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17.08.2012

09:42 Uhr

Belastung durch AWD

Swiss Life verzeichnet Gewinnrückgang

Swiss Life musste im ersten Halbjahr einen Gewinnverlust von gut zehn Prozent verkraften. Der Schweizer Lebensversicherer hat damit aber immer noch besser abgeschnitten als Analysten prognostiziert hatten.

Arbeiten auf dem Dach des Swiss Life-Hauptsitzes in Zürich. ap

Arbeiten auf dem Dach des Swiss Life-Hauptsitzes in Zürich.

ZürichDer Gewinn des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life ist im ersten Halbjahr um 10,4 Prozent auf 361 Millionen Franken (300 Millionen Euro) gesunken. Anders als vor einem Jahr gab es keinen gewinnsteigernden Steuereffekt. Der Schweizer Marktführer verdiente aber mehr als von Analysten prognostiziert, die unter dem Strich im Schnitt 304 Millionen Franken erwartet hatten. Swiss Life machte nach Angaben vom Freitag operativ Fortschritte und die Geschäfte an den Kapitalmärkten liefen gut.

Ein Klotz am Bein blieb dagegen die deutsche Finanzmaklertochter AWD, deren Gewinnbeitrag wegen rückläufiger Umsätze neuer Rückstellungen für Rechtsfälle einbrach. Konzernchef Bruno Pfister setzt aber weiter auf eine Trendwende bei dem hannoverschen Unternehmen: "Wir sind zuversichtlich, dass AWD unsere Vorstellungen erfüllen und sich in Zukunft positiv entwickeln wird."

Das Betriebsergebnis von AWD sackte um 40 Prozent auf 13,1 Millionen Euro ab. Swiss Life musste für die im Jahr 2008 für 1,2 Milliarden Euro vom deutschen Investor Carsten Maschmeyer gekaufte Firma weitere 9,3 Millionen Euro für Rechtsfälle in Deutschland und Österreich bereitstellen. Dort untersuchen die Behörden die Vertriebspraktiken des Unternehmens. In Deutschland sind weitere Kosten nicht auszuschließen, wie Konzernchef Pfister sagte.

Auch operativ hinkte AWD hinterher: Der Umsatz fiel um 13 Prozent auf 265,5 Millionen Euro, die Kundenberater laufen weiter davon. Swiss Life kämpft seit der Übernahme damit, die Geschäfte der von der Finanzkrise stark getroffenen Firma wieder in Schwung zu bringen.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Die Prämien von Swiss Life sanken in den ersten sechs Monaten um 2,6 Prozent auf 9,84 Milliarden Franken. Während das Geschäft im Heimmarkt, der knapp 60 Prozent beisteuert, nahezu stabil war, gingen die Einnahmen in Deutschland und Frankreich deutlich zurück.

Wachstum erzielte Swiss Life nur mit steuerbegünstigten Lebensversicherungen. Nachdem vor einem Jahr das Auslaufen der italienischen Steueramnestie für einen Einbruch gesorgt hatte, griffen reiche Kunden wieder vermehrt nach den sogenannten Versicherungsmänteln, und das Prämienvolumen stieg um 4,7 Prozent auf 1,21 Milliarden Franken. Bei den "Insurance Wrappers" werden Anlagen wie Wertpapierdepots oder Fondsanteile in Lebens- oder Rentenversicherungen eingebracht. Diese Ummantelung bringt Steuervorteile.

