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02.07.2012

22:47 Uhr

AWD vor Umbenennung

Umbau an Maschmeyers' Lebenswerk

Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge könnte der von Carsten Maschmeyer einst gegründete Finanzvertrieb bald einen neuen Namen erhalten. Der Eigner Swiss Life will damit einen Neustart wagen.

Carsten Maschmeyer (rechts) hat seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life schon länger vollzogen. Reuters

Carsten Maschmeyer (rechts) hat seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life schon länger vollzogen.

HannoverBis Ende November wird der „Financial Times Deutschland“ zufolge der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life entscheiden, ob der Finanzvertrieb AWD einen neuen Namen erhält. Damit solle dem Geschäft neues Wachstum eingehaucht werden, wohl auch um eine folgenschwere Abschreibung auf die deutsche Tochter zu vermeiden. Swiss Life hatte Ende 2007 ein Übernahmeangebot für den AWD vorgelegt und später auch dem Gründer Carsten Maschmeyer dessen restliche Anteile abgekauft.

Der AWD ist einer der umstrittensten Finanzvertriebe in Deutschland. In vielen Fällen wurde den Vertriebskräften vorgeworfen, Kunden getäuscht oder unzureichend über Risiken bei geschlossenen Fonds und anderen Finanzprodukten aufgeklärt zu haben.

Seinen Sitz im Swiss Life-Verwaltungsrat hatte Maschmeyer im vergangenen Jahr abgeben und auch seinen Anteil an dem Assekuranzunternehmen auf unter drei Prozent reduziert. Maschmeyer ist eine umstrittene Persönlichkeit, da er ein dichtes politisches Netzwerk pflegt und etwa Ex-Bundespräsident Christian Wulff in seiner Ferienwohnung auf Mallorca Urlaub machte.

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist unter die Buchautoren gegangen. "Selfmade - erfolg reich leben" (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Die ersten Auszüge hatte die Bild-Zeitung veröffentlicht - hier die wichtigsten Ausschnitte.

Seine Ausbildung

Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.

Sein Ratschlag

Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen

Seine Freunde

Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.

Vitamin B wichtiger als Arbeit

Häufig ist Beziehungsarbeit lohnender als rein fachliche Arbeit. Frei nach der Parole: „Der Kluge kennt alles, der sehr Kluge kennt alle.“ Ich kenne sogar Personen, die einzig wegen ihrer Netzwerke, Kontakte und Beziehungen einen begehrten, gut bezahlten Job bekommen haben.

Interessante Jobs finden

Interessante Jobs findet man heutzutage viel eher durch die Nutzung von Netzwerken als durch Print- oder Internet-Stellenanzeigen. Viele Statistiken belegen, dass die meisten Menschen ihre Jobs durch persönliche Beziehungen finden. Machen Sie sich also nichts vor: 

Über Politiker

Das gilt umso mehr für Politiker: Ihr Erfolg hängt auch von ihrem Netzwerk, von ihren Beziehungen ab. Man wird kaum in den Ortsbeirat gewählt, wenn man keine guten Verbindungen hat. Als Politiker brauchen Sie – gerade in Ihrer Partei – die richtigen Unterstützer, die sich für Sie einsetzen und propagieren, warum die Leute Sie wählen sollen.

Über Gerhard Schröder

Wenn man den Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennengelernt hat und er schließlich Bundeskanzler wird, dann lernt man fast ganz automatisch andere SPD-Politiker wie Stephan Weil, unseren Oberbürgermeister, und sogar Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel kennen.

Über Christian Wulff

Den damaligen Landtagsabgeordneten Christian Wulff lernte ich übrigens auf ganz spezielle Weise kennen. Ich hatte ihn öfter bei Empfängen gesehen, aber bis dahin noch nie persönlich mit ihm gesprochen. Bei der niedersächsischen Landtagswahl 1998 trat er für die CDU als Spitzenkandidat an. Diese Wahl wurde von der SPD genutzt, um auszuloten, wer als ihr Kanzlerkandidat in den Bundeswahlkampf ziehen sollte.

Über Anzeigen für Kanzlerkandidaten

Den Umfragen zufolge hatte Helmut Kohl kaum Chancen auf eine Wiederwahl, und da sagte ich mir: Dann wäre Gerhard Schröder allemal ein besserer neuer Bundeskanzler als Oskar Lafontaine. Deshalb kam mir die Idee einer Anzeige mit der berühmt gewordenen Headline „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“.

Über Ferres und das Leben in München

Weil ich wegen Veronica Ferres viel in München bin, gibt es natürlich auch mehr Kontakte zu den CSU-Größen und den Münchner Dax-Chefs. Gerade in der bayerischen Landeshauptstadt ist die Welt von Film, Politik und Wirtschaft besonders eng verbandelt.

Über Freundschaften

Networking bedeutet für mich natürlich auch, Freunde zu haben, ohne dass man miteinander Geschäfte machen möchte. Das gilt auch für Gerd Schröder. In dieser Beziehung wird mein Einfluss völlig überschätzt.

Über seine Rolle bei der Riester-Rente

Manche haben die abwegige These vertreten, ich hätte den damaligen Bundeskanzler überredet, mir zuliebe die Riester-Rente einzuführen. Tatsache ist: Mit Gerhard Schröder habe ich überhaupt erst zwei Jahre nach Einführung dieser privaten Zusatzrente zum ersten Mal persönlich gesprochen.

Über Privates

Der Grundsatz „privat bleibt privat“ hat eine stabile Basis geschaffen, auf der sich auch die Freundschaft zwischen unseren beiden Familien immer weiter entwickeln konnte.

Von

mdo

Kommentare (3)

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George_Soros

03.07.2012, 10:09 Uhr

Maschmeyer hat vor kurzem ein grosses Paket Aktien von "Biofrontera AG" gekauft.
Wird da der Name jetzt auch geändert? :-)

Namebrains

03.07.2012, 10:30 Uhr

.. am Ende subsumieren alle alles unter dem Markennamen. Jetzt hilft nur ein Neustart mit neuem Businesskonzept und einem Markennamen, der schon ein Versprechen ist...

Wunderpille

13.07.2012, 10:23 Uhr

Herr M. soll sich ja an einer Firma beteiligt haben, die Antidepressiva herstellt. Die können ja seine Strukkis jenen Kunden jetzt verticken, die Probleme mit ihren Finanzen dank AWD haben. Der Kreis schließt sich.

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