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24.10.2011

12:33 Uhr

Eurokrise

Münchener Rück will den Griechen die Schulden erlassen

Der weltgrößte Rückversicherer ist bereit, auf einen großen Teil seiner Forderungen zu verzichten - und empfiehlt der Politik einen harten Schuldenschnitt. Ein solcher Schritt käme das Unternehmen aber teuer zu stehen.

Zentrale der Münchner Rück: Bereit für den "Haircut". ap

Zentrale der Münchner Rück: Bereit für den "Haircut".

Baden-BadenDie Münchener Rück ist bereit, auf einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber Griechenland zu verzichten, um das schuldengeplagte Land zu retten. Ein starker Schuldenschnitt sei ein realistischer Weg zur Lösung der gegenwärtigen Krise in der Euro-Zone, sagte Ludger Arnoldussen, Vorstand beim weltgrößten Rückversicherer, am Montag beim Branchentreffen in Baden-Baden.Nötig sei eine Lösung, die auch halte und nicht auf Kosten von Inflation gehe.

Der Dax-Konzern hatte zuletzt bereits angedeutet, dass die griechischen Staatsanleihen im Portfolio auch im dritten Quartal 2011 wieder zu Abschreibungen geführt hätten. Details sollen Anfang

November veröffentlicht werden. Das Niveau aus dem zweiten Quartal werde allerdings nicht wieder erreicht, hieß es. Von April bis Juni hatten sich die Wertberichtigungen auf 703 Millionen Euro summiert, wovon ergebniswirksam 125 Millionen hängen blieben und den Überschuss drückten.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Bis Mittwoch soll der Weg aus der Euro-Krise stehen. Der Rettungsplan für Griechenland wird dabei einen hohen Forderungsverzicht privater Gläubiger beinhalten. Zudem wird er verstärkte Einsatzmöglichkeiten des Rettungsfonds EFSF und Vereinbarungen zu noch engerer Abstimmung in der Wirtschaftspolitik umfassen.

Diplomaten zufolge werden zudem die 60 größten Banken Europas verpflichtet, ihr Eigenkapital um gut 100 Milliarden Euro zu erhöhen, damit diese einen stärkeren Schuldenschnitt für Griechenland überstehen können.

Münchener-Rück-Vorstand Arnoldussen sagte, es sei Aufgabe der Politik, für Stabilität an den Finanzmärkten zu sorgen. „Es geht darum, die Finanzmärkte besser zu regulieren.“ Solvency II sei
daher der richtige Weg. Die neuen, strengeren Kapitalvorschriften für Versicherer sollen europaweit ab 2013 gelten.

Kommentare (4)

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MikeM

24.10.2011, 13:24 Uhr

Und was erhält die Münchner Rück als Gegenleistung für diesen Verzicht? Wenn sie nichts erhält wäre dieser "Erlass" eine strafbare Veruntreuung von Firmengeldern. Als Aktionär würde ich mir das nicht bieten lassen.

Shareholder

24.10.2011, 13:57 Uhr

Alle, die hier in den Foren Griechenlands Pleite gefordert haben (übrigens auch Schäfler, Rösler und ein paar CDUler, die der Pofalla unfein kritisiert hat), haben doch gewußt oder wissen, dass ALLE Banken, Versicherungen und Steuerzahler bei der Nummer leer ausgehen. Das trifft natürlich auch die Aktionäre.

Die Frage ist nur, was ist besser!?

Griechenland aufzufangen, Schuldenschnitt oder Pleite.

Die MunRe hat den richtigen Schritt vor. Das geringere Übel sind immense Abschreibungen (die sowieso verloren sind) oder das Abtrudeln der europäischen Zone in eine lange Rezession!

Mit Schuldenschnitten ist das Problem jedoch nicht gelöst. Jetzt ist die Politik gefordert, dass nicht jedes Land einen Schuldenschnitt erwartet. Regeln müssen her, dass sich so etwas nicht wiederholt. Und eine konsequente Überwachung. Merkel und Sarkozy sind damit jedoch überfordert. Der eine ist ein eitler Bock und die andere ist eine machtgeile Zauderin. Das ist die schlechteste aller Ausgangslagen.

Als Shareholder der MunRe befürwortet ich diesen Schritt, da in einem Mal abgeschrieben werden kann! Und keine faulen Positionen in den Bilanzen schlummern.

Als Steuerzahler nicht, da dieAbschreibungen die Allgemeinheit belasten. Auch das haben Schäffler und Rösler verschwiegen!

Account gelöscht!

24.10.2011, 14:06 Uhr

Ich habe Zweifel ob das so einfach möglich ist, den Gaunern in Athen die Schulden zu erlassen.

Bei einer Pleite ist es klar, die Forderung kann gewinnmindernd abgeschrieben werden. Zweifel habe ich jedoch wenn der Gläubiger freiwillig auf Forderungen verzichtet. Diese Zweifel habe ich um so mehr weil sich besonders in Deutschland die Politik für einen freiwilligen Forderungsverzicht stark macht.

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