werde man aber nicht alle Managementebenen benötigen.

Vielerorts wird er bei der Allianz noch immer als der Ex-McKinsey-Mann mit dem Rechenschieber gesehen, auch wenn er mittlerweile fast zehn Jahre im Konzern ist. Seine Gegner setzen auf die Zeit nach dem 3. Mai. Dann soll bei der Hauptversammlung Michael Diekmann in den Aufsichtsrat gewählt werden und dort im Anschluss auch den Vorsitz übernehmen. Bätes Vorgänger wäre damit auch sein oberster Kontrolleur. Das wird eine Zeit, auf die sich Oliver Bäte nach eigenen Worten sehr freut. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet.“ Seine Neider werden sich anderes erhoffen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×