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10.07.2012

20:02 Uhr

Aussage vor Gericht

Maschmeyer will von Riesen-Provisionen nichts wissen

Carsten Maschmeyer hat erstmals in einem Prozess gegen den Finanzdienstleister AWD als Zeuge ausgesagt. Der AWD-Gründer sagte, er könne sich an strittige Provisionszahlungen nicht erinnern.

Carsten Maschmeyer hat als Zeuge in Köln ausgesagt. dpa

Carsten Maschmeyer hat als Zeuge in Köln ausgesagt.

Köln/HannoverIn der Prozessflut gegen den Finanzdienstleister AWD hat erstmals Firmengründer Carsten Maschmeyer ausgesagt. Der Ex-Unternehmenschef sei am Dienstag Zeuge in einem Zivilverfahren am Oberlandesgericht Köln gewesen, bestätigten eine Gerichtssprecherin und eine Sprecherin Maschmeyers. Der Radiosender NDR Info hatte darüber berichtet. In Niedersachsen gehen die juristischen Auseinandersetzungen um die Vorwürfe von Anlegern am Mittwoch in eine weitere Runde.

In Köln gibt es 16 Klagen gegen den AWD, eine Fonds- sowie eine Treuhandgesellschaft. Es geht um möglicherweise überhöhte Provisionen beim Immobilienfonds „Fundus 28“. Auf die Frage nach den strittigen Zahlungen habe Maschmeyer geantwortet, er könne sich nicht erinnern. „Er sei nur in Einzelfällen über die Provisionen von Mitarbeitern unterrichtet gewesen“, zitierte die Gerichtssprecherin den Kern der Aussage.

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (1)

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist unter die Buchautoren gegangen. "Selfmade - erfolg reich leben" (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Die ersten Auszüge hatte die Bild-Zeitung veröffentlicht - hier die wichtigsten Ausschnitte.

Seine Ausbildung

Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.

Sein Ratschlag

Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen

Seine Freunde

Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.

Vitamin B wichtiger als Arbeit

Häufig ist Beziehungsarbeit lohnender als rein fachliche Arbeit. Frei nach der Parole: „Der Kluge kennt alles, der sehr Kluge kennt alle.“ Ich kenne sogar Personen, die einzig wegen ihrer Netzwerke, Kontakte und Beziehungen einen begehrten, gut bezahlten Job bekommen haben.

Interessante Jobs finden

Interessante Jobs findet man heutzutage viel eher durch die Nutzung von Netzwerken als durch Print- oder Internet-Stellenanzeigen. Viele Statistiken belegen, dass die meisten Menschen ihre Jobs durch persönliche Beziehungen finden. Machen Sie sich also nichts vor: 

Über Politiker

Das gilt umso mehr für Politiker: Ihr Erfolg hängt auch von ihrem Netzwerk, von ihren Beziehungen ab. Man wird kaum in den Ortsbeirat gewählt, wenn man keine guten Verbindungen hat. Als Politiker brauchen Sie – gerade in Ihrer Partei – die richtigen Unterstützer, die sich für Sie einsetzen und propagieren, warum die Leute Sie wählen sollen.

Über Gerhard Schröder

Wenn man den Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennengelernt hat und er schließlich Bundeskanzler wird, dann lernt man fast ganz automatisch andere SPD-Politiker wie Stephan Weil, unseren Oberbürgermeister, und sogar Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel kennen.

Maschmeyers Sprecherin erklärte, der Firmengründer habe ausgesagt, dass die Provisionen seiner Erinnerung nach unter 15 Prozent gelegen hätten. Vor Gericht habe Maschmeyer gesagt, er könnte sich sicher daran erinnern, wenn ihm überproportionale Steigerungen mitgeteilt worden wären.

Das Urteil in dem Berufungsverfahren wird am 30. August erwartet. Die Streitsumme liegt nach Gerichtsangaben bei rund 750 000 Euro. Vor dem Auslaufen einer Verjährungsfrist hatten zum Jahresende 2011 viele Ex-Anleger Klagen gegen den AWD gestartet.

Das Unternehmen, das inzwischen zum Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life gehört, wies darauf hin, dass neben seinem früheren Chef weitere Zeugen vor der zuständigen Kammer in Köln aussagten. Sowohl die Verantwortlichen von Fundus als auch der damalige Produktgeschäftsführer von AWD Deutschland hätten bestätigt, dass die Beraterprovisionen nicht über 15 Prozent lagen. „Wir gehen davon aus, dass die Berufungen hier zurückgewiesen werden“, hieß es.

Vor dem Landgericht Hannover geht der Streit um Risikoaufklärung und Provisionshöhen am Mittwoch in einem anderen Prozess weiter. Erwartet wird hier zunächst aber nur eine Entscheidung darüber, ob eine Beweisaufnahme nötig ist. Zu einem Auftritt Maschmeyers dürfte es nach Auskunft des Landgerichts deshalb noch nicht kommen.

AWD vor Umbenennung: Umbau an Maschmeyers' Lebenswerk

AWD vor Umbenennung

Umbau an Maschmeyers' Lebenswerk

Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge könnte der von Carsten Maschmeyer einst gegründete Finanzvertrieb bald einen neuen Namen erhalten. Der Eigner Swiss Life will damit einen Neustart wagen.

Von

dpa

Kommentare (13)

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blackstone

10.07.2012, 18:20 Uhr

Maschmeyer wusste von nix, weiß von nichts und wird nie von etwas was wissen.

http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

LG
Blackstone

Account gelöscht!

10.07.2012, 20:05 Uhr

Wie immer gilt, ob Spanie , Siechenland ..., das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders. Komisch das der Architekt des Systems AWD von nix was weiß.

Demenzkranker

10.07.2012, 20:32 Uhr

Darf man Maschmeyer öffentlich eigentlich „Dreckschwein“ nennen oder ist das strafbewährt?

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