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26.11.2013

17:47 Uhr

Debeka-Debakel

Innenministerium warnt Beamte vor Versicherern

ExklusivTausende Beamte verkauften während ihrer Dienstzeit Versicherungen und Bausparverträge an ihre Kollegen. Solche Fälle schreckt nun die Bundespolitik auf. Das Innenministerium schickt ein Warnschreiben raus.

Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten. dpa

Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten.

DüsseldorfDie Berichterstattung über tausende von Beamten, die während ihrer Dienstzeit Versicherungen und Bausparverträge an ihre Kollegen vermitteln, hat die Bundespolitik aufgeschreckt. „Das Ministerium hat die aktuellen Medienberichte zum Anlass genommen, ein Informationsschreiben mit Erläuterungen zu den beamtenrechtlichen Regelungen des Nebentätigkeitsrechts an die Obersten Bundesbehörden zu versenden“, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Philipp Spauschus, dem Handelsblatt.

Zwar sei Praxis, Versicherungsverträge in Nebentätigkeit außerhalb der Dienstzeit zu vermitteln, grundsätzlich nicht zu beanstanden. Dies gelte jedoch nur, „wenn alle dienst- und datenschutzrechtlichen Vorschriften beachtet werden. Dies schließt selbstverständlich die Nutzung dienstlich erworbener personenbezogener Informationen für die Vermittlungstätigkeit aus“, sagte Spauschus.

Das Handelsblatt hatte in den vergangenen Tagen berichtet, dass allein für die Debeka-Versicherung aus Koblenz tausende von Beamten als sogenannte „Vertrauensleute“ bei der Vermittlung von Versicherungen helfen. Die Anwerbung von Vertrauensleuten werde dabei generalstabsmäßig geplant.

So solle etwa der Debeka-Mitarbeiter ein Gespräch mit den Worten einleiten: „Ich brauche Ihre Hilfe, ich brauche jemanden, der Augen und Ohren für mich offen hält. Dafür finanziere ich Ihnen nächstes Jahr Ihren Mallorca-Trip.“ Die besten Vertrauensmitarbeiter würden jährlich vom Debeka-Vorstand zu Reisen eingeladen und mit Geldprämien belohnt.

Heimlicher Adressenhandel: Der Debeka-Skandal

Versicherer

Die Debeka ist mit Abstand der größte private Krankenversicherer. Mehr als 2,2 Millionen Menschen haben Vollversicherungen der Gesellschaft. Die meisten davon sind Beamte und deren Angehörige: 1,87 Millionen.

Adressenhandel

Das Handelsblatt berichtet am 1. November: Der Zeitung „liegen interne Unterlagen vor, die belegen, dass Debeka-Mitarbeiter über Jahre hinweg Adressen von Personen kauften, die kurz vor ihrer Verbeamtung standen. Debeka-Mitarbeiter verschafften sich damit einen starken Wettbewerbsvorteil, weil sie die Beamten auf eine Versicherung ansprechen konnten, kaum dass diese selbst von ihrer Verbeamtung erfahren hatten.“

Mit System

Ein ehemaliger Debeka-Vertreter versicherte dem Handelsblatt an Eides statt, er habe jahrelang Beamtenadressen genutzt, die sein Vorgesetzter gekauft hatte. „Das haben alle, die ich kannte, so gemacht“, versicherte er. „Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef, sie waren für uns wie Gold.“ 

Wie im Drogenhandel

„Das war streng geheim“, erzählt ein Beteiligter. „Die Originaladressen, die Schnipsel genannt wurden, durften nirgendwo aufbewahrt werden. Ich habe selbst gesehen, wie Führungskräfte diese Adressen in Plastiktüten zu ihren Autos trugen.“ Ein höherrangiger Vertreter berichtet von Zuständen wie beim Drogenhandel. Er selbst habe einmal spät abends mit einem Bezirksdirektor zum Autobahnkreuz Köln-West fahren müssen. „Am Treffpunkt stand ein Koffer mit Adressen“, erinnert er sich. „Den haben wir genommen und unseren Koffer mit Geld hingestellt. Und dann sind wir abgefahren.“ 

Kosten

Anfangs kosteten die Adressdaten angehender Beamter nach Angaben früherer Debeka-Mitarbeiter fünf D-Mark, zuletzt wurden etwa 25 Euro bezahlt. 

