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15.02.2012

15:03 Uhr

Barmer-Chef Straub

„Kein Anlass für Prämienausschüttungen“

VonPeter Thelen

Die Milliardenreserven der Krankenkassen lassen Versicherte aufhorchen. Dennoch sträubt sich Christoph Straub von der Barmer GEK gegen Bonuszahlungen, sieht aber Reformbedarf bei der Kassen-Finanzierung.

Christoph Straub ist Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse Barmer GEK. dpa

Christoph Straub ist Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse Barmer GEK.

Handelsblatt: Herr Straub, warum kann die Barmer GEK keine Prämie ausschütten? Fehlt Ihnen schlicht der finanzielle Spielraum dazu?

Christoph Straub: Die wirtschaftliche Situation der Barmer GEK entwickelt sich positiv. Angesichts der neuerlich wieder steigenden Leistungsausgaben und dem Wiederaufflammen der Diskussion über eine Reduzierung des Steuerzuschusses zum Gesundheitsfonds haben wir keinen Anlass, über eine Prämienausschüttung zu spekulieren. Stattdessen setzen wir auf Planungssicherheit und Stabilität für unsere Versicherten.

Kritiker sagen, Kassen wie die DAK und die Barmer GEK leisten sich einen zu teuren Verwaltungsapparat mit zu vielen Außenstellen. Sie arbeiten unwirtschaftlich und können daher keine ausreichend hohen Überschüsse erwirtschaften, um einen Teil an ihre Versicherten auszuschütten.

Falsch. Mit der Fusion von Barmer und Gmünder Ersatzkasse vor zwei Jahren haben wir einen Optimierungsprozess gestartet, der schrittweise zu einer Verschlankung der Organisation führt. Mittlerweile liegen wir bei den Verwaltungskosten unter dem Durchschnitt aller gesetzlichen Krankenkassen. Die Anzahl der Geschäftsstellen entspricht den Bedürfnissen und Wünschen unserer Versicherten.

Die zehn größten Krankenkassen

Platz 10

Mit 2,42 Millionen Versicherten kommt die AOK Niedersachsen in Deutschland auf Platz zehn. In ihrem Bundesland ist die Krankenkasse die Nummer eins. Bis 2013 will die AOK Niedersachsen nach eigenen Angaben keine Zusatzbeiträge erheben.

Platz 9

Platz neun geht an die AOK Plus. Diese Krankenkasse mit 2,73 Millionen Mitgliedern ist zum 1. Januar 2008 durch den Zusammenschluss von AOK Sachsen und AOK Tühringen.

Platz 8

Mit 2,8 Millionen Versicherten kommt die AOK Nordwest auf Rang acht. Auch sie ist in dieser Form noch sehr jung: Zum 1. Oktober 2010 schlossen sich die AOK-Verbände Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein zur Nordwest zusammen. Der Hauptsitz ist im westfälischen Dortmund

Platz 7

Auf Rang sieben kommt noch ein AOK-Verband, der durch einen norddeutsch-westdeutschen Zusammenschluss entstanden ist: die AOK Rheinland Hamburg mit Hauptsitz in Düsseldorf. Die liegt mit 2,85 Millionen Mitgliedern knapp vor der AOK Nordwest.

Platz 6

Die IKK Classic ist in ganz Deutschland tätig. Sie kommt im ganzen Bundesgebiet auf 3,6 Millionen Mitglieder.

Platz 5

Die AOK Baden-Württemberg kommt auf Rang fünf. Rund 3,8 Millionen der Baden-Württemberger sind bei der AOK versichert - das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung.

Platz 4

4,3 Millionen Mitglieder zählt die AOK Bayern. Auch sie kann wie die AOK Baden-Württemberg rund ein Drittel der Bevölkerung auch sich vereinen. Damit ist sie die größte Krankenkasse Bayerns.

Platz 3

Die Bronzemedaille geht an die DAK-Gesundheit. Sie kommt auf 6,6 Millionen Mitglieder - allerdings erst seit dem 1. Januar 2012. Zu diesem Stichtag ist die DAK-Gesundheit aus dem Zusammenschluss der DAK, der BKK-Gesundheit und der BKK Axel Springer entstanden.

Platz 2

Die Techniker Krankenkasse kommt auf acht Millionen Versicherte - Rang zwei.

Platz 1

Die größte Krankenkasse in Deutschland ist die Barmer GEK. 8,6 Millionen Menschen sind dort krankenversichert. Die Barmer GEK ist am 1. Januar 2012 aus der Barmer Ersatzkasse (Wuppertal) und der Gmünder Ersatzkasse GEK (Schwäbisch Gmünd) hervorgegangen. Juristischer Sitz der bundesweit agierenden Kasse ist heute Berlin.

Viele Kassen kritisieren, dass der krankheitsorientierte Finanzausgleich Krankenkassen mit vielen gesunden Versicherten begünstigt. Wie sehen Sie das für die Barmer?

Jedes Ausgleichssystem wie der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich muss kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei sind die Zielgenauigkeit und die Anpassung an ein verändertes Krankheitsspektrum der Bevölkerung wichtig. In diesem Punkt weist der aktuelle Finanzausgleich noch Mängel auf. Wir plädieren daher für die Wiedereinführung eines Risikopools, der für mehr Gerechtigkeit sorgen und besonders hohe Ausgaben für schwerkranke und multimorbide Patientinnen und Patienten ausgleichen würde.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, plädiert dafür, den Krankenkassen ihre Beitragsautonomie zurückzugeben. Was halten Sie von dieser Forderung, zum altem System der Beitragsautonomie zurückzukehren?

Der Gesundheitsfonds ist das unglückliche Ergebnis eines Kompromisses aus Kopfpauschale und Bürgerversicherung, der in der letzten Legislaturperiode geschmiedet wurde. Dieses Erbe der Großen Koalition fördert den Preis- und verhindert den Qualitätswettbewerb. Deswegen haben wir Sympathie für den Gedanken, den Kassen mehr Autonomie bei der Gestaltung der Beitragssätze zu ermöglichen.

Kommentare (1)

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Thomas-Melber-Stuttgart

15.02.2012, 15:29 Uhr

Diese ganze Umverteilerei könnte man sich sparen wenn es nur eine Kasse gäbe. Nebenbei hätte dies auch optimales Verschlankunspotential.

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