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28.11.2016

11:32 Uhr

Fehlerhafte Abrechnungen

Prüfverfahren gegen Barmer GEK eingeleitet

Bei der Krankenversicherung Barmer GEK gibt es offenbar Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen zur Kostenerstattung. Das Bundesversicherungsamt spricht von „Sozialbetrug“ und hat bereits ein Prüfverfahren eingeleitet.

Das Bundesversicherungsamt prüft beim Krankenversicherer Barmer GEK Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen. Offenbar wurden ärztliche Diagnosen nicht von den Ärzten selbst, sondern im Nachhinein kodiert. Die Barmer GEK bestreitet allerdings, dabei Diagnosen abgeändert zu haben. dpa

Falsche Abrechnungen?

Das Bundesversicherungsamt prüft beim Krankenversicherer