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30.11.2014

22:53 Uhr

Eiopa-Stresstest

Niedrigzins macht Europas Versicherer verwundbar

Nach den Banken haben jetzt auch die europäischen Versicherungen ihren Stresstest hinter sich gebracht: Die meisten der Unternehmen erfüllen zwar die Kapitalanforderungen. Das Ergebnis ist aber trotzdem alarmierend.

Der Stresstest für Europas Versicherungsbranche hat deutliche Schwächen bei vielen Unternehmen aufgedeckt. gms

Der Stresstest für Europas Versicherungsbranche hat deutliche Schwächen bei vielen Unternehmen aufgedeckt.

FrankfurtDauerhaft niedrige Zinsen machen vielen Versicherern in Europa schwer zu schaffen. 24 Prozent der untersuchten Unternehmen könnten nach einer Zinssituation, wie sie in den vergangenen Jahren in Japan herrschte, ihre Kapitalanforderungen nach den neuen EU-Vorschriften „Solvency II“ nicht mehr erfüllen, stellte die EU-Branchenaufsicht Eiopa in ihrem jüngsten Stresstest der Versicherungswirtschaft fest. „Eine Fortdauer der gegenwärtigen Niedrigzins-Bedingungen könnte bei einigen Versicherern dazu führen, dass sie in acht bis elf Jahren Schwierigkeiten bekämen, die Versprechungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen“, hieß es in der am Sonntagabend veröffentlichten Auswertung der Tests.

Das betreffe vor allem Länder, in denen die Zusagen an die Kunden weit länger in die Zukunft reichten als die Laufzeit der Kapitalanlagen, erklärte die Eiopa. In Deutschland etwa kämpfen die Lebensversicherer mit ihren lebenslangen Garantien.

Besonders viele Versicherer kämen in die Bredouille, wenn zu den niedrigen Zinsen - quasi als „Doppelschlag“ - noch ein Verfall der Vermögenswerte käme, etwas durch einen Absturz an den Kapitalmärkten. Dann hätten nur 56 Prozent der Versicherer noch genügend Kapital, ihr Kapitalpolster würde im Schnitt um 42 Prozent abschmelzen. Auch hier wären kleine Versicherer deutlich stärker betroffen als die Branchenriesen. Ein inverses Szenario, bei dem sich die Zinsstrukturkurve zwischen kurz- und langlaufenden Papieren umkehre, brächte 20 Prozent in Probleme.

Die Frankfurter Eiopa wollte mit dem Stresstest feststellen, wie weit die Branche mit den Vorbereitungen auf „Solvency II“ ist. Das neue Eigenkapital-Regime ist weit stärker am Risiko der Kapitalanlagen orientiert als bisher. Dabei untersuchte die Aufsicht 60 Konzerne und 107 weitere einzelne Versicherer aus der EU, Norwegen, der Schweiz und Island auf ihr Abschneiden unter verschiedenen Krisenszenarien. Sie stehen für zusammen 55 Prozent des europäischen Marktes. Aus Deutschland war - gemessen am Marktanteil - gut die Hälfte der Unternehmen dabei. Anders als beim jüngsten Banken-Stresstest gibt die Eiopa allerdings keine Ergebnisse für die einzelnen Banken bekannt.

Jeder siebte Versicherer käme der Untersuchung zufolge auch ohne ein Krisen-Szenario zurzeit noch nicht mit „Solvency II" zurecht, das 2016 eingeführt werden soll. Dabei handelt es sich allerdings überwiegend um kleine Unternehmen: Ihr gemeinsamer Marktanteil liegt bei nur drei Prozent. EIOPA-Chef Gabriel Bernardino sprach von einem „rein vorsorglichen Instrument der Aufsicht“. Alles in allem sei die Branche gut auf Solvency II vorbereitet. Die Eiopa werde aber die nationalen Aufseher dazu drängen, die Versicherer auf ihre verwundbaren Stellen aufmerksam zu machen, für eine angemessene Kapitalausstattung und ein besseres Risikomanagement zu sorgen.

Nach dem Stresstest - Wie geht es weiter?

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rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

01.12.2014, 10:35 Uhr

Bevor Versicherer sich als verwundbar wegen der Niedrigzinsen erklären, muss man festhalten, dass die Versicherungslobby mit dem Lebensversicherungsreformgesetz die Versicherten zuvor bereits geplündert haben.

Dieses Lebensversicherungsgesetz war notwendig um Klagen von Versicherten aufgrund gesetzlicher Anordnung vor den Gerichten ins Leere laufen zu lassen. Derzeit fehlt noch die Unterschrift des Bundespräsidenten, um den Versichertenbetrug noch vollkommen zu vollenden.

Bereits im Virfeld haben Versicherer entgegen den Weisungen des BVerfG die Versicherten derart geplündert, indem sie die Versicherten an Bewertungsreserven beteiligten, die tatsächlich so nicht entstanden waren.

Dazu muss man wissen, dass viele Versicherer ihre Bestände nach dem Niederstwertprinzip und nicht mit dem tatsächlichen Wert ihrer Assets bewerteten und bewerten. Eine Tatsache, die in der heutigen Zeit, nur noch auf dem Kenntnisstand der BAFin oder dem Entstehungszeitpunkts des HGBs (vor dem II. Weltkrieg) entspricht.

Aus diesem Blickpunkt ist es nicht rechtens, wenn sich Versicherer über islamische Verhältnisse in der Zinslandschaft beschweren.

Es gehört reihum fachlich aufgeräumt. In meinen Augen liegen hier mafiöse Verhältnisse und Korruption vor. Ich mache bei diesem Verdacht bewusst keinerlei Einschränkungen. Es müsste eine Kaste zuerst den Nachweis führen, dass sie an diesem Gemauschel nicht dran beteiligt ist. Selbst der Bundespräsident, der im Ausland gerne Rechtssicherheit einfordert, ist gehalten, sich von diesen Machenschaften abzugrenzen.

Herr otto r. kristek

01.12.2014, 10:40 Uhr

was kümmert mich deren elend
die haben genug lobbyisten am start und werden uns schon neue "zwangs"policen riestern

die shareholder werden ihr geld abziehen,
falls es zu uninteressant wird
doch lieschen müller bekommt keine rente oder rendiete falls sie vers.-nehmer ist

den markt mit geld zu fluten ohne das davon etwas beim volk ankommt also den konsummarkt beflügelt ist verantwortungslos
(herr dragi ist nochimmer bänker und vertrat bisher die die in nachstehendes investitieren können
er tut es noch heute)
lediglich aktienkurse , immobilien, rohstoffreserven steigen im "wert" bis die blase zusammenbricht

lieschen m. bezahlt dann diese zeche

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