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29.08.2012

07:16 Uhr

Allianz

Der letzte Agrar-Spekulant

VonMichael Detering

Immer mehr Banken reagieren auf die Kritik an der Nahrungsmittelpreis-Spekulation und ziehen sich aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen zurück. Anders die Allianz: Der Anbieter verteidigt sein Engagement.

Sind die Investitionen in Agrarrohstoffe moralisch bedenklich? dpa

Sind die Investitionen in Agrarrohstoffe moralisch bedenklich?

FrankfurtEigentlich ist sich Michael Diekmann bewusst, dass das Thema Sprengstoff birgt. „Die Reputation der Allianz ist mehr wert ist als die letzten zehn Basispunkte“, sagte der Allianz-Chef bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Die Hilfsorganisation Oxfam wirft dem Versicherungsriesen vor, stärker als jedes andere deutsche Finanzinstitut an der Spekulation mit Nahrungsmittelpreisen beteiligt zu sein - und damit den Hunger in der Welt zu befördern.

Doch während viele Banken auf den Druck von Hilfsorganisationen reagieren und den Ausstieg aus Agrarinvestitionen ankündigen, sieht die Allianz die Lage ganz anders: Die Produkte würden niemandem schaden, also werde man sie weiterhin anbieten. Im Gegenteil: „Ein Rückzug als Investor wäre fatal“, zitiert die Allianz jetzt auf ihrer Homepage ihr Vorstandsmitglied Jay Ralph. „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Investitionen in die Leistungsfähigkeit der Agrarwirtschaft.“

Laut Oxfam ist kein deutsches Finanzinstitut bei den Agrarspekulationen so aktiv wie die Allianz. Über sechs Milliarden Euro Kapital soll der Konzern auf den Warenterminmärkten in Agrarrohstoffen angelegt haben. Dabei handelt es sich nicht um Gelder der Versicherungskunden, sondern um Investitionen von Kunden der Vermögensverwaltungstöchter Pimco und AGI in Indexfonds für Agrarrohstoffe.

Bislang ist die Rolle der Allianz kaum wahrgenommen worden. Viel stärker in der Kritik steht die Deutsche Bank, obwohl sie laut Oxfam mit 4,6 Milliarden Euro „nur“ auf Platz zwei der deutschen Agrarinvestoren steht. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fährt seit Monaten eine große Kampagne gegen die Bank. Die Deutsche Bank hat sich noch nicht entschieden, ob sie aus dem Geschäft aussteigen will. Sie prüft derzeit, welche Auswirkungen die Produkte haben.

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Andere, kleinere Anbieter haben die Notbremse gezogen: Der Sparkassenfondsanbieter Deka, die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg haben angekündigt, ihre Investitionen in Agrarrohstoffe abzubauen. Für sie ist das Geschäft nicht so bedeutsam wie für die Allianz oder die Deutsche Bank (siehe Grafik). Sie ziehen sich lieber zurück, als einen Imageschaden zu riskieren.

Da der größte Anbieter Allianz sich nicht freiwillig bewegt, setzt Oxfam nun auf die Politik. Indexfonds auf Agrarrohstoffe sollten vom Gesetzgeber verboten werden, fordert die Organisation. Die Gespräche mit der Allianz seien sehr enttäuschend verlaufen. „Wir hätten gedacht, dass der Konzern wegen seines eigenen hohen ethischen Anspruchs reagiert“, sagt eine Sprecherin.

Kommentare (26)

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Wutbuerger

29.08.2012, 08:19 Uhr

Sinnvoll für Bauern oder nicht, es ist pervers mit der Armut und dem Hunger anderer Leute Gewinne zu machen!
Wenn bei Dürre die Preise steigen, profitieren die Bauern auch ohne Terminmärkte. Die Allianz sollte hier schnellstens austeigen, der Imageschaden könnte weit größer sein, als der Vorstand jetzt vermutet.

hedgehog

29.08.2012, 08:55 Uhr

Promotion bei Karl Homann - mehr muss man zu diesem Herrn Pies nicht wissen. Kein Wunder also, dass das Sicherungsmotiv und nicht das Spekulationsmotiv in den Vordergrund gerückt wurde. Es wäre vom Handelsblatt hoch anständig gewesen, wenn man dazu wenigstens noch die Meinung von einem Fachmann wie bspw. Peter Ulrich (integrative Wirtschaftsethik) eingeholt hätte.

Account gelöscht!

29.08.2012, 09:12 Uhr

Können Sie den anderen Foristen erklären, warum bsp. ein deutscher Landwirt Gewinne mit der Armut und dem Hunger anderer Leute macht, wenn er sich gegen Preisschwankungen an den Terminmärkten absichert?

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