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16.12.2013

06:12 Uhr

Debeka

Enger Draht zur Polizeigewerkschaft

ExklusivVersicherungen und Gewerkschaften kooperieren gerne. Denn das ermöglicht günstige Verträge. Doch das Verhältnis zwischen Debeka und Deutscher Polizeigewerkschaft ist auffällig eng.

Debeka-Zentrale in Koblenz: Die Versicherung nutzt Gewerkschaftskontakte, um Policen zu vertreiben. dpa

Debeka-Zentrale in Koblenz: Die Versicherung nutzt Gewerkschaftskontakte, um Policen zu vertreiben.

DüsseldorfDie Debeka-Versicherung nutzt auch Gewerkschaftskontakte, um Policen zu vertreiben. „Wir haben eine Kooperation mit der Debeka“, sagt Joachim Lautensack, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Baden-Württemberg, dem Handelsblatt.

Bundesvorsitzender Rainer Wendt selbst wirbt bei den Mitgliedern für die Debeka. Sie sollten sich „in allen Versicherungs-, Versorgungs- und Finanzierungsfragen an die Debeka wenden“, heißt es in einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Dass Gewerkschaften, die Beamte organisieren, mit Versicherungen kooperieren, ist nicht ungewöhnlich. Durch Gruppenverträge erhalten Gewerkschaftsmitglieder so bessere Konditionen. Recherchen des Handelsblatts haben allerdings ergeben: Das Verhältnis zwischen Debeka und Deutscher Polizeigewerkschaft ist vor allem in Baden-Württemberg auffällig eng. So ist ein Gewerkschaftsfunktionär aus der Nähe von Stuttgart zugleich als nebenberuflicher Versicherungsvermittler für die Debeka tätig.

Ein Insider äußert im Gespräch mit dem Handelsblatt sogar den Verdacht, dass Ausbilder oder Vorgesetzte in den Polizeischulen jungen Auszubildenden schon in den ersten Tagen der Ausbildung Debeka-Produkte empfehlen. Die Gewerkschaft bestreitet dies.

Auch fließe kein Geld an Gewerkschafter für Dienste zugunsten der Debeka. Gewerkschaftsvorsitzender Wendt sagt, ihm sei das „nicht bekannt, und ich kann es mir auch nicht vorstellen“. Es wäre auch ein schweres Dienstvergehen. Die Angebote seien als Service für die Mitglieder gedacht, „und nicht, damit ein Funktionär eine Prämie kriegt“.

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Von

kup

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

16.12.2013, 09:01 Uhr

Der Bundesvorsitzende der DPolG, Rainer Wendt, ist mir schon mehrfach "aufgefallen"- er lässt ja keine TV-Talksendung aus. Und jedesmal poltert er gegen Alles und jeden- nur er und sein Berufsstand ist der beste und erlichste. Das ausgerechnet er nun ins Visier und in die Nähe von "Korruption" rutscht, wundert mich nicht. Ich bin mir 100%ig sicher, das da noch viel mehr ist. Ich fordere Herrn Wendt schon mal auf, "seine Koffer zu packen".

Gleichbehandlung

16.12.2013, 10:28 Uhr

Als Nichtbeamter ohne Gruppenvertrag muss man wohl in der Privaten Krankenversicherung (PKV) für die Vergünstigungen der Beamten, Ärzte etc. und für Verluste im Anlagengeschäft (Niedrigzins) hohe Vertreterprovisionen bluten.
Oder sind Fälle bekannt, dass Tarife für Beamte um 40% steigen innerhalb eines Jahres.
Da ist einiges faul. Ich kann mir gut vorstellen dass in den PKV Tarifen die eingepreisten Leistungen die nichts mit Gesundheitsversorgung zu tun haben mehr als 50% der Tarifkosten ausmachen.
Da wäre es von Nöten das die Politik, Verbraucherschützer, Interessenverbände wie VDK, aber auch die PKV Versicherten eine
Offenlegung der Tarifstruktur und Zugang und Gleichbehandlung für alle Versicherten fordern.
Es kann nicht sein, dass bestimmte Versichertengruppen mit Lockangeboten und Vergünstigungen geködert werden, und andere in Tarifen versauern und bis aufs Blut ausgesaugt werden.
Wenn die PKV nur für bestimmte Gruppen den Beitrag stabil halten , und andere immer höhere Beiträge zahlen sollen, dann ist das PKV System für die Zukunft nicht mehr vermittelbar.
Deshalb sollte die PKV endlich etwas unternehmen. Es kann doch nicht sein, dass Vorschläge darin bestehen, bestimmten Lobbygruppen noch mehr Zugeständnisse zu machen und dem Versicherten die Rechnungen zu präsentieren.
Allen ernstens, mit welchem Recht kann man zu solch einem System verpflichtet werden (Versicherungspflicht in Deutschland). Unabhängig davon, ob man Beamte in die PKV drängen kann, da der Staat damit besser fährt, kann es doch für die restlichen Versicherten keine verpflichtende Vollversicherung ohne Wechselmöglichkeiten ab einem bestimmtem Alter geben, und das in unbezahlbaren Tarifen.

CarstenJedermann

16.12.2013, 12:29 Uhr

Der Insider hat Recht. Bei der Bepo Bruchsal gibt es einen Ausbilder der viele Verträge für die debeka vermittelt. Offiziell ist natürlich seine Frau bei der Debeka als Tippgeber angemeldet.

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