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30.04.2013

13:44 Uhr

Debeka zur Bürgerversicherung

„Das sind Luftschlösser“

VonThomas Schmitt

Der größte private Krankenversicherer, die Debeka, kämpft mit harten Bandagen gegen SPD, Grüne und Linke. Die Pläne zur Bürgerversicherung seien nur ideologische Werbung. Die Menschen würden in die Irre geführt.

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen. dpa

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen.

KoblenzWer stark ist, kann auch auftrumpfen. Der private Krankenversicherer Debeka fühlt sich stärker denn je – und lässt daher derzeit keine Gelegenheit aus, der Opposition in Berlin die Stirn zu bieten. Schließlich ist im Herbst eine Bundestagswahl. Und da zeichnet sich immer stärker ab, dass die Opposition mit einer Bürgerversicherung punkten möchte. Das Projekt könnte die private Krankenversicherung überflüssig machen.

Ob das so kommt oder nicht, weiß keiner. Doch die Debatte wird immer heißer geführt und drängt die privaten Krankenversicherer und ihre neun Millionen Vollversicherten in die Ecke. Das passt dem stolzen Branchenführer – mit 1,8 Millionen vollversicherten Beamten sowie rund 400.000 Angestellten und Selbstständigen – ganz und gar nicht. Doch im Gegensatz zu vielen der gut 40 Konkurrenten, die mit jeder Menge Kritik überzogen werden, hat die Debeka ihre Hausaufgaben gemacht.

Debeka-Chef Laue: "Die PKV muss versuchen, sauber zu bleiben"

Debeka-Chef Laue

exklusiv"Die PKV muss versuchen, sauber zu bleiben"

Der größte private Krankenversicherer beklagt, dass Einzelfälle die ganze Branche in Misskredit bringen. Im Interview mit Handelsblatt Online beurteilt Debeka-Chef Uwe Laue die Überlebenschancen der PKV aber dennoch gut.

Die Gruppe wächst besser als viele andere. Der Krankenversicherer ist ein erklärter Gegner von Billigtarifen, die anderswo viele Probleme verursachten. Und die oft kritisierten Beitragserhöhungen mancher Konkurrenten sind bei dem Versicherungsverein aus Koblenz auch kein großes Thema. „Es gibt kein Beitragsproblem für die Personen über 60 Jahre“, lautet eine Kernbotschaft, die seit Jahren immer wieder hervorgehoben wird. Das ist allerdings von anderen ganz selten zu hören.

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Ihr Kostenbewusstsein und das stetige Wachstum geben der Debeka in der Branche einen Ausnahmestatus. Diesen nutzt das Unternehmen nun auch, um der Opposition politisch in die Suppe zu spucken.

So habe man in Koblenz mit den neuen Unisex-Tarifen eine "neue Welt der PKV" geschaffen, heißt es stolz. Die Vollversicherung sei deutlich besser geworden, und Forderungen der Verbraucherschützer seien abgearbeitet worden. Debeka-Chef  Uwe Laue erklärt daher selbstbewusst: "Von Beitragsexplosionen kann bei der Debeka keine Rede sein.“ Notwendige Anpassungen bewegten sich in einem Rahmen, der von den Mitgliedern akzeptiert werde. „Wir haben die Beitragsproblematik im Alter gelöst.“

Nicht nur das. Auch die Kritik an zweifelhaften Verkaufsmethoden prallt an dem Versicherungsverein ab. Ein Grund: Debeka arbeitet im Gegensatz zu vielen Konkurrenten mit einem angestellten Außendienst – insgesamt rund 9000 Personen. Laue verspricht daher: „Bei uns gibt es keine Provisionsexzesse, weil wir kostengünstig kalkulieren und arbeiten. Billigtarife mit niedrigen Leistungen hatten wir nie im Angebot.“

Oft werfen Kritiker der Branche auch vor, sie nehme ja nur die besten Kunden, betreibe also Rosinenpickerei bei der Aufnahme von Versicherten. Auch das sei die Debeka angegangen. „Wir verweigern keinem Angestellten, der sich erstmals bei der Debeka versichern kann, die Aufnahme.“ Noch ist das ungewöhnlich in der PKV.

Kommentare (17)

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kleineBeamtin

30.04.2013, 14:20 Uhr

Natürlich ist Herr Laue gegen eine Bürgerversicherung.
Es stimmt auch nicht, dass die 1,8 Millionen Beamten vollversichert sind, die sin es bei der Debeka nur zu 50% oder 30% wenn es Pensionäre sind. Beamte sind beihilfeberichtigt (gestzliche Regelung) und müssen sich für den Rest privat versichern. Ich bin Beamtin (mittlerer Dienst) und wäre sofort bei einem Wechsel in die Bürgerversicherung dabei. Dann muss ich mich um den Papierkram mit Rechnungsrückerstattung usw. nicht mehr kümmern. Habe gerade die Rechnungen für das 1. Quartal bekommen. Ich werde wohl erstmal wieder in Vorkasse treten dürfen, bei den Arztrezepten bin ich es schon, waren mehr als € 200;-, weil meine Tochter und ich eine Grippe hatten.
Die Debeka erstattet für mich 50% und für Missy 30%.
Soviel zu Herumgetöne der problemlosen Finanzen.
Ich zahle übrigens für mich ca. € 220,- und für die Tochter ca. € 110,- Beitrag im Monat.
Bei einer Bürgerversicherung wäre das bestimmt günstiger und die ganze Sache mit den Rechnungen, erstmal bezahlen und nachher Anträge auf Erstattung stellen und darauf warten und kontrollieren entfällt-

DaveShave

30.04.2013, 14:53 Uhr

@kleine Beamtin
Warum müssen Sie in Vorkasse gehen? Sie können doch alles gleich einreichen bzw sich erstatten lassen! 110€ für eine 20% Absicherung für ein Kind kann auch nicht stimmen !

soso4

30.04.2013, 14:57 Uhr

@kleineBeamtin: freue Sie sich einfach über die Vergünstigungen, die der Steuerzahler für Sie erbringt. Sie jammern auf (sehr!) hohem Niveau: Ihre Versorgung entspricht der ersten Klasse, als Kassenpatient wären sie zwar billiger dran, bekämen aber nicht das Leistungspakte. Ich tausche sofort mit Ihnen.

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