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23.01.2014

08:21 Uhr

Datenschutzverstöße

Debeka-Vorständen droht Millionenbuße

Die Affäre um die Vertriebsmethoden der Versicherung Debeka könnte für die Vorstände teuer werden. Wegen datenschutzrechtlicher Verstöße droht unter anderem Debkea-Chef Uwe Laue eine Millionenbuße.

Debeka-Zentrale in Koblenz: Ein System auf „Vertrauensmitarbeitern“. dpa

Debeka-Zentrale in Koblenz: Ein System auf „Vertrauensmitarbeitern“.

Düsseldorf/HamburgDem Versicherungsunternehmen Debeka und dem Debeka-Vorstand um den Vorsitzenden Uwe Laue drohen wegen möglicherweise datenschutzwidriger Vertriebspraktiken Bußgelder in Millionenhöhe. Nach gemeinsamen Recherchen des „Handelsblatts“ und des ARD-Politikmagazins „Panorama“ vom NDR hat der zuständige Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner, bereits im Dezember ein Verfahren gegen die größte private Krankenversicherung Deutschlands eingeleitet.

Wagner sagte: „Wir mussten feststellen, dass Datenschutzvorschriften massiv verletzt wurden, nicht nur in Einzelfällen, sondern womöglich in tausenden von Fällen. Weil wir Zweifel haben, ob das Unternehmen alles getan hat, um solche Missstände zu verhindern, haben wir jetzt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Debeka und den Vorstand eröffnet.“ Der Datenschutz könnte durch die Weitergabe von Daten neuer Beamter verletzt sein.

Den Vorstandsmitgliedern um den Vorsitzenden Uwe Laue droht laut Datenschützer Wagner daher ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro. Der Debeka drohe zudem ein Bußgeld von bis zu zehn Millionen Euro. Das Unternehmen wollte sich dazu mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern, betont aber, dass man die Ermittlungen unterstützen wolle.

Die größten Krankenkassen in Deutschland

Platz 10

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 2,5 Millionen

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit; dfg-Dienst für Gesellschaftspolitik; eigene Recherche

Platz 9

Krankenkasse: AOK Nordwest

Versichertenzahl: rund 2,8 Millionen

Platz 8

Krankenkasse: AOK Rheinland/Hamburg

Versichertenzahl: rund 3,0 Millionen

Platz 7

Krankenkasse: AOK Plus

Versichertenzahl: rund 3,1 Millionen

Platz 6

Krankenkasse: IKK Classic

Versichertenzahl: rund 3,3 Millionen

Platz 5

Krankenkasse: AOK Baden-Württemberg

Versichertenzahl: rund 4,2 Millionen

Platz 4

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 4,4 Millionen

Platz 3

Krankenkasse: DAK-Gesundheit

Versichertenzahl: rund 5,8 Millionen

Platz 2

Krankenkasse: Barmer GEK

Versichertenzahl: rund 9,4 Millionen

Platz 1

Krankenkasse: Techniker

Versichertenzahl: rund 9,8 Millionen

Die Affäre um das Tippgebersystem der Debeka erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Die Debeka hat tausende deutsche Beamte für die erfolgreiche Anbahnung von Versicherungsabschlüssen bezahlt. Diese intern „Vertrauensmitarbeiter“ oder kurz „VM“ genannten Tippgeber erhalten von der Debeka Provisionen, wenn von ihnen genannte Personen – häufig handelt es sich dabei um angehende Beamte – eine Versicherung abschließen. In den vergangenen Jahrzehnten gab die Debeka hohe Millionenbeträge dafür aus.

Auch Datenschützer Wagner geht nach seinen Ermittlungen von einem „System von Hinweisgebern“, bestehend aus mindestens 8000 aktiven Beamten, aus. Dazu passt ein internes Debeka-Schreiben aus dem Jahr 2009, in dem der Vorstand als „Ziel“ vorgibt, „mindestens einen VM in jeder Behörde bzw. Firma zu installieren“. Insgesamt führt die Versicherung 15.800 aktive Tippgeber, wie sie gegenüber Handelsblatt und Panorama einräumt.

Kommentare (18)

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Bullonna@Trevara

23.01.2014, 09:00 Uhr

So ist es recht. Herr Laue hätte es wissen müssen und gehört gefeuert oder in die Registratur der Debeka versetzt. Wie der "kleine Mann" auf der Straße auch hat er entsprechend der Höhe seines Verschuldens und des verursachten Schadens Schadensersatz aus seinem Privatvermögen zu leisten. Weg mit der Arroganz !

Account gelöscht!

23.01.2014, 09:10 Uhr

Vom "IM" zum "VM" ist es weder ein Schritt noch ein Schrittchen.

Dazu braucht es nur den Charakter eines Beamten!

p.g.

23.01.2014, 09:42 Uhr

in den vorstandsetagen der versicherer geht es schon lange nicht mehr seriös zu. solange aber die mitarbeiter nicht entlassen werden, schaut die politik weg. vollbeschäftigung geht vor. ähnlich sieht es bei den banken, dem öffentlich rechtlichen medienanstalten, den ihk's u.a. organisationen aus, deren einnahmen sich auf große mengen verteilen lassen. der einzelne merkt ja gar nicht, dass die zum teil als zwangsabgabe eingezogenen beiträge für ihn völlig wert oder sinnlos sind. ähnlich sieht es bei der pflegekostenversicherung aus. ein ordentlicher versicheurngsschutz ist für viele zu teuer, die gesetzliche pflichtversicherung hat kein auskömmliches leistungsniveau. genau diese geduldete sinnlosigkeit ist es, die viele vorstände in unternehmen dazu verleitet dinge zu tun, die nicht ganz sauber sind. aktuelles beispiel "adac".

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