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03.08.2011

12:34 Uhr

Facebook-Party

Ergo-Eis für „Die Partei“

VonAlexander Möthe

Die Massenkundgebung blieb aus. „Die Partei“ hatte via Facebook zur „Incentive-Party“ vor der Konzernzentrale des Versicherers Ergo geladen. Zugesagt hatten mehr als 500 Personen – vor Ort erschienen nicht einmal zehn. Doch die sahen immerhin eine gut einstudierte Show.

Videobilder vom Ergo-Flashmob

Frivoler Auftritt vor der Konzernzentrale

Videobilder vom Ergo-Flashmob: Frivoler Auftritt bei Ergo

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DüsseldorfIm Glasturm der Ergo am Victoriaplatz in Düsseldorf stand derweil eine Erklärung des zuletzt skandalgeschüttelten Unternehmens an. Vorstandschef Torsten Oletzky verordnete dem zur Munich Re gehörenden Erstversicherer einen Verhaltenskodex. „Es sind in der Vergangenheit Fehler passiert“, räumte Oletzky ein. Nicht nur in Sachen Mitarbeitermotivation. Die Vorwürfe, dass eine Dienstreise von Vertretern der Tochtergesellschaft Hamburg Mannheimer in einer Rotlicht-Veranstaltung endete, seien zumindest im Kern wahr. Aber auch die Falschberatung von Ergo-Kunden bei Riester-Produkten wurde eingeräumt. Etwa 12.000 Versicherte werden entschädigt, was vergleichsweise geringe Kosten von fünf Millionen Euro aufwärts verursachen wird. Auch falscher Beratung soll künftig ein Riegel vorgeschoben worden.

Die Ergo versuchte gar nicht erst, den Mantel des Schweigens über die Geschehnisse zu legen. Und so ging der Konzern auch souverän mit den zum Teil in Bademäntel gehüllten Besucher auf dem Vorplatz um. Zwar fand sich kein offizieller Vertreter der Versicherung dort ein, es wurde jedoch ein Stand mit Erfrischungen aufgebaut, der ein Gefühl des Willkommseins zumindest suggerierte.

Mark Benecke und "Natascha" vor der Ergo-Zentrale. Quelle: dpa

Mark Benecke und "Natascha" vor der Ergo-Zentrale.

Für „Die Partei“ war NRW-Spitzenkandidat Mark Benecke Rädelsführer vor Ort. In Abwesenheit von Ex-Titanic-Chefredakteur und Partei-Gründer Martin Sonneborn erreichte der international renommierte Kriminalbiologe Benecke genau das, was laut Facebook-Eintrag das Ziel der Veranstaltung gewesen ist: Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit einer jungen Dame, die als russische Begleitdame „Natascha“ vorgestellt wurde sowie mit Unterstützung des Spitzenkandidaten für Berlin-Mitte, Jonathan Ullwer, lieferte er der im Vergleich zu den Teilnehmern in deutlicher Überzahl erschienen Presse eine gut einstudierte Show. „Wir wollen der Ergo eine Zusammenarbeit anbieten“, hieß es von Benecke immer wieder, „wir haben das politische Know-how, sie die finanziellen Mittel.“ Gemeint war die „Vermittlung von zwanglosen Kontakten“ und die Organisation von Partys mit orgiastischen Zügen, in Anlehnung an den Budapester Skandal, dem sich die Ergo gegenüber sah. Die politische Satire war zu jeder Sekunde greifbar, auch wenn Aussagen wie „wir köpfen wöchentlich den Rüttgers“ und „Künast frisieren, Wowereit ausstopfen, Knut wiederbeleben“ Wahlkampf simulierten, die Ambition einer seriösen Partei geht der Partei ab.

Außer einer kleinen Fraktion der Organisatoren verirrten sich tatsächlich nur noch zwei Studenten aus Bonn und ein paar Anwohner auf das Gelände. Die Studierenden, die lieber anonym bleiben wollten, sahen dann auch keinerlei Statement in der Aktion, die viel Staub aufwirbelte, aber letztlich harmlos blieb: „Es sind Semesterferien und wir hatten nichts zu tun.“

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