Swiss Life gab keinen Geschäftsausblick. Neue Ziele will der Konzern im November veröffentlichen, sagte CEO Pfister. Swiss Life hatte 2011 die Sparziele des Effizienzprogramms "Milestone" erreicht - ein Jahr früher als geplant.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Universum1

19.08.2012, 23:11 Uhr

http://www.finews.ch/news/versicherungen/9252-swiss-life-ruecklaeufige-ertraege-bei-awd

Glasnost

19.08.2012, 23:18 Uhr

Weshalb hat Swisslife AWD aquiriert?
Für den Kauf von AWD wurde gutes Tafelsilber veräussert. Die Hälfte des damaligen Erlöses wurde in Hedge Fonds verspekuliert. Die damalige Strategie des McKinsey Managements ist vollständig gescheitert. Das Kerngeschäft wurde geschwächt und man wollte sogar das BVG abstossen. Auch die Versicherungsmäntel mit WRAPPER sind nicht unproblematisch. AWD war vorher ein unabhängiger Brocker und die Funktion kann unter dem Dach von Swisslife nicht wahr genommen werden. Die Katze beisst sich in den Schwanz. Die vielen Altlasten von AWD stellen ein grosses Reputationsrisiko dar. Ein marktgerechter Abschreiber für AWD ist unausweichlich. Eigentlich hätte die verantwortliche Revisionsgesellschaft (PWC) das schon lange verlangen müssen. Der Grund weshalb man das bis heute nicht gemacht hat ist die auszuweisende SOLVENZ. Damit würde man das Schweizer Geschäft beeinträchtigen. Die Probleme von AWD sind in ganz Europa bekannt. Wenn anstelle von AWD das frühere Tafelsilber noch in den Büchern wäre würde Swisslife ganz anders da stehen. Für diese Fehlentscheide sind das heutige McKinsey Management und der VR verantwortlich. Die Rentenanstalt hatte noch CHARISMA und war mit dem SLOGAN: - Sicherheit ein Leben lang vertrauenswürdig. Top Kader hat die Swisslife verlassen oder wurde entsorgt - das Missmanagement sitzt weiter am General Quisan Quai. Wie lange noch?

Finanzanalyst_Kiev

21.08.2012, 10:59 Uhr

ATTENTION PLEASE BY SWISS LIFE
Manchmal komme ich an einen Punkt, an dem sich die Reaktion des Marktes für mich nicht so recht nachvollziehen lässt. Beispielsweise, wenn die Namenaktien von Swiss Life ihren Kursanstieg von vergangener Woche ungebremst fortsetzen.
Auf den ersten Blick lag das für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2012 veröffentlichte Ergebnis zwar deutlich über den Konsensschätzungen. Dies allerdings nicht zuletzt aufgrund von einmaligen realisierten Kursgewinnen auf dem Wertschriftenportfolio.
Ausserdem sitzt der in Zürich domizilierte Lebensversicherungskonzern weiterhin auf aktiviertem Goodwill im Umfang von 1,1 Milliarden Franken aus dem Kauf des Allfinanzdienstleisters AWD. Letzterer hat seit der damaligen Übernahme deutlich an Ertragskraft verloren. Ausserdem scheint die ursprünglich geplante Expansion über Österreich nach Osteuropa gescheitert zu sein.
Bisher wehrten sich die Firmenverantwortlichen von Swiss Life gegen ausserordentliche Abschreibungen auf dem Goodwill. Dies mit dem Verweis auf die zukünftigen Plankennzahlen für AWD. Doch wie mir berichtet wird, gab es anlässlich der im Anschluss an den Ergebnisausweis abgehaltenen Analystenkonferenz erstmals Andeutungen in Richtung solcher Abschreibungen.
Interessant ist auch, was ich einem Kommentar aus dem Hause Kepler Capital Markets entnehme. Schon am Freitag äusserte sich der von mir sehr geschätzte Verfasser sehr kritisch über die von Swiss Life am amerikanischen Anleihenmarkt aufgebauten Engagements. Bei den Staatsanleihen seien letztere mittlerweile für 23 Prozent, bei den Unternehmensanleihen sogar für 31 Prozent verantwortlich. Diese Engagements stünden in einem starken Kontrast zu den jeweiligen Verpflichtungen von Swiss Life. Das letzte Mal, dass das Unternehmen eine vergleichbare Wette abgeschlossen habe, sei dies lebensbedrohlich geworden.

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