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08.09.2012

10:01 Uhr

Ergo

Oletzky kämpft um seine Glaubwürdigkeit

Ergo-Chef Torsten Oletzky hat sich in einer Mail an alle Mitarbeiter des Versicherungsriesen gewendet. Darin verteidigt er die Informationspolitik und den Weg vor die Gerichte. In der Branche gilt er als angeschlagen.

Torsten Oletzky hat sich in einem Brief an seine Mitarbeiter gewendet. dpa

Torsten Oletzky hat sich in einem Brief an seine Mitarbeiter gewendet.

DüsseldorfEs klingt wie ein Eingeständnis: "Wir müssen uns [...] kritisch fragen, ob wir selbst bei den Incentive-Reisen hätten offensiver kommunizieren müssen." Das schreibt Ergo-Chef Torsten Oletzky in einem internen Brief an seine Mitarbeiter. Er erklärt die Informationspolitik von Ergo wie folgt: "Bei der breiten internen und externen Kommunikation mussten wir uns sinnvollerweise fokussieren." Damit meint Oletzky "auf die Zukunft gerichtete Maßnahmen, die unser Versicherungsgeschäft betrafen". Was nicht darin vorkommt sind die vom Handelsblatt aufgedeckten Lustreisen.

Neben dem Brief an seine Mitarbeiter hat Ergo in seinem Intranet noch ein Interview mit Oletzky veröffentlicht, in dem er nochmals zu der Berichterstattung im Handelsblatt Stellung bezieht. Beide Dokumente finden Sie in diesem Artikel zum Download.

Versicherungen

Brief an die Mitarbeiter von Torsten Oletzky

Fakt ist, dass Ergo Mitarbeiter mit Lustreisen belohnt hat. Im vergangenen Jahr tat Ergo den feucht-fröhlichen Kurztrip nach Budapest als Ausnahme ab – und versprach Transparenz. Doch angesichts des juristischen Vorgehens gegen das Handelsblatt entpuppt sich die selbstverordnete Klartext-Initiative als unglaubwürdige Image-Kampagne.

Das Handelsblatt hat jüngst weitere Lustreisen aufgedeckt – dieses Mal nach Mallorca und in ein Swinger-Hotel auf Jamaica – und belegt die Berichterstattung mit internen Revisionsberichten der Ergo, die der Redaktion zugespielt wurden. Die Berichte stellte das Handelsblatt auf der noch jungen iPad-App „Handelsblatt Morning Briefing“ zum Download zur Verfügung. „Wir machen Berichterstattung, aber wir wollen den Lesern und Leserin auch zeigen, dass sie sich selbst ein Urteil bilden können“ erklärt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart den Schritt im Interview mit dem NDR-Medienmagazin Zapp. „Ich glaube, dass das einen Mehrwert hat, wenn man selbst Originaldokumente durchstöbern kann.“

Versicherungen

Interview mit ERGOnet

Doch genau das will Ergo verhindern und bemüht dafür das Urheberrecht. Durch eine einstweilige Verfügung musste das Handelsblatt einen Revisionsbericht zu der Budapest-Reise aus dem Netz nehmen. Der Verlag darf den Revisionsbericht „HMI-Wettbewerbsreise - Budapest 2007“ nicht mehr verbreiten. Drei weitere Revisionsberichte sind von der Unterlassungserklärung allerdings nicht betroffen und können weiterhin abgerufen werden.

Ergo entdeckt weitere Lustreisen

„Kleine Clubreise“

Die Top-Five-Clubreise nach Mallorca (kleine Clubreise) hat in der Zeit vom 12.09. - 15.09.2005 stattgefunden und wurde von Herrn Lange in seiner Funktion als Leiter der HMI-Vertriebsorganisation begleitet.

„In HMI-Eigenregie organisiert“

Insgesamt werden angabegemäß je Jahr eine „große“ und zwei „kleine“ Top-Five-Clubreisen in Eigenregie von der Vertriebsdirektion HMI (VDHMI) organisiert, durchgeführt und über eigene Kostenstellen abgewickelt.

Leicht bekleidete „Mädels“

Als sie den Club betreten hätten, seien er und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete „Mädels“ gestanden hätten. Einige, zu denen er gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben.

„Aufwendungen für einen Bordellbesuch“

Aufgrund der vorliegenden Information ist es aus Sicht von REV (Revision) wahrscheinlich, dass mit den beiden von Herrn Lange eingereichten Bewirtungsbelegen über gesamt 2428 Euro Aufwendungen für einen Nachtclub/Bordellbesuch finanziert wurden.

„Mexxaton“

Auf beiden Belegen ist im Kopf der Name „Mexxaton“ vermerkt, bei dem es sich anscheinend um die Lokalität handeln soll, von der sie ausgestellt wurden. Auf dem Beleg über € 1508 ist zusätzlich das Datum „15.09.05“ vermerkt, während der andere kein Datum trägt. Weitere Angaben z.B. zum Aussteller befinden sich nicht darauf.

