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07.03.2011

18:58 Uhr

Drohende Zusatzbeiträge

Krankenkassen verbuchen ein Millionendefizit

Die gesetzlichen Krankenkassen sind im 2010 tief in die roten Zahlen gerutscht. Alles in allem liegt das Defizit bei 445 Millionen Euro. Damit droht vielen Versicherten eine Mehrbelastung durch Zusatzbeiträge.

Stethoskop auf Versichertenkarten: Die gesetzlichen Krankenversicherungen erwirtschafteten zusammen ein Defizit von 445 Millionen Euro. Quelle: dpa

Stethoskop auf Versichertenkarten: Die gesetzlichen Krankenversicherungen erwirtschafteten zusammen ein Defizit von 445 Millionen Euro.

BerlinMillionen gesetzlich Krankenversicherten drohen angesichts der schlechteren Finanzlage der Kassen neue Zusatzbeiträge. Allein die AOK verbuchte 2010 ein Minus von 515 Millionen Euro. Da andere Kassen Überschüsse erwirtschafteten, fuhren alle rund 150 gesetzlichen Kassen zusammen ein etwas geringeres Defizit von 445 Millionen Euro ein. „Neue Zusatzbeiträge auf breiter Front sehen wir in diesem Jahr nicht, aber sie lassen sich keinesfalls gänzlich ausschließen“, sagte der Sprecher des Kassenverbands, Florian Lanz, am Montag in Berlin.

Bei den großen Kostenblöcken stiegen die Ausgaben für die Kliniken am kräftigsten - auf die Rekordsumme von 59 Milliarden Euro, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Insgesamt standen Ausgaben von 175,7 Milliarden Euro Einnahmen von 175,3 Milliarden gegenüber. 2009 hatten die Kassen noch einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Die Verschlechterung zeige, wie wichtig das Beitragssatzplus zum Jahresbeginn um 0,6 Punkte auf 15,5 Prozent und die Ausgabenbremse gewesen seien, betonte das Ressort von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Der Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihr Geld bekommen, erzielte einen Überschuss von 4,2 Milliarden Euro, der als Reserve angelegt wird.

Für Arzneimittel gaben die Kassen 2010 rund 32 Milliarden Euro aus (plus 1,3 Prozent), für die Ärzte 33 Milliarden (plus 2,6 Prozent). Bei den Kliniken gab es ein Plus von 4,7 Prozent, bei Krankengeld von 8 Prozent. Die Ausgaben der Kassen insgesamt stiegen um 3,1 Prozent je Versicherten.

Die Ersatzkassen verbuchten insgesamt ein Plus von 212 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen ein Minus von 103 Millionen, die Innungskassen kamen auf minus 68 Millionen.

Bei der AOK verteilt sich das Defizit auf die einzelnen zwölf Ortskrankenkassen höchst unterschiedlich. So erzielte die AOK Plus (Sachsen/Thüringen) beispielsweise rund 53 Millionen Euro Überschuss. Als erster Kandidat für einen Zusatzbeitrag bei der AOK wird die Ortskrankenkasse Bayern mit 3,1 Millionen Mitglieder gehandelt. „Es liegt kein Beschluss für einen Zusatzbeitrag vor“, sagte Sprecher Michael Leonhart. Erfolglos hatte sich die Kasse gegen eine Rückforderung von 91 Millionen Euro vom Bundesversicherungsamt gewehrt. Der AOK-Bundesverband erwartet „derzeit“ keine Zusatzbeiträge, sagte Sprecher Udo Barske. 

Kommentare (6)

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Kissmyheini

07.03.2011, 21:41 Uhr

Bei einem Durschnittsverdienst(!) von € 170.000,- je niedergelassenem Arzt (viele Fachärzte machen locker mehr als das Doppelte) ist es wirklich schwer nachvollziehbar, wieso dort die Honorare immer weiter steigen sollen. Rösler Lobbyismus für seine ärztlichen Standeskollegen ist wirkich unverfroren. Da haben bestimmte Berufsgruppen offensichtlich völlig die Bodenhaftung verloren.Diesen Eindruck habe ich umso mehr, wenn ich als (leider) Privatversicherter die Liquidationen der Ärzte anschaue. Wann ist mit dem Irrsinn Schluß?

Account gelöscht!

07.03.2011, 22:31 Uhr

Wo nur ca. 30Mio Beitragszahler sind, aber mehr als das Doppelte Versicherte, kann es nicht stimmen.
Und Merkels Fond ist der groé Betrug. Es sollder Eisntieg in die DDR-Staatsmedizin sein. Sie vereilt jetzt das Geld an die Kassen.
Es wird Zeit, dass sich hier endlich mal eine Gruppe findet, die massiv auf die Straße geht.
Aber man rennt ja lieber für einen Bahnhof oder gegen Atomtransporte weil die Grünen dazu aufgerufen haben.
Die wirklichen Probleme interessieren die Leute immer noch nicht.
Es muß den Deutschen erst so schlecht gehe, dass sie vor lauter Krankenakssenbeitrag und sonstigen Abgaben nicht mal mehr Brot kaufen können, dann werden sie wach, leider ist es offenbar so
Vpnd er Politik weichgespült und den Systemmedien indoktriniert, glabut der dumem Michl alles was die Dummschwätzer da in Berlin erzählen

RichtigRechnen

08.03.2011, 08:29 Uhr

170.000 Bruttoverdienst bedeutet: 50% Personal-/Betriebs-/Regresskosten abziehen (macht 85.000), davon dann noch Steuern zahlen, die eigene Kranken-/Rentenversicherung und die Schuldenabtragung für die Praxisfinanzierung. Niedergelassene Ärzte sind Freiberufler/Unternehmer, keine Angestellten. Sie verdienen nicht netto das Honorar, das man ihnen auszahlt. Das wird immer vergessen.

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