Eingeständnis

Debeka-Chef Uwe Laue räumte ein: „So wissen wir, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden. Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik.“

Empörung

„Die beunruhigende Praxis der Debeka in der Vergangenheit wirft ein Schlaglicht auf den wenig sensiblen Umgang mit Versichertendaten in der PKV insgesamt“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach.

Sanktionen

Die Allianz verwies auf Nachfrage auf „weitreichende Sanktionen“ für eigene Mitarbeiter und Vertreter. Auf Nachfrage teilte die Axa mit: „Im Zeitalter von Verhaltenskodex und Compliance - einmal ganz abgesehen von Rechtsfragen - muss Fehlverhalten klare Konsequenzen nach sich ziehen.“

Konsequenzen

Edgar Wagner, Landesbeauftragter für Datenschutz in Rheinland-Pfalz: „Der jahrzehntelange illegale Handel mit Personaldaten von Beamten kann nicht geduldet werden.“

Aufsicht

Der oberste Versicherungsaufseher, Bafin-Exekutivdirektor Felix Hufeld, sagte dem Handelsblatt: Man werde „bewerten, ob und inwieweit aufsichtliche Maßnahmen gemäß Versicherungsaufsichtsrecht angezeigt sind“.

Doch nicht nur die Debeka, auch ihre Konkurrenten pflegen enge Kontakte zur Beamtenschaft. So berichtete das Handelsblatt von Polizisten, die nebenher für die Signal Iduna tätig sind, Richtern, die Bausparverträge der BHW vermitteln und Bundeswehrangehörigen, die sich für die Deutsche Beamtenversicherung DBV einsetzen. Alle Unternehmen betonten, die gesetzlichen Regelungen würden stets eingehalten.

Kommentare (20)

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Gast

26.11.2013, 18:25 Uhr

Und viele dieser Beamten beschließen und überwachen das ein Harz 4 Empfänger keine alten Socken bei Ebay verkauft.
Wann bitte wird das Land wach !!!!

Account gelöscht!

26.11.2013, 18:33 Uhr

Und, haben die Beamten die Beträge versteuert? Auch die mit dem geldwerten Vorteil. Griechenland lässt grüßen.

Albert

26.11.2013, 19:05 Uhr

Keine Angst liebe Beamte, Lehrer,Finanzbeamte, Polizisten und diejenigen von den Arbritsämter und sonstigen im öffentlichen Dienst. Es gibt keine CD. Und es wird auch vermutlich keinen interessieren. Die BaFIN macht soweit ich weiß, da auch nix. Die haben sich noch nie um etwas gerissen. Schließlich ist das auch öffentlicher Dienst und keine Leistungsgesellschaft und schon gar keine Elite. Man(n) muß schon sehen wo man bleibt. Mich wunhdert es, das dies überhaupt jemanden überrascht. Die Signal Idun mit ihrem direkten Draht zur Handwerkskammer und den Neuanmeldungen (diese werden direkt an die Verteter mit Namen und Anschrift weitergereicht), die HM mit dem Steuerzahlerbund usw.
Wie b..d sind eignetlich die Verantwortlichen, insbesondere die Politiker. Klar, die sind für große Strukturvertriebe engagiert und ehemalige Spitzenpolitiker sind in den Aufsichträten verteilt.

Liebe Leser. so funktioniert es und das schon seit jahrzehnten und kiner will etwas gewußt haben.

Ich lach (schieß) micht tot! Oder sind die alle zu b...d?

Albert reinstein wußte es damals schon und das trifft zwischenzeitlich fast auf die ganze Nation zu:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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