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09.06.2011

16:47 Uhr

Anleihe-Portfolio geschrumpft

Deutsche Versicherer flüchten aus Schuldenstaaten

VonDietmar Neuerer

ExklusivAlle reden über Griechenland, doch hoch verschuldet sind auch Länder wie Italien und Spanien. Für den Fall der Fälle haben deutsche Versicherer vorgesorgt und wackelige Staatsanleihen aus ihren Depots verbannt.

Ein Stierkampf in Spanien. Quelle: dapd

Ein Stierkampf in Spanien.

DüsseldorfDeutsche Versicherungen haben sich in erheblich größerem Ausmaß als bisher bekannt von Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euro-Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, den sogenannten PIIGS-Staaten, getrennt. Das geht aus einem Papier des Finanzausschusses des Bundestages hervor, das Handelsblatt Online vorliegt.

So haben die Versicherer beispielsweise nur noch neun Milliarden Euro in spanischen Staatsanleihen angelegt. Vor einem Jahr waren es noch 20,9 Milliarden.

Auch italienische  Staatsanleihen sind im Portfolio der Versicherer deutlich geschrumpft – von 28 Milliarden Euro im März 2010 auf 20 Milliarden in diesem Jahr. Dasselbe gilt für Portugal (2010: 4,5 Milliarden Euro; 2011: 3 Milliarden Euro), Irland (2010: 7 Milliarden Euro; 2011: 4 Milliarden Euro) und Griechenland (2010: 5,8 Milliarden Euro; 2011: 2,8 Milliarden Euro).

Unterm Strich haben damit an den gesamten Kapitalanlagen spanische Anleihen nur noch einen Anteil von 0,73 Prozent, bei italienischen 0,31 Prozent, portugiesischen 0,22 Prozent, irischen 0,31 Prozent und griechischen 0,22 Prozent

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte die Erhebung vorgenommen und dabei 25 Versicherungsgruppen sowie 5 große Einzelunternehmen einbezogen. Damit schließt die Abfrage 187 unter deutscher Aufsicht stehende Versicherungsunternehmen ein. Die Marktabdeckung liegt demnach bei weit über 80 Prozent.

Allerdings waren in der Vorjahres-Erhebung auch Investitionen in Publikumsfonds einbezogen, die 2011 herausgerechnet wurden. Publikumsfonds fallen jedoch kaum ins Gewicht. In dem Ausschuss-Papier wird dies damit begründet, dass die Unterschiede in den Beständen an Anleihen der PIIGS-Staaten so groß seien, dass sie nicht allein durch die Herausnahme der Publikumsfonds begründet werden können. „Aus den Zahlen kann daher nach Einschätzung der Aufsicht geschlossen werden, dass die Unternehmen bis auf Ausnahmen ihr Engagement in diesen Staatsanleihen reduziert haben.“

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Die Unsicherheit der Investoren an den Finanzmärkten ist angesichts der drohenden Pleite Griechenlands weiter groß. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen steigen unaufhaltsam. EU, EZB und IWF bescheinigten dem hoch verschuldeten Land in ihrem Prüfbericht, dass das laufende Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro nicht ausreicht. Nach Angaben aus Koalitionskreisen hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den nochmaligen Bedarf für 2012 bis 2014 auf rund 90 Milliarden Euro veranschlagt.

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Kommentare (6)

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Stransen

09.06.2011, 16:25 Uhr

So ein Zahlendreher dürfte dem Handelsblatt eigentlich nicht passieren. Hat der Redakteur geschlafen oder einfach keine Ahnung? Es werden im Artikel durchweg Millardenbeträge durch lächerliche Millionenbeträge ersetzt. Vielleicht mal Wirtschaftswissenschaftler einstellen anstatt studierte Journalisten ;)

Ondoron

09.06.2011, 16:46 Uhr

Alles andere wäre schlicht fahrlässig. Die EUrokraten erleben gerade ihr Waterloo. Gut so! So geht es eben ergonamen größenwahnsinnigen Politikern, die - koste es, was es wolle - widersinnige "politische Projekte" durchpeitschen wie weiland die Technokraten im Ostblock. Da darf sich niemand wundern, wenn das Ergebnis das gleiche ist.

Sam

09.06.2011, 16:47 Uhr

Wenn noch ein Rest an Verstand bei den Versicherungen und Banken vorhanden ist, verkaufen die alle gefährdeten Papiere so schnell wie möglich. Das sind sie den Kunden und Aktionären schuldig. Der Zusammenbruch des Euro und des Gesamtsystems wird dadurch zwar nicht verhindert, aber der Schaden reduziert.

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