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10.07.2013

16:45 Uhr

Cyper Insurance

Allianz setzt auf Internetschäden

Die einen fürchten Internetkriminalität und Netzwerkausfälle, die Allianz sieht darin üppige Geschäfte. Durch sogenannte Cyber-Versicherungen will das Unternehmen punkten und sich eine Vorreiterrolle in Europa sichern.

Die Allianz wittert ein neues Geschäft: Cyber-Versicherungen. dpa

Die Allianz wittert ein neues Geschäft: Cyber-Versicherungen.

MünchenDie Bedrohung der Industrie durch Internetkriminalität und Netzwerkausfälle verspricht nach Einschätzung der Allianz üppige Geschäfte für die Versicherungsbranche. „Wir halten Cyber Insurance für einen großen Wachstumsmarkt“, sagte Hartmut Mai, Vorstandsmitglied der Allianz-Industrieversicherungssparte AGCS, am Mittwoch in München. In der zunehmend vernetzten Welt seien Unternehmen nicht nur durch Hacker-Angriffe gefährdet, erläuterte Mai. Auch technische Pannen wie Systemausfälle könnten Unternehmen lahmlegen und hohe Kosten verursachen.

Neue Risiken entstünden durch die zunehmende Verlagerung der Datenspeicher auf fremde Anbieter (Cloud Computing). „Wenn meine Bänder stillstehen, weil der Cloud-Provider die Daten, die ich dort geparkt habe, nicht mehr zur Verfügung stellen kann, dann kann das unternehmensgefährdend sein“, erklärte Mai. Zudem seien Firmen durch weltumspannende Präsenz ihres Internet-Auftritts mit einer Vielzahl nationaler Rechtsvorschriften konfrontiert. „Es gibt Online-Kampagnen, die unter Umständen Rechte in einem andern Land verletzen können“, erläuterte Mai. „Das haben Unternehmen in der Regel nicht im Griff.“

In den USA, die traditionell eine Vorreiterrolle einnehmen, betrage das jährliche Prämienvolumen dieses Versicherungszweigs bereits 1,3 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro), berichtete Mai. Außerhalb der USA werde der Markt jährlich zweistellig wachsen. „Wir sehen den Gesamtmarkt in Europa im Jahr 2018 zwischen 700 und 900 Millionen Euro.“ Das gegenwärtige Volumen in Kontinentaleuropa ohne Großbritannien schätze er auf rund 150 Millionen Euro ein. Davon habe Deutschland einen Anteil von 50 bis 70 Millionen Euro. Die Allianz wolle mit dem Markt wachsen und auch künftig ein Fünftel des Kuchens für sich beanspruchen.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

Punkten will die Allianz dabei mit neuen Komplettangeboten. Dabei würden bereits teilweise bestehende Versicherungsprodukte zusammengefasst. Als Kunden im Blick hat Mai unter anderem Telekommunikationsanbieter, Softwarehäuser und Online-Händler, aber auch Betreiber von Fernüberwachungssystemen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Als besonders heikle Kundengruppe gilt die Finanzbranche selbst, weil Banken und Versicherer stark von IT-Systemen abhängig sind und dort hohe Schäden entstehen können. „Wir schließen kein Segment komplett aus“, sagte Mai. „Aber wir gucken uns Banken genau an.“ Die Prämienspanne liege in Größenordungen von 50.000 bis 90.000 Euro jährlich, die Deckungszusagen zwischen zehn und 50 Millionen Euro.

Im Wettbewerb mit US-Anbietern verspricht sich die Allianz in Europa einen Heimvorteil. „Wir sehen im Moment sehr viele amerikanische Deckungen in den Markt kommen, die aber nicht an den europäischen Rechtskreis angepasst sind“, sagte Mai. Selbst will sich die Allianz mit Cyber-Versicherungen aus dem umkämpften und wegen der Haftungsregeln riskanten US-Markt heraushalten. Sie nimmt Kunden in Europa sowie Asien und der Pazifikregion ins Visier.

Von

rtr

Kommentare (1)

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JJJ

10.07.2013, 17:55 Uhr

Klasse, noch ein Gebiet wo Versicherungen abkassieren und im Schadensfall nicht zahlen (wollen).

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