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12.09.2012

00:30 Uhr

Deutlicher Gewinn

AIG-Rettung wirft Milliarden für US-Regierung ab

Die USA sind weitere Aktien des in der Finanzkrise verstaatlichten Versicherungskonzerns AIG losgeworden. Damit hat die Regierung in Washington einen Milliarden-Gewinn eingefahren.

AIG musste mit Staatsgeld gerettet werden. Die US-Regierung ließ nun ihren Anteil erheblich verringern. dapd

AIG musste mit Staatsgeld gerettet werden. Die US-Regierung ließ nun ihren Anteil erheblich verringern.

WashingtonDie Rettung des US-Versicherungskonzerns AIG wirft für die Regierung in Washington einen Milliardengewinn ab. Bislang sei ein Plus von 15,1 Milliarden Dollar entstanden, teilte das Finanzministerium am Dienstag mit.

Mit dem Verkauf von Aktien reduziere sich die staatliche Beteiligung an AIG von 53 auf knapp 16 Prozent. Dabei profitiert die Regierung von einer derzeit guten Börsenstimmung. Zuletzt notierte die Aktie deutlich über der Marke, ab der für den Staat ein Gewinn herausspringt. Konzernchef Bob Benmosche stellte angesichts des schneller als erwarteten Staatsausstiegs für den kommenden Sommer eine Dividende in Aussicht.

Der Staat hatte den einst weltgrößten Versicherer in der Finanzkrise mit einem Rettungspaket über 182,3 Milliarden Dollar stützen müssen. Unter anderem dank Zinsen und der Wertsteigerung der Aktien sind bis dato insgesamt 197,4 Milliarden Dollar zurückgeflossen. Die Rettung war die größte einer Reihe von Hilfseinsätzen in der US-Wirtschaft, die die Regierung mit Steuergeldern leistete und für die sie zuletzt auch im laufenden Wahlkampf unter Beschuss geraten ist.

Zugleich hat Obamas Regierung wiederholt zurückgewiesen, sie treibe den Ausstieg gerade vor den Präsidentenwahlen Anfang November massiv voran. Nichtsdestotrotz könnte der Schritt Obama im Kampf gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney nützen.

Das Milliardengrab AIG

2007:

Vor der Krise war AIG Ende 2007 mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar der größte Versicherer der Welt. Zum Vergleich: Die Allianz-Gruppe hatte zur gleichen Zeit einen Marktwert von 85 Milliarden Dollar, die Axa-Gruppe von 70 Milliarden Dollar. Mit über 100.000 Mitarbeitern und Vermögenswerten im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar schien AIG nahezu unantastbar.    

2008:

Für das 4. Quartal 2007 muss AIG als Folge der Subprime-Krise rund 11 Milliarden  Dollar auf das Kreditversicherungsportfolio abschreiben. Der Versicherer fährt einen Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar ein.

14. September 2008:

AIG bittet die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um die sonst drohende Abstufung des AIG-Ratings zu verhindern.

16. September 2008:

Die Fed gewährt dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug übernimmt der Staat fast 80 Prozent der AIG-Anteile.

9. Oktober 2008:

AIG bekommt weitere Rettungsgelder vom US-Staat im Wert von 37,8 Milliarden Dollar. Als Sicherheit erhält die Fed festverzinsliche Anleihen im gleichen Wert.

Dezember 2008:

Der Verkauf profitabler AIG-Teile geht voran. Am 22. Dezember 2008 kauft beispielsweise die Münchener Rück den Spezialversicherer HSB Group, einen der Marktführer bei Versicherungen gegen den Ausfall von Maschinen oder technischen Anlagen.

März 2009:

Der Versicherer meldet mit minus 61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust eines amerikanischen Unternehmens aller Zeiten. Wieder muss der Staat ran: Diesmal gibt es bis zu 30 Milliarden Dollar, dafür bekommt der Staat Anteile an lukrativen Unternehmenssparten von AIG. Im Gesamtjahr habe sich das Minus sogar auf 99,3 Milliarden Dollar belaufen.

Juli 2009:

Der Spiegel bezeichnet AIG als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. 

März 2011:

Die amerikanischen Steuerzahler mussten mit 182 Milliarden Dollar einspringen - die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise. Im November hatte das Finanzministerium das ausstehende Investment des Staates auf 120,6 Milliarden Dollar beziffert. Neben dem Ministerium hatte auch die US-Notenbank dem Versicherungskonzern unter die Arme gegriffen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.09.2012, 19:58 Uhr

Das ist Amerika, während dort mit dem sprichwörtlichen american Spirit Totgesagte wie Phönix aus der Asche auferstehen, die wissen, wo sich temporäre Hilfen und Subventionen wirklich lohnen, heisst es hier in Europa, einmal Sanierungsfall, immer Sanierungsfall, das gilt für Staaten, Unternehmen und Individuen. Da können die Amies noch so verschuldet und angeblich deindusriealisiert sein, sie werden uns immer weit überlegen sein und bleiben, auch wenn viele unterbelichtete Amerikahasser hier immer das Gegenteil herbeisehnen

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