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11.11.2011

06:35 Uhr

Doris Pfeiffer

Krankenkassen fordern mehr Beitragsautonomie

VonPeter Thelen

ExklusivDie gesetzlichen Krankenkassen hoffen auf Konsequenzen aus der Pleite der City BKK und der BKK Heilberufe. Im Gespräch mit dem Handelsblatt fordert Spitzenfunktionärin Doris Pfeiffer mehr Autonomie.

Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende GKV-Spitzenverband. Frank Rothe für Handelsblatt

Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende GKV-Spitzenverband.

BerlinDie Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer hat die Bundesregierung aufgefordert, Konsequenzen aus der Pleite der City BKK und der BKK Heilberufe zu ziehen und den gesetzlichen Krankenkassen ihre Beitragsautonomie zurück zu geben.

"Es ist natürlich eine politische Entscheidung, wie man das Finanzierungssystem der GKV gestaltet. Wenn wir aber zwei Wünsche frei hätten, wären es folgende: Die Kassen brauchen wieder mehr Beitragsautonomie, also die Möglichkeit den Preis der Leistungen, den Beitragssatz, selbst festzulegen. Und wir brauchen generell mehr Autonomie für die einzelne Kasse, wenn es darum geht mit Ärzten, Krankenhäusern und anderen Leistungsanbietern Verträge zu schließen;" sagte Pfeiffer dem Handelsblatt. Hier werde noch viel zu viel einheitlich geregelt.

Die zehn größten Krankenkassen

Platz 2

Krankenkasse: Barmer GEK

Versichertenzahl: rund 9,4 Millionen

Platz 1

Krankenkasse: Techniker

Versichertenzahl: rund 9,8 Millionen

Platz 3

Krankenkasse: DAK-Gesundheit

Versichertenzahl: rund 5,8 Millionen

Platz 4

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 4,4 Millionen

Platz 5

Krankenkasse: AOK Baden-Württemberg

Versichertenzahl: rund 4,2 Millionen

Platz 6

Krankenkasse: IKK Classic

Versichertenzahl: rund 3,3 Millionen

Platz 8

Krankenkasse: AOK Rheinland/Hamburg

Versichertenzahl: rund 3,0 Millionen

Platz 9

Krankenkasse: AOK Nordwest

Versichertenzahl: rund 2,8 Millionen

Platz 7

Krankenkasse: AOK Plus

Versichertenzahl: rund 3,1 Millionen

Platz 10

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 2,5 Millionen

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit; dfg-Dienst für Gesellschaftspolitik; eigene Recherche


Zugleich prangerte die GKV-Chefin die Zusatzbeiträge als Kassenkiller an. Sie hätten eine Mitschuld an den jüngsten Pleiten der City BKK und der BKK Heilberufe gehabt. Die Zusatzbeiträge, die Kassen erheben müssen, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, hätten zwar wie politisch beabsichtigt, den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen deutlich verschärft.

Der Preis dafür sei aber zu hoch. "Als die Kassen die Beitragssätze noch frei festlegen konnten, konnten sie Beitragsunterschiede bei ihren Kunden auch rechtfertigen z.B. mit mehr Service, Leistungsmanagement und innovativen Versorgungsformen. Jetzt müssen sie vor allem auf die Kosten gucken, weil sie fürchten müssen, in die Pleite getrieben zu werden, wenn das Geld aus dem Fonds nicht reicht und sie einen Zusatzbeitrag brauchen."

Kommentare (6)

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ESc

11.11.2011, 13:02 Uhr

Mit "Steuerungsinstrumente" meint Frau Pfeiffer "Leistungskürzungen, ...-kürzungen, ...-kürzungen, ...-kürzungen....Ich frage mich, ob das wirklich das bessere Geschäftsmodell sein kann!

PolitischInkorrekt

11.11.2011, 17:40 Uhr

Woran es wohl liegt, daß gerade in Ballungszentren hohe Behandlungskosten entstehen (Dieselabgase/Feinstaub, Mobilfunk, Lärm...) Aber das ist ja alles nicht bewiesen, daß es krank macht... Hauptsache, man zahlt an der Zapfsäule ein paar Euro weniger, der Lungenkrebs kommt ja erst später... Und Hauptsache, wir machen den Rauchern ihr Laster zur Hölle und fahren mit dem Diesel-PKW in's rauchfreie Restaurant. Und das GKV-Modell soll sich also am Ende durchsetzen... Ja, das befürchte ich auch, aber wegen der ideologisch verbohrten Gleichmacherei und Sozialisierung und Nicht-Beseitigung der Probleme (kostenlose Mitversicherung von Familienangehörigen, auch wenn es eine 8-köpfige Familie ist, die noch nie etwas eingezahlt hat...) Und seit wann gibt es in der GKV eine "gute Versorgung zu vertretbaren Kosten"? Die hat den Knall nicht gehört. Jeden Monat mehrere hundert Euro Beitrag, dazu noch Praxisgebühr und Zuzahlungen und wenn man dann mal beim Arzt oder gar Zahnarzt ist, bekommt man zusätzlich noch eine fette Rechnung vorgelegt, weil die Kasse nichts mehr zahlt... Deutschland ist ganz gewaltig auf dem absteigenden Ast bei soviel Inkompetenz, Ignoranz und Selbstherrlichkeit in Politik und Wirtschaftsmacht.

poker_pius

11.11.2011, 21:01 Uhr

Sie könnte auch die Steuerzuschüsse von Privatversicherten meinen oder auf die nächste Wahl bezogen das Gesetz der großen Zahl

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