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17.07.2012

11:54 Uhr

Euro-Rettung

Münchener-Rück-Chef fordert schärfere Bankenregulierung

Mit deutlichen Worten hat sich Münchener-Rück-Chef von Bomhard zur Eurokrise geäußert. Er fordert von der Politik mehr Anstrengungen bei der Rettung der Währungsunion. Notfalls sollten Banken auch pleite gehen können.

Der Euro werde überleben, ist sich Nikolaus von Bomhard sicher. ap

Der Euro werde überleben, ist sich Nikolaus von Bomhard sicher.

MünchenSo konkret wie bislang kein Chef eines Dax-Konzerns fordert Münchener-Rück -Boss Nikolaus von Bomhard weitere politische Reformen, um den Euro zu retten. Vor allem die Banken will der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers eng an die Leine legen, indirekt spricht er sich sogar für eine Zerschlagung der Deutschen Bank aus.

Die Politik müsse eine Vision für mehr Europa entwickeln und diese den Menschen näher bringen, sagte von Bomhard in München. Für EU-Länder bedeute dies: Mehr Souveränitätsrechte abgeben, mehr Automatismen schaffen, den Europäischen Rat, in dem die nationalen Interessen der Regierungschefs immer wieder scharf aufeinanderprallen, umgestalten und die Exekutive in Brüssel teilweise vom Volk wählen lassen.

Der Euro werde überleben, sagte von Bomhard. „Unklar ist aber in welcher Form.“ Er sei für Europa ein wichtiger Mosaikstein, aber wohl zu früh eingeführt worden. Die Maastricht-Kriterien habe maßgeblich auch Deutschland aufgeweicht. Von den Politikern in den europäischen Hauptstädten forderte der bestens vernetzte Manager, dessen Unternehmen mit Kapitalanlagen von mehr als 200 Milliarden Euro einer der größten Investoren überhaupt ist, mehr Führung, Transparenz und Ehrlichkeit. Das große Ganze müsse entworfen, weniger die einzelnen Schritte erklärt werden. Das sei nicht zuletzt für Investoren am Kapitalmarkt enorm wichtig - ein großes Ziel setzen und dann die Umsetzung angehen. „Mit Trippelschritten ist man nie vor der Welle.“

Die Lehre aus der Krise könne nur lauten: „Wir brauchen mehr Europa.“ Unter anderem müsse darüber nachgedacht werden, zumindest Teile der EU-Exekutive direkt vom Volk wählen zu lassen. In Deutschland seien Übertragungen von Rechten auf die EU-Ebene mit Zweidrittelmehrheit dank einer staatstragenden Opposition möglich.

Auf Ebene der Unternehmen sieht der langjährige Versicherungsmanager vor allem eine schärfere Regulierung der Banken als Schlüssel. Die unheilvolle Verknüpfung von Staaten und Banken - wie zuletzt bei der Rettung der spanischen Geldhäuser - müsse durchbrochen werden. Banken müssten auch Pleite gehen können und nicht ständig mit Steuergeldern aufgefangen werden, weil sie zu groß und vernetzt seien. Das klassische Geschäft müsse vom schwankungsanfälligen und riskanteren Investmentbanking getrennt werden.

Damit spricht sich von Bomhard, ohne den Namen des Instituts zu nennen, beispielsweise für eine Aufspaltung der Deutschen Bank aus. Investoren müssten zudem zwingend an Wertpapierverlusten beteiligt werden, damit wieder besser mit Risiken umgegangen werde. „Die Gläubigerbeteiligung ist unverzichtbar.“ Notfalls müssten Kredite teurer werden.

Von Bomhard kämpft seit längerem dafür, Banken und Versicherer anders zu behandeln, weil die Assekuranzen die Finanzkrise nicht ausgelöst hätten. Mit Blick auf seine Branche sagte er: „Wir sitzen im selben Boot wie die Sparer.“ Man könne nicht ewig mit den historisch niedrigen Zinsen leben. „Das stresst uns gewaltig.“ Für Lebensversicherer forderte er sogar, bestimmte Verbraucherschutzrechte zurückzudrehen, um den Firmen wieder mehr Luft zu verschaffen.

Von

rtr

Kommentare (5)

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vandale

17.07.2012, 12:48 Uhr

Herr Bomhardt fordert eine Zerschlagung "systemrelevanter" Banken. Diese Forderung ist nicht ganz unberechtigt, denn diese war die Begründung mit der die mehr oder weniger sozialistischen Regierungen in den USA und Europa Banken zulasten der Steuerzahler gerettet haben. Meines Erachtens wäre es besser gewesen diese mit minimalem Steuergeldeinsatz und überwiegender Gläubigerbeteiligung geregelt abzuwickeln.

Dann stellt sich allerdings auch die Frage nach einer Zerschlagung systemrelevanter Versicherungen. Allianz und die Münchener Rück sind sicherlich systemrelevant. Eine plötzliche Zahlungsunfähigkeit Italiens hätte einen Zusammenbruch der Versicherungen zur Folge. Ein Zusammenbruch dieser Versicherungen hätte erhebliche volkswirtschaftliche Verwerfungen zur Folge.

Der Mann wirft im Glashaus mit Steinen um sich.

Vandale

Mazi

17.07.2012, 12:55 Uhr

Es ist erstaunlich, dass die Abkehr der Forderung "too big to fall" als so revolutionär angesehen wird. Es hat nirgendwo gestanden, dass es so etwas überhaupt geben soll. Es hat auch nirgendwo gestanden, dass deutsche Steuerzahler dafür bluten sollen, dass dies möglicherweise bei ausländischen Banken der Fall sein könnte. Wo kämen wir da hin, wenn jetzt eine Branche nach der anderen oder ein Land nach dem anderen käme. Da hat sich etwas total außerhalb unseres rechtlichen Rahmens als scheinbare Selbstverständlichkeit herausgebildet.

Selbst die Tatsache, dass Ausländer sich schon in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einmischen und das BVerfG zur Eile drängen, ist schon symptomatisch. Zumal dies aus einem Land erfolgte, dass keinen eigenen nennenswerten Beitrag am europäischen Finanzgeschäft leistet.

Hier ist schon einmal ein klares Wort angesagt.

Noch erstaunlicher ist, dass diese Situation unter den Augen der nationalen und internationalen Bankenaufseher überhaupt erst kreiert werden konnte. Von einer Bankenaufsicht, die es wert wäre als solche bezeichnet zu werden, kann wohl niemand (mehr) sprechen.

Dass das BVerfG mit einer derartigen Frage überhaupt beschäftigt wird, erscheint schon als Anmaßung seitens der Lobbyverbände. Anders kann wohl der Deutsche Bundestag nicht mehr verstanden werden.

Account gelöscht!

17.07.2012, 13:31 Uhr

Nein Vandale,
das Hauptproblem ist die Quasinullzinspolitik der EZB und Fed, die dreht den Versicherungen die Luft ab. Ihre Fehlinvestionen in den Südländern können die Versicherer an ausländische Tochterfonds weiterverkaufen und uber mehrere Jahre sukzessive abschreiben.Die Versicherer sind, wie andere Leute auch, auf die Propaganda der Investment Banker reingefallen und haben ihre stabilen Industriebeteiligungen verkauft. (Man denke an die Zerschlagung von Hoechst).Auf der Perle MesserGriesheim etc. sitzen heute die Franzosen (AirLiquide)

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