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30.11.2011

09:42 Uhr

Allianz-Interview

„Der Umsatz pro Kunde soll steigen“

VonMichael Detering, Axel Höpner

Die Allianz-Vorstände Markus Rieß und Severin Moser wollen die Sachversicherung profitabler machen, um verlorene Marktanteile wieder rein zu holen. Zur Strategie gehören neue Produkte, auch der Abbau von Stellen.

Severin Moser (l) verantwortet im Vorstand der Allianz Deutschland den Bereich Sachversicherung. Dr. Markus Rieß ist Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG. Thomas Eonberger / argum für Handelsblatt

Severin Moser (l) verantwortet im Vorstand der Allianz Deutschland den Bereich Sachversicherung. Dr. Markus Rieß ist Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG.

Handelsblatt: Die Allianz ist unumstrittener Marktführer in Deutschland. Doch in der Sachversicherung, der Königsdisziplin, verlieren Sie seit Jahren Marktanteile. Im dritten Quartal machten Sie aufgrund von hohen Aufwendungen für Naturkatastrophen sogar Verluste im operativen Geschäft. Ist die Organisation fett und träge geworden?

Markus Rieß: Das ist mir zu eindimensional. Der Markt verändert sich sehr nachhaltig. Zum Beispiel durch das Internet.

Aber Sie müssen handeln.

Rieß: Richtig ist: Wir haben eine äußerst erfolgreiche Lebensversicherung und eine wirklich gute Krankenversicherung. Auch in der Sachversicherung sind wir mit sehr großem Abstand Marktführer. Doch wir verlieren Marktanteile und sind in der Profitabilität nicht da, wo wir einmal waren, und auch nicht da, wo wir hinwollen. Daher haben wir uns entschlossen, ein Programm zu starten, das uns langfristig auf einen profitablen Wachstumspfad zurückführt. Dieses Programm beraten wir in den nächsten Wochen mit den Arbeitnehmer-Gremien.

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Wie heißt das Programm?

Rieß: Es heißt, nicht sehr spektakulär, „Zukunftsprogramm Sachversicherung“.

Was sind die konkreten Ziele?

Rieß: Wir wollen den Umsatz in der Sachversicherung bis 2014 von zuletzt 8,95 auf 9,5 Milliarden Euro steigern.

Und bei der Profitabilität?

Rieß: Unsere Schadenkostenquote - also das Verhältnis von Schaden und Kosten zu den Prämieneinnahmen - soll auf 95 Prozent sinken. 2010 lag sie aufgrund hoher Belastungen aus Naturkatastrophen leicht über 100 Prozent.

Kommentare (5)

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stammtischniveau

30.11.2011, 10:02 Uhr

Mehr Verträge pro Kunde, mehr Umsatz pro Kunde - 20 Jahr bin ich jetzt in der Branche und noch immer die gleichen Cross-Selling-Konzepte. Auch der Produktbaukasten ist wieder da. Bestimmt auch noch irgendwelche Pluspunkte ab dem dritten Produkt im Haus und Produktkombinationen die wirklich jeder braucht.

Wann gibt es endlich einmal wirklich neue Ideen? Vielleicht Produkte anbieten, die den Kunden wirklich überzeugen, weswegen er dann über weitere im Haus nachdenkt. Zugegeben: einfach ist das bei der deutschen Versicherungs-Überversorgung sicher nicht.

Gast

30.11.2011, 11:27 Uhr

"Unsere Schadensquote soll sinken..."
"Der Umsatz pro Kunde soll steigen."

Wenn es eine Versicherung gibt, von der man dies erwartet, dann die Allianz.
Der Versicherungsnehmer ist bei denen schon seit Jahren der Dumme.
Die Raten sind im Vergleich viel zu hoch.
Die Allianz ist überall ganz vorne mit dabei, wenn es Beschwerden der Kunden geht.
Die "Vorsorge-Produkte" sind so mangelhaft, dass Gerichte ständig die Unwirksamkeit der von der Allianz verwendeten Klauseln feststellen.
Wenn ich mir das Interview durchlese, dann weiß ich doch, was auf die Kunden zukommt (wenn ich das als Kunde nicht eh schon mitbekommen habe).
Für die Allianz wird es wohl Zeit, dass die Politik ein neues Volksverdummungs-Produkt auflegt.
Man könnte es ja Riester 2.0 nennen.

moneyman

30.11.2011, 13:07 Uhr

Der Allianz geht doch gerade der Arsch auf Grundeis (Staatsanleihen der verschiedenen Länder, die man noch nicht abstoßen konnte).

Außerdem konnte man die letzten Jahre nicht so viele Leute von der tollen Riester-Schneeballsystem überzeugen.

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