Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.08.2015

11:27 Uhr

Allianz Deutschland

Lebensversicherungsgeschäft drückt den Gewinn

Das Zinstief bringt die Lebensversicherer in Deutschland in die Bredouille – auch Deutschlands größter Anbieter, die Allianz, bleibt nicht verschont. Der operative Gewinn im ersten Halbjahr sinkt.

Das Lebensversicherungsgeschäft drückt auf den Gewinn der Deutschland-Tochter. dpa

Allianz

Das Lebensversicherungsgeschäft drückt auf den Gewinn der Deutschland-Tochter.

MünchenUmbrüche in der Lebensversicherung und einige Wetterkapriolen haben der Allianz Deutschland im ersten Halbjahr zugesetzt. Das operative Ergebnis schrumpfte um sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie die Deutschland-Tochter von Europas größtem Versicherer am Freitag mitteilte.

Der Umsatz sank leicht um drei Prozent auf 16,6 Milliarden Euro – und dürfte sich auch im Gesamtjahr rückläufig entwickeln, wie der Konzern bekräftigte. Eine Gewinnprognose gibt es auch unter dem neuen Chef Manfred Knof nicht, der im April das Ruder von Markus Rieß übernommen hat. Rieß wechselt an die Spitze der Münchener-Rück-Tochter Ergo.

Die Herausforderungen sind für die künftigen Rivalen Knof und Rieß ähnlich: Das Vertriebsnetz vieler deutschen Versicherer gilt als zu groß. Die Kosten müssen vor allem in der Lebensversicherung, der lukrativsten Einnahmequelle der Vertreter, angesichts niedriger Zinsen sinken. Zudem wollen auch die Großen der Branche weg von den lebenslangen Garantien für Lebensversicherungen, die viel Kapital binden.

Allianz: Gut – aber nicht gut genug

Allianz

Gut – aber nicht gut genug

Die Zahlen der Allianz zum zweiten Quartal sind gut. Doch bei näherem Hinsehen zeigen sie die Schwächen des Versicherungsriesen. Konzern-Chef Bäte muss die Ausgangslage nutzen, um den Konzern zukunftsfähig zu machen.

Die Allianz Deutschland hat damit bereits begonnen und neue Produkte aufgelegt, die nach Unternehmensangaben gut nachgefragt werden. Allerdings sanken in der Lebensversicherung die Beitragseinnahmen zuletzt um sechs Prozent auf 8,9 Milliarden Euro, was die Allianz damit begründete, dass sich das Neugeschäft von Einmalbeiträgen hin zu laufenden Beiträgen verschiebt.

In der Sachversicherung musste Allianz Deutschland mehr Kosten schultern. Hauptgrund waren die Stürme „Mike“ und „Niklas“, die Ende März über weite Teile Deutschlands hinweg fegten. Hatte der Konzern vor einem Jahr für Elementarschäden nur einen Aufwand von 101 Millionen Euro nach Rückversicherung zu verbuchen, so waren es dieses Mal im Halbjahr 186 Millionen Euro.

Systemrelevante Versicherer laut FSB (2013)

1

Allianz

Sitz: München

Netto-Gewinn 2012: 5,2 Milliarden Euro

Umsatz: 106,4 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,85 Billionen Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 144.000

Börsenwert: 53,8 Mrd Euro

Quelle: Reuters

2

AIG

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 2,6 Milliarden Euro

Umsatz: 50,13 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 287 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 63.000

Börsenwert: 53 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

3

Aviva

Sitz: London

Netto-Verlust 2012: 3,55 Milliarden Euro (wegen hoher Abschreibungen auf Beteiligungsverkäufe, vor allem in USA)

Umsatz: 39,68 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 319,19 Milliarden Euro (inklusive mittlerweile verkaufter Bereiche) S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 31.000

Börsenwert: 12,73 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

4

AXA

Sitz: Paris

Netto-Gewinn 2012: 4,15 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,1 Billionen Euro

Umsatz: 90,13 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 160.000

Börsenwert: 39,56 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

5

GENERALI

Sitz: Triest

Netto-Gewinn 2012: 90 Millionen Euro

Umsatz: 69,6 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 490 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A

Mitarbeiter: 80.000

Börsenwert: 22,5 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

METLIFE

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 0,9 Milliarden Euro

Umsatz: 52,04 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 364 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 64.000

Börsenwert: 40,8 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PING AN INSURANCE

Sitz: Shenzhen

Netto-Gewinn 2012: 2,49 Milliarden Euro

Umsatz: 37,18 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen liegt nicht vor

S&P-Finanzstärke-Rating: nicht vorhanden

Mitarbeiter: 190.000

Börsenwert: 35,3 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PRUDENTIAL

Sitz: London

Netto-Gewinn 2012: 2,56 Milliarden Euro

Umsatz: 34,78 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen 265,12 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 26.000

Börsenwert: 34,22 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

9

PRUDENTIAL FINANCIAL

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 358 Millionen Euro

Umsatz: 864,7 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: über 760 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 48.000

Börsenwert: 27,9 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

Im Gegensatz zur Deutschland-Tochter, konnte der Allianz-Konzern als ganzes mit guten Zahlen im zweiten Quartal punkten. Das operative Ergebnis kletterte um 2,6 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro, der Überschuss um 15 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro.

Das Lebensversicherungsgeschäft wie auch die Fonds-Tochter Pimco, von der Investoren weiterhin Geld abziehen, bleiben aber die großen Baustellen für den neuen Konzern-Chef Bäte, der erst im Mai sein Amt angetreten hat.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

14.08.2015, 18:10 Uhr

Dem vernehmen nach müssen die Lebensversicherer teure Kredite der Mutter bedienen.

Was oder hat die BAFin schon etwas zum Thema gesagt?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×