Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2011

07:53 Uhr

Bankenkrise

Bafin fürchtet um Versicherer

Aus der Bankenkrise könnte auch bald eine Krise der Versicherungsbranche werden. Die Aufsichtsbehörde Bafin befürchtet, dass sich die Versicherer anstecken könnten - und will die Unternehmen jetzt unter die Lupe nehmen.

Das Gebäude der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). dpa

Das Gebäude der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

BerlinDie deutsche Finanzaufsicht befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge eine Ansteckung der Versicherungswirtschaft an der Bankenkrise. Die Aufsichtsbehörde Bafin habe daher die großen in Deutschland tätigen Versicherer aufgefordert, bis zum 7. November die genaue Höhe ihrer Geldanlagen bei Banken mitzuteilen, berichtete die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf Versicherungskreise. Die Unternehmen müssten alle Formen der Kapitalanlage bei Geldinstituten beziffern sowie angeben, ob es sich um ungesicherte oder gesicherte Papiere handele.

In der Branche gibt es laut dem Blatt Befürchtungen, dass die Bafin die Gesellschaften auffordern werde, ihre Ausleihungen und Beteiligungen an Banken deutlich zurückzufahren. Das würde den Instituten die momentan ohnehin schwierige Refinanzierung zusätzlich erschweren. Eine Sprecherin der Bafin sagte der Zeitung dazu: „Es gibt keinerlei Druck der Bafin auf Versicherer, ihr Engagement bei den Banken zu reduzieren. Wir können den Versicherern nicht sagen, wo sie investieren sollen.“

Die Furcht vor Druck zur Reduzierung der Bankengagements beruht dem Bericht zufolge auch auf den Plänen für die neuen EU-Eigenkapitalregeln (Solvency II). Für die Beteiligung an einer Bank müssen Versicherer demnach im Standard-Risikomodell 100 Prozent als Eigenmittel unterlegen, bei Staatsanleihen von Euroländern ist die Unterlegung dagegen null Prozent.

Bei der neuen Umfrage sollten die Versicherer auch melden, wie sich ihre Engagements bei deutschen und ausländischen Staatsanleihen entwickelt habe. Dabei gehe es der Aufsicht nicht so sehr um griechische Anleihen. Größere Befürchtungen hätten die Bafin-Experten wegen Staatsanleihen Italiens, Portugals und Spaniens. Allein Marktführer Allianz ist mit 29 Milliarden Euro in italienischen Papieren engagiert.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

AxelEisenhuth

24.10.2011, 21:13 Uhr

Zinsen wachsen nicht auf Bäumen! Zinsen müssen erwirtschaftet werden! Das wird Ihnen sehr deutlich, wenn Sie einmal die Perspektive wechseln und sich fragen: “Habe ich mein Geld bei der Bank oder Versicherung investiert oder habe ich es diesen Gesellschaften, für ein Zinsversprechen, geliehen?”

Mazi

27.10.2011, 21:52 Uhr

Hat die BAFin die Versicherungen etwa "vor Risiken" beaufsichtigt?

Der Beitrag lässt darauf schießen, dass die BAFin die Versicherer nicht mit der ihr unterstellten Sorgfalt geprüft hat. Dies betrifft auch die Dienstaufsicht bis ins Finanzministerium (zu Herrn Asmussen). Wenn dem so wäre, wäre akuter Handlungsbedarf.

Beobachter

30.10.2011, 20:06 Uhr

Es ist unverständlich, aus welchem Grund dieser Artikel sich nur auf die Ausleihungen und Beteiligungen an Banken beschränkt.
Die Girobestände der Versicherer bei den Banken haben für die Versicherer und deren Liquidität kurzfristig eine wesentlich höhere Bedeutung als die langfristigen Anlagen. Man stelle sich einmal vor, es käme kurz nach einem beliebigen Monatsbeginn zu einem Crash bei einer deutschen Großbank. Nicht nur, dass viele Versicherer die gleichen Banken zur Abwicklung ihres Giroverkehrs nutzen, der Fall einer Bank würde möglicherweise im Dominoeffekt zu Problemen bei allen anderen Banken führen.
Das Guthaben der in diesem Fall betroffenen Versicherer wäre weder besichert noch auf andere Weise geschützt! Man stellt sich immer wieder die Frage, wie die Versicherer in ihrem Risikomanagement sich auf dieses Problem vorbereiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×