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27.03.2013

13:23 Uhr

Bilanz der Versicherer

Milliardenschäden durch „Sandy“ und „Concordia“

Havarierte Kreuzfahrtschiffe und heftige Wirbelstürme: 2012 war ein teures Jahr für die Versicherungen – wenn auch nicht so teuer wie 2011. Trotzdem stehen viele Unternehmen blendend da.

Zerstörtes Haus: Hurrikan „Sandy“ verursachte Milliardenschäden. ap

Zerstörtes Haus: Hurrikan „Sandy“ verursachte Milliardenschäden.

ZürichHurrikan „Sandy“ und die lange Dürre in den USA haben den Versicherern ein teures Jahr beschert. 2012 verursachten Katastrophen Schäden von 186 Milliarden Dollar, davon waren 77 Milliarden Dollar versichert, wie aus einem Report von Swiss Re hervorgeht. Damit war das Jahr teurer als zunächst angenommen – im Dezember war der Rückversicherer noch von Schäden in Höhe von 65 Milliarden Dollar ausgegangen. Trotzdem verdienten viele Unternehmen blendend, das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Alleine Wirbelsturm „Sandy“, der Ende Oktober den Nordosten der USA mit der Millionenmetropole New York schwer getroffen hatte, richtete Schäden von 70 Milliarden Dollar an. Die schlimmste Dürre in den USA seit mehr als einem halben Jahrhundert schlug mit 15 Milliarden Dollar zu Buche, von denen 11 Milliarden Dollar – inklusive Zahlungen durch das staatliche Programm MPCI – durch Versicherungen gedeckt waren. Das sei der höchste je erfasste Schaden in der Agrarversicherung, erklärte Swiss Re.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

Verheerend war auch die Serie von Erdbeben in der norditalienischen Region Emilia-Romagna Ende Mai mit 16 Milliarden Dollar Schäden, wovon die Versicherer allerdings nur ein Zehntel tragen mussten. Die teuerste technische Katastrophe war die Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio im Januar. Sie kostete die Branche gut eine halbe Milliarde Dollar.

Insgesamt zählte der zweitgrößte Rückversicherer 318 Katastrophen, davon 168 Naturkatastrophen. Dabei verloren rund 14.000 Menschen ihr Leben – weniger als halb so viel wie 2011 als alleine die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan rund 19.000 Tote forderte.

Obwohl das Jahr damit nach Darstellung der Swiss Re als drittteuerstes der Geschichte in die Annalen der Branche eingeht, kommen die Unternehmen glimpflicher davon als 2011. Damals mussten sie für die verheerenden Erdbeben und Überschwemmungen in Asien mit der Rekordsumme von 126 Milliarden Dollar geradestehen. Marktführer Münchener Rück hatte die Kosten für die Branche im Januar auf 65 Milliarden Dollar 2012 veranschlagt. Anders als bei den Schweizern sind darin keine von Menschen verursachten Desaster wie Schiffskatastrophen oder Ölunfälle berücksichtigt.

Trotz der hohen Schadenlast verdienten viele Versicherer 2012 blendend, auch dank guter Anlageergebnisse.

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