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16.08.2011

10:39 Uhr

Betriebsrenten

Ergo köderte Personalchefs mit Barzahlungen

VonSönke Iwersen

ExklusivNeuer Vorwurf gegen die Ergo Versicherung: Barzahlungen von 100 Euro pro Vertrag sollen Personalchefs dazu bewegt haben, Betriebsrenten bei der Ergo abzuschließen. Es ist nicht die erste Unstimmigkeit.

Auf die Ergo Versicherung regnen wieder neue Vorwürfe ein. Quelle: dapd

Auf die Ergo Versicherung regnen wieder neue Vorwürfe ein.

DüsseldorfVertreter der Ergo-Versicherung haben nach Informationen des Handelsblattes mit Barzahlungen an Personalchefs das Geschäft mit Betriebsrenten angekurbelt. Nach Angaben eines Augenzeugen wurden auf diese Weise allein beim Hannoveraner Bauunternehmen Papenburg AG von einem Personalchef 100 Verträge vermittelt. Der Personalchef habe 100 Euro pro Vertrag bekommen. „Bezahlt wurde in bar“, sagte ein Ergo-Mitarbeiter, der diese Praxis miterlebte, dem Handelsblatt. „Manchmal kam der Mann von Papenburg auch zu uns in die Ergo-Geschäftstelle und holte sich das Geld ab.“

Ergo teilte auf Anfrage mit, dass man sich zu Geschäftsbeziehungen mit Kunden grundsätzlich nicht äußere. Der Konzern führt zum Thema Betriebsrenten gerade eine Untersuchung durch. Der Prüfauftrag schließt auch den Vorwurf der Bestechung ein. Sie soll im Oktober abgeschlossen sein.

Sowohl interne wie externe Mitarbeiter von Ergo berichten, dass die Zahlungen für Personalschefs keine Seltenheit waren. „Uns wurde auf Schulungen gesagt, wir sollten die Entscheider in den Firmen erst mal als Mitarbeiter einstellen, dann laufe das Geschäft wie geschmiert“, sagt ein Vertreter. Teils sei der Nebenverdienst sogar von der anderen Seite nachgefragt worden. „Man spricht ganz unverblümt“, erklärt ein Ergo-Spezialist für Betriebsrenten. „Der Personalchef sitzt Ihnen gegenüber und sagt: Ich habe hier drei Angebote. Was habe ich davon, wenn ich das von Ergo nehme?“

Ergo-Sprecherin Alexandra Klemme wollte sich mit Hinweis auf die laufende Untersuchung nicht zu solchen Details äußern. Außerdem habe Ergo gerade die Finanzaufsicht Bafin im Haus. „Der Themenbereich der betrieblichen Altersversorgung ist sehr komplex“, sagte Klemme. „Daher kann eine punktuelle Frage und Antwort immer nur ein Ausschnitt eines komplexen Vorganges sein.“

Strafrechtler sehen in den geschilderten Praktiken klare Verstöße. „Ein solches Vorgehen erfüllt den Straftatbestand der Bestechung im geschäftlichen Verkehr“, sagt Jürgen Lubojanski, Strafrechtsspezialist der Kanzlei Dr. Bader & Partner. „Und auch der betreffende Personalchef begibt sich in das Lager der Betrüger, wenn er von Verträgen profitiert, die seine Mitarbeiter schlechter stellen als vorgesehen.“

Kommentare (14)

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15.08.2011, 17:11 Uhr

Und wer ist der erste der darüber berichtet ? Nicht BILD, nein, Das Handelsblatt ! Na wenn die mal nicht gute Drähte und Verträge mit den Informanten haben, weiß ich auch nicht. Na wenn das nicht mal eine Überprüfung wert ist...oder wert wäre.

deutscher

16.08.2011, 08:18 Uhr

na Analytiker....bist wohl auch Einer, der in den Lehensdiensten dieses Skandal-Versicherers steht. Wenn schon die Staatsanwaltschaft nicht den Arsch in der Hose hat diesem Mafia-Laden endlich die Aufmerksamkeit entgegen zu bringen, die jedem Falschparker bei Nichtbezahlung von Tickets angetan wird....
Ist doch gut, dass es wenigtens ein Blatt gibt das immer Up to Date ist. Traurig, dass es noch genügend ERGOrianer gibt, die immer noch nicht mit bekommen haben....oder auch nicht wissen wollen, was ihr Geldgeber so alles illegales treibt.
Das ist eine Überprüfung wert.....

gmaier

16.08.2011, 16:27 Uhr

Nicht zu fassen! Ist bei denen etwas normal?
Allen derartigen "kriminellen Vermittlern" und deren "Chefs"
einfach die Lizenzen entziehen. IHK`s und BAFIN sind
gefragt.Handeln!

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