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02.04.2014

18:14 Uhr

Assekuranz 2014

Versicherer schimpfen über die Arbeitsministerin

VonKerstin Leitel

Führende Versicherungsmanager nehmen die Rentenpolitik der Arbeitsministerin Andrea Nahles aufs Korn. Auf der Handelsblatt-Tagung in München forderten sie weniger Umlage und mehr private Vorsorge.

Munich-Re-Chef Nikolaus vom Bomhard erklärt die Politik seines Unternehmens.

Munich-Re-Chef Nikolaus vom Bomhard erklärt die Politik seines Unternehmens.

MünchenDie Versicherungsbranche gilt als zurückhaltend. Doch auf der Handelsblatt-Tagung „Assekuranz 2014“ in München nahmen einige wichtige Manager aus der Branche kein Blatt vor den Mund. Sie kritisierten die neue Bundesregierung in harscher Form.

Er würde gern einmal mit Frau Nahles ein Abendessen verbringen, sagte Werner Görg, Chef der Gothaer Versicherung vor den Vertretern der Versicherungswirtschaft. Er wüsste gern, wie sich die Arbeitsministerin die Zukunft der Sozialversicherung vorstellt.

Das Dinner dürfte für die SPD-Ministerin kein Zuckerschlecken werden: Er zweifle sehr, dass sie ihm nach einem solchen gemeinsamen Abendessen dann noch den Vorsitz irgendeiner Arbeitsgruppe zu dem Thema anbieten würde, scherzte Görg in Reaktion auf eine Frage aus dem Publikum.

Das Bundeskabinett hatte Ende Januar den Gesetzentwurf von Andrea Nahles gebilligt. Vorgesehen ist danach eine Rentenaufbesserung für ältere Mütter, eine erhöhte Erwerbsminderungsrente und die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

An den bisherigen Planungen für die Rente mit 63 gibt es aber massive Kritik. Auch Nikolaus von Bomhard, Chef des Munich Re, fand klare Worte. Was die Bundesregierung in ihren ersten 100 Tagen durchgesetzt habe, sei „das Gegenteil dessen, was es braucht“, sagte er.

„Weniger Umlage, mehr private Vorsorge“, forderte der Manager. „Auch wenn uns die Bundesregierung glauben machen möchte, es gäbe kein Problem des umlagefinanzierten System, ist es natürlich anders.“ Von Bomhard sieht einen „enormen Raum“ für die Assekuranz, ihr Produkt auf Basis der Elemente Sparen plus Langlebigkeitsabsicherung ins Spiel zu bringen. „Aber: Die Lebensversicherung wird sich angesichts der Rahmenbedingungen, die wir heute haben, verändern müssen.“

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Kommentare (5)

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02.04.2014, 20:32 Uhr

liebe profitorientierte versicherer

macht eure hausaufgaben nicht im ministerium
sondern in eurem büro
erarbeitet dort "das" produkt was mir den umstieg erleichtert
also nicht rumheulen
sondern ärmelhoch und ran an die arbeit

aber

es ist einfacher als lobbyist die ministerin oder deren 2.charge diese zu bequatschen und zu "überzeugen",

dass das wasser den berg rauf fliesst.


Account gelöscht!

02.04.2014, 20:56 Uhr

Ist doch egal. Für alle Beitragszahler jünger als 45 wird die Rente sowieso nur noch eine Kaufkraft haben, die maximal der heutigen "Hilfe zum Lebensunterhalt" entspricht. :-)

Account gelöscht!

02.04.2014, 21:31 Uhr

Es gilt, zukünftige Regelungen, die das Geschäft verderben zu beeinflussen; insofern ist Fr. Nahles Angriffsziel.
Die Schwierigkeiten der Branche sind wie angesprochen aber die Folgen der Krise des Finanzsystems. Dass mit Geld kein Geld mehr zu verdienen ist, ist die Konsequenz und das was wir jezt sehen ist zugleich der Beweis, dass es für Normalverdiener extrem riskant ist, sich auf Kapitalerträge im Alter zu verlassen: Bei 1% braucht es schon 2Mil. um auf 20.000€ zu kommen und es wird die Zeit kommen, wo ein Kaffee 10€ kostet.
Politiker werden eher das Problem bearbeiten müssen, Geringverdiener und lang Arbeitslose im Alter zu versorgen, was zu einer Verteilung auf diese Gruppen führen wird. Dazu dient der Mindestlohn und die langsame Bevorzugung von gefährdeten Gruppem, etwa alleinerziehender Frauen. Dazu (für Andere) würde natürlich eine kapitalgedeckte Versicherung nichts beitragen wollen.
Als Teil des Finanzsektors ist die Versicherungswirtschaft als allererstes für die Entwicklung mit verantwortlich und es wäre oberste Prionrität für Verantwortliche gewesen, die Fachkompetenz zur Gestaltung langfristig erfolgreicher Rahmenbedingungen einzusetzen. Fr. Nahles hat dafür weder die Fachkompetenz, noch ist sie in der Lage, die Zeit zurückzudrehen, die verprassen Gelder zurückzuholen (Foto der Sektkarte eines Lononer Lokals gefällig? Die Flasche für 30.000Pfund), die jetzt an die Kunden auszuzahlen sind, die ihr leben lang gespart haben.
Die Gesellschaft (die Anderen, sorry) wird unter den gegebenen Bedingungen nur durch Leistungen der jungen Generation herauskommen. Dazu ist es dringend erforderlich, die Ausbildung der jungen zu sichern, die Jugend in die berufliche Tätigkeit zu bringen, und zwar nicht nur die high potentials und von Eltern hervorragend durchs Leben geführten Kinder, sondern auch die, die stärkerer Förderung bedürfen.
Wenn sich Fr. Nahles dafür stark macht, zeigt sie, dass sie die Zukunft gestaltet.

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