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19.08.2011

12:24 Uhr

Falsche Medikamente

AOK prüft Rezept-Betrug in Apotheken

Verdacht auf Betrug: Die Krankenkasse ist möglicherweise von mehreren tausend Apotheken zur Kasse gebeten worden - für Medikamente, die es gar nicht gibt. Was die Patienten für Arznei erhielten, ist noch offen.

Allein im Juni sind der Kasse 30.000 Fälle bekannt geworden, in denen nicht existierende Medikament abgerechnet wurden. Quelle: dpa

Allein im Juni sind der Kasse 30.000 Fälle bekannt geworden, in denen nicht existierende Medikament abgerechnet wurden.

BerlinDie Krankenkasse AOK ist möglicherweise bundesweit von mehreren tausend Apotheken für Medikamente zur Kasse gebeten worden, die gar nicht auf dem Markt sind. „Die AOK prüft derzeit die Vorfälle und wird entsprechend die zuständigen Staatsanwaltschaften einschalten“, sagte ein Sprecher des AOK-Bundesverbandes am Freitag in Berlin. Allein im Juni seien der Kasse 30.000 Fälle bekanntgeworden, in denen Rezepte mit einem derzeit nicht auf dem Markt befindlichen Medikament bedruckt und abgerechnet wurden. Was die Patienten in den Apotheken tatsächlich erhielten, war vorerst nicht bekannt. Auch die Schadenshöhe könne vorerst noch nicht beziffert werden, sagte der Sprecher.

Eine akute Gesundheitsgefahr für Patienten besteht laut AOK nicht, wenn es sich bei den tatsächlich abgegebenen Medikamenten um wirkstoffgleiche Medikamente handele, die grundsätzlich austauschbar seien. Bei den im Juni aufgedeckten Fällen geht es um ein Mittel zur Absenkung des Blutdrucks. „Bei den bekanntgewordenen Fällen handelt es sich möglicherweise um die Spitze eines Eisberges“, sagte der AOK-Sprecher. „Derart falsch abgerechnete Arzneimittel fallen leider im Normalfall nicht auf. Der Stein ist jetzt nur deshalb ins Rollen gekommen, weil das aufgedruckte Medikament nachweislich noch nie am Markt verfügbar war, der Hersteller aber trotzdem Rechnungen für den gesetzlich festgelegten Großhandelsrabatt erhalten hat.“

Kommentare (3)

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Mathilde

19.08.2011, 13:27 Uhr

Das ist nur die halbe Wahrheit. Die AOK hat Rabattverträge mit Firmen abgeschlossen, die leider bis heute nicht ausreichend liefern können, weil die Medikamente in Asien hergestellt werden und nach Deutschland verschifft werden müssen. Die Apotheken müssen aber diese Medikmente dem Kunden aushändigen, weil sonst die Krankenkasse nicht zahlt. Das ist ein klassisches Gottesurteil. Man kann nun mal kein Medikament liefern, das es nicht gibt. Erinnert an die DDR und Staatsmedizin, es gibt genügend deutsche Hersteller, die liefern könnten, aber den Zuschlag hat ja nur eine Firma bekommen. Man kann allerdings bei nicht Verfügbarkeit eine siebenstellige Sonderpharmazentralnummer und Nichtverfügbarkeitsfaktor aufs Rezept drucken, und muss auf jedes Rezept handschriftlich notieren, dass der Rabattpartner nicht liefern kann. Diesen bürokratischen Wahnsinn kann man vielleicht in der gemütlichen Umgebung einer Krankenkasse in Ruhe zelebrieren, aber in der Apotheke bedeutet das einen enormen zeitlichen Aufwand, den wohl einige ApothekerInnen gescheut haben. Da aber der Hersteller 16 % Herstellerrabatt zahlen muss, kann man diesen verstehen, dass er das nicht tun will. Das Grundproblem ist aber die Krankenkasse, die mit Herstellern einen Rabattvertrag abgeschlosssen hat, der nicht ausreichend liefern kann. Und jetzt erhebt sie sich zum Ankläger. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit.

Account gelöscht!

19.08.2011, 22:02 Uhr

19.08.2011, 21:58 Uhr
Ihr Kommentar:
Immer die arme DDR-Staatsmedizin als Vergleichsobjekt: Wenn in der DDR die aus dem Westen für teure Devisen importierten C-Nomenklatur-Medikamente alle waren, wurden sie nachbestellt. Niemand wäre auf die Idee gekommen, den verordnenden Arzt dafür zu Kasse zu bitten und niemand hat Ärger gemacht, wenn ein nicht einhaltbarer Plan auch nicht eingehalten wurde.
Die sozialistische Planwirtschaft in der Bundesrepublik ist da totalitärer: Die AOK macht einen Plan, der nicht einhaltbar ist: Sie verpflichtet Apotheker zur Abgabe nicht vorhandener Medikamente und zeigt sie dann wegen Betrugs an. Un der Arzt wird in Regress genommen, weil er in jedem Falle ein nicht korrektes Medikament rezeptiert hat.
Das erinnert an die Schlammschlacht, als wir Ärzte tote Patienten abgerechnet haben. Ursache: Die AOK sammelte die Chipkarten ihrer verstorbenen Patienten nicht ein und illegale Einwanderer oder nicht versicherte Personen nahmen die Leistungen nach dem Versterben ihrer Erstbesitzer in Anspruch.
Die Ursache war von der AOK zu vertreten, aber der Betrugsvorwurf bleibt kleben, den die AOK entschuldigt sich nicht, wenn sie nach Betrugsvorwürfen gegen tausende wieder mal nur drei oder null Böse hat.
Jörg, Arzt in der Region Braunschweig

Account gelöscht!

22.09.2011, 13:39 Uhr

Aber da stellt sich doch die Frage: Warum geht Deutschlands größte Krankenkasse, die 2/3aller deutschen krankenversichert, mit einer Firma einen Rabattvertrag ein, wo sie genau weiss, dass diese nicht liefern kann? Was sollen die Apotheken machen? Warum erhebt sie die Anklage in der sogenannten Friedenspflicht, warum wird der Patient nich darüber aufgeklärt? es wurde nicht einmal pharmazeutisches Personal um Stellungnahme gebeten. Warum? Ich denke, bevor man sich darüber aufregen kann, sollten beide Seiten gezeigt und angehört werden. Die Politker, die Medien und die Verantwortlichen der Krankenkassen sollten mal einen tag in der Apotheke arbeiten, dann sprechen wir uns wieder! Es wäre zu schön DAZU mal was von der Politik, den Medien und den Krankenkassen zu hören! eine PTA

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