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04.11.2013

20:09 Uhr

Bestechung von Beamten

Daten-Affäre bei der Debeka weitet sich aus

ExklusivMitarbeiter der Debeka-Versicherung haben auch in der jüngeren Vergangenheit Behördenmitarbeiter bestochen. Das Unternehmen hatte lediglich von Fällen „in den 1980er und 1990er-Jahren“ gesprochen.

Debeka-Zentrale in Koblenz: „Der Beamte erhielt 16.000 Euro“. dpa

Debeka-Zentrale in Koblenz: „Der Beamte erhielt 16.000 Euro“.

DüsseldorfDie Bestechung von Behördenmitarbeitern durch Vertreter der Debeka-Versicherung zog sich nach einem Bericht des Handelsblattes (Dienstagausgabe, ganze Ausgabe hier zum Download) bis in die jüngere Vergangenheit. Noch am 27. Juli 2010 befasste das Amtsgericht Tübingen mit der Art und Weise, wie Debeka-Mitarbeiter ihre Vertragsanbahnung betrieben.

Ein Organisationsleiter einer Debeka-Geschäftsstelle in Baden-Württemberg hatte mit einem Mitarbeiter des Tübinger Regierungspräsidiums eine Vereinbarung getroffen, die die beiden als „Betreuungsvergütungserklärung“ bezeichneten. Zwischen 2005 und 2009 übermittelte der Beamte dem Vertreter Personendaten von verbeamteten Lehramtsanwärtern.

„Der Beamte erhielt 16.000 Euro“, bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Walter Vollmer dem Handelsblatt. Mit den Adressen habe der Debeka-Vertreter dann Provisionen in Höhe von 19.000 Euro verdient. Beide Männer wurden zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Das Handelsblatt hatte zuvor berichtete, dass Mitarbeiter der traditionsreichen Versicherung über viele Jahre hinweg von Behörden Adressen von Beamtenanwärtern erwarben, um den angehenden Staatsdienern Versicherungen zu verkaufen.

Debeka-Sprecher Gerd Benner sagte dazu, die Debeka habe ein „solches Fehlverhalten zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“. Zwar sei nicht zu leugnen, dass Vertriebsmitarbeiter der Debeka Adressen von Beamtenanwärtern gekauft haben. Doch dieses Fehlverhalten beziehe sich auf „einige Fälle in den 1980er- und 1990er-Jahren“.

Von

iw

Kommentare (37)

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Leser78

04.11.2013, 20:45 Uhr

Die Debeka muss sich dafür verantworten, das steht fest. Sie hat bereits heute gegenüber dem rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten eingeräumt, dass sich diese Praxis bis in die Gegenwart zieht.

Doch nicht nur die Debeka fühlt sich dem Öffentlichen Dienst sehr verbunden. In den Behörden sind auch Vertreter anderer Unternehmen (z.B. HUK, DBV, LBS) mit ähnlichen Methoden unterwegs. Daher erscheint es wenig hilfreich das Problem nur bei einem Unternehmen zu suchen. Die fragwürdigen "Belohnungen" von erfolgreichen Vertriebsmitarbeitern (Handelsblatt berichtete hier sehr ausführlich)wird es nicht nur bei der ERGO gegeben haben. Die anderen hatte nur bisher Glück, dass es nicht herausgekommen ist.

Das erschreckende ist jedoch nicht, dass Außendienstler versuchen an Adressen zu kommen, sondern das es ihnen, wie es scheint, über Jahrzehnte gelungen ist!
Woher kamen den diese Daten? Offenbar aus den Personalstellen der Behörden. Dort befinden sich noch viel sensiblere Daten der Angestellten als nur die Adresse. Kann man seiner Personalabteilung denn noch trauen, wenn es den Mitarbeitern dort nicht mal gelingt die Anschrift geheim zu halten, sobald jemand mit Euro-Scheinen winkt.

Das ist der eigentliche Skandal an dieser Geschichte!
Wenn nun der Ruf nach Konsequenzen laut wird, dann aber bitte richtig: Die Verantwortlichen in den Behörden, die jahrelang von diesem System profitiert haben, müssen ebenso zur Verantwortung gezogen werden.

Lobo11

05.11.2013, 08:29 Uhr

Es ist sehr zu begrüßen, dass diese Machenschaften geklärt und veröffentlicht werden. Als ehemaliger Debeka-Mitarbeiter kann ich nur bestätigen, dass der Druck auf die schlecht bezahlten Aussendienstmitarbeiter zu derartigen Exzessen führen muss. Gier und Ausbeutung sind eben ein schlechter Ratgeber !

Mic

05.11.2013, 09:37 Uhr

Tja, auch Beamte sind käuflich! Was passiert mit ihnen? NICHTS! Genau das Gleiche wie mit Steuergeldverschwendener, Pensionserschleichern und dauerkranken dienstunfähigen Psychosomaten mit teilweise mehreren Zusatzjobs, die für den normalen Beamtendienst jedoch diensunfähig sind... Wen interessierts? Keinen! Zahlt ja eh nur die Allgemeinheit... Aber gerade die schimpfen dann auf Sozialschmarotzer etc...

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