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03.03.2014

14:04 Uhr

Barmer-Chef Straub

„Der Speck muss weg“

ExklusivDer Branchenriese Barmer GEK soll schlanker und schneller werden. Wie weniger Mitarbeiter die 8,7 Millionen Kunden des Krankenkassen-Dino besser betreuen sollen, erklärt Vorstandschef Christoph Straub im Interview.

"Viele Geschäftsstellen der Barmer GEK sind zu klein." Vorstandsvorsitzender Christoph Straub will daher das Filialnetz der Krankenkasse halbieren. Bildquelle: Barmer GEK

"Viele Geschäftsstellen der Barmer GEK sind zu klein." Vorstandsvorsitzender Christoph Straub will daher das Filialnetz der Krankenkasse halbieren. Bildquelle: Barmer GEK

Als Christoph Straub vor zweieinhalb Jahren bei der Barmer GEK antrat, war die Krankenkasse noch die größte im Lande. Inzwischen hat ihr der beliebte Konkurrent Techniker Krankenkasse diesen Rang abgelaufen. Doch das will Straub, der selbst lange für die TK arbeitete, nicht auf sich sitzen lassen. Der Mediziner krempelt den Krankenkassen-Dino nun nach dem Vorbild aus Hamburg um. Aus den eher langsamen „Barmer-Beamten“ sollen schnelle Kassen-Helfer werden - zuhause, in der Filiale, am Telefon oder im Netz. Ob solch eine Radikalkur ganz ohne Beitragserhöhungen zu schaffen ist?

Herr Straub, Sie wollen bei der Krankenkasse Barmer GEK rund 3500 Stellen streichen und die Zahl der Geschäftsstellen halbieren. Was bringt das ihren 8,7 Millionen Versicherten?
Wir wollen unsere Kunden besser betreuen. Das gelingt uns derzeit nicht überall gleich gut. Ein Grund dafür ist, dass viele Geschäftsstellen zu klein sind. Drei bis vier Mitarbeiter an einem Standort sind zu wenig, um alle Anliegen kompetent und zügig zu bearbeiten. Unsere Versicherten haben oft komplizierte Fragen, die nur Spezialisten beantworten können. Wenn wir unsere Mitarbeiter in größeren Einheiten zusammenfassen, haben wir mehr Kompetenzen, unsere Versicherten schneller und intensiver zu betreuen.

Wenn Sie Standorte schließen, dann haben ihre Versicherten doch weitere Wege? Gerade ältere Leute schaffen das vielleicht nicht.
Zukünftig wird ein ausgeklügeltes Geschäftsstellennetz dafür sorgen, dass die meisten Versicherten nicht länger als 20 Minuten brauchen, um uns zu erreichen. Wer eingeschränkt und nicht mobil ist, den besuchen wir gerne auch weiterhin zu Hause. Außerdem werden wir erstmals mobile Geschäftsstellen einsetzen, damit auch wirklich niemand überlange Wege in Kauf nehmen muss. Abgesehen davon, beobachten wir den Trend, dass immer mehr Kunden ihre Anliegen am Telefon klären.

Ranking 2014: Diese Krankenkassen sind besonders beliebt

Gewinner

In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es zwei Maßstäbe, um die Beliebtheit einer Krankenkasse zu messen. Erstens: Wer gewinnt die meisten Köpfe? Oder zweitens: Und wer ist - gemessen an seiner Größe - ein beliebtes Wechselziel für zahlende Mitglieder? Zahlenmäßig ist ein Zuwachs von 20.000 Mitgliedern sehr auffällig. Prozentual fallen Werte von mehr als fünf Prozent auf. Dadurch ergeben sich folgende Gewinner.

Quelle: dfg, Stand: 3. Februar 2014

Platz 8

Eine relativ kleine Kasse, die mehr als fünf Prozent Mitglieder in einem Jahr gewinnt, fällt auf: Atlas BBK Ahlmann. 2058 waren es 2013, das entspricht einem Zuwachs von 5,33 Prozent. Im Ranking der größten Krankenkassen liegt das Institut auf Platz 61.