Lokalität vor Ort unbekannt

Eine Lokalität mit dem Namen „Mexxaton“ auf Mallorca haben wir weder bei unseren Internetrecherchen gefunden noch war sie der vor Ort vertrauten Reiseagentur bzw. dem Hotel oder Reiseteilnehmern bekannt.

Rechnung in den frühen Morgenstunden

Das Datum auf dem Beleg über € 1508 wäre allenfalls plausibel, wenn die Rechnung in den frühen Morgenstunden ausgestellt wurde, da am 15.09.05 der Abreisetag war.

Keine Aussage zu „Zweckformbelegen“

Wir haben am 10.06.2011 Herrn Lange telefonisch zu dem Vorgang befragt. Er erinnerte die Reise zwar, gab aber an, die Gruppe nicht in ein Bordell eingeladen zu haben. Zu den „Zweckformbelegen“ und dem Namen „Mexxaton“ könne er aber nichts sagen.

Vergleichbare Aktivitäten in Südamerika

Im Zusammenhang mit der Prüfung zu dem HMI-Sonderwettbewerb - Budapest 2007 („Party Total“) sind die auf den Gewinner- bzw. Teilnehmerlisten aufgeführten Personen von der Konzernrevision zur Teilnahme und ggf. weiteren Details befragt worden. Dabei ist von einer Person der Hinweis geäußert worden, dass es auf einer Wettbewerbsveranstaltung der HMI nach Südamerika zu vergleichbaren Aktivitäten gekommen sei.

„Swinger-Hotel“

Auf Nachfrage wurde der Hinweis dahingehend ergänzt, dass eine HMI-Geschäftsstelle in Frankfurt im Januar/Februar 2011 eine Wettbewerbsreise in ein „Swinger-Hotel“ in Jamaika durchgeführt habe.

Wettbewerbsreisen ins Hedonism II

Die von Herrn M. geleitete Geschäftsstelle in Frankfurt hat in den Jahren 2009 und 2011 jeweils Wettbewerbsreisen nach Jamaika in das „Swinger-Hotel“ Hedonism II (www.hedonism-resorts.de) durchgeführt.

Reiseziel für entsprechend Interessierte

Das Hotel ist gemäß Internet-Recherche ein bekanntes Reiseziel für entsprechend interessierte Personen.

Reiseunterlagen zur Genehmigung vorgelegt

Vor Buchung der Reise sind die Reiseunterlagen gem. Richtlinie zum Generalstrukturen-Reisewettbewerb (GRW) der abrechnenden Stelle PVH5HH per Mail zur Genehmigung vorgelegt worden.

Entscheidung für günstigste Variante

Von der Geschäftsstelle wurden insgesamt drei Angebote von unterschiedlichen Hotels eingeholt und es wurde mitgeteilt, dass man sich für die dritte, günstigste Variante mit der Hotelkombination Mariott am Time Square und dem Hedonism II auf Jamaika entschieden hatte.

Vor 25 Jahren im selben Hotel

Als Grund für die Buchung gab er an, dass seine erste Wettbewerbsreise vor 25 Jahren in dasselbe Hotel geführt habe.

Widersprach schon damals den Regeln

Nach allem, was Ergo heute bekannt ist, war diese Veranstaltung ein Einzelfall und widersprach schon damals den Regeln, die für die Organisation von Wettbewerbs-Reisen gelten.

„Playboy-Bunnys“ in der Anlage

Herr P. verwies darauf, dass sich zur selben Zeit das Magazin „Playboy“ mit „Bunnys“ zwecks eines Fotoshootings in der Anlage aufhielt.

Fotos oben ohne

In diesem Zusammenhang seien auch Fotos mit Teilnehmern und den Models (teilweise ohne Oberteil) aufgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Fotos an die Öffentlichkeit gelangten.

Kommentare (20)

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fido

08.09.2012, 10:13 Uhr

Ah was. Das war keine Lustreise. Die Ergo-Berater wollten einfach Versicherungen an die netten Damen verkaufen. Die Damen führen ein riskantes Leben. Da muss man gut abgesichert sein.

Harald

08.09.2012, 10:26 Uhr

Aufmachung, Wortwahl und die ständige Wiederholung der Angriffe eines speziellen Autors erst gegen den Konzern und nun immer stärker gegen den Vorstand zeigen eine Tendenz zu Bildzeitungs-Niveau und lassen einen neben allen richtigen Fakten auch persönlich motivierten "Rachefeldzug" vermuten - mit seriöser Berichterstattung hat das immer weniger zu tun.

Tikitak

08.09.2012, 10:53 Uhr

ERGO Mitarbeiter?

Ach stimmt, Sie würden es auch nicht zugeben, wenn Sie einen wären.

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