Platz 7

Eine weitere Betriebskrankenkasse ist sehr beliebt: BKK Linde. Das Institut gewann 9108 Mitglieder - was einem Zuwachs von 22,68 Prozent entspricht. In der Prozent-Rangliste der größten Jahresgewinner entspricht dies Platz 2.

Platz 6

Sieger in der Rangliste der prozentualen Gewinner ist jedoch der Ableger eines großen Versicherungskonzerns: Debeka BKK. Das Institut gewann 10.543 neue Mitglieder, was einem Zuwachs von 28,52 Prozent entspricht. Damit schiebt sich das Institut unter den Krankenkassen auf Platz 57.

Platz 5

Auffallend viele Mitglieder hat ein Institut aus Hamburg gewonnen, die Hanseatische Krankenkasse (HEK). Zahlenmäßig waren es 25.388, was Platz 5 in der Rangliste der Köpfe und sogar Platz 3 im prozentualen Ranking entspricht. Zuwachs: 8,49 Prozent für ein Institut, das nun auf Platz 27 unter den rund 130 Krankenkassen rangiert.

Platz 4

Die Barmer GEK hat ihren Spitzenplatz unter den größten Krankenkassen verloren. Doch nur deshalb, weil die Wuppertaler nicht so viele Mitglieder gewonnen haben, wie der große Konkurrent aus Hamburg. Immerhin steht jedoch ein Plus von 28.752 Mitgliedern zu Buche, was im Köpfe-Ranking Platz 4 entspricht. Prozentual sind es dagegen nur plus 0,43 Prozent.

Platz 3

Die meisten neuen Mitglieder unter den Betriebskrankenkassen hat die BKK Mobil Oil gewonnen. 29.477 waren es 2013. Das entspricht einem Zuwachs von 4,47 Prozent für die Nummer 17 unter den Krankenkassen.

Platz 2

Eine Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) gehört zu den großen Jahresgewinnern: Die AOK Baden-Württemberg. 32.489 neue Mitglieder waren es 2013, das entspricht jedoch nur einem Zuwachs von 1,13 Prozent. Kein Wunder, schließlich ist dies die Nummer 5 im Markt.

Platz 1

Der Spitzenreiter ist ein Phänomen in seiner eigenen Liga: die Techniker Krankenkasse (TK). 353.451 zahlende Mitglieder kamen 2013 hinzu. Ein Zuwachs von 5,92 Prozent. Und dennoch reichte dies noch nicht, um die Barmer GEK von Platz 1 in dieser Rangliste zu verdrängen.

Woher wissen Sie das? Gerade jüngere Leute erwarten doch heute eher einen guten Service über das Internet?
Das stimmt, neben Telefon spielt Internet eine immer größere Rolle. Umfangreiche Marktforschung und Analysen zeigen, dass die Versicherten diese Kontaktkanäle viel stärker nutzen, als bisher. Darauf stellen wir uns ein, indem wir in Telefon- und Internetgeschäftsstellen investieren, die eine schnelle und vollumfängliche Kundenbetreuung garantieren.

Merkwürdig klingt es dennoch, wenn sie sagen: Wir wollen die Kunden besser betreuen, aber mit weniger Leuten?
Das stimmt, doch dies ist kein Widerspruch. Zukünftig werden Prozesse verschlankt und viele Arbeitsbereiche digitalisiert, sodass sich der Personalbedarf reduziert. In der eigentlichen Kundenbetreuung wollen wir hingegen die Zahl der Mitarbeiter erhöhen und die Öffnungszeiten in den Geschäftsstellen verlängern. Und wir wollen - wie gesagt – unseren Telefon- und Internetservice deutlich ausbauen, damit viele Anliegen ohne großen Aufwand eigenständig erledigt werden können.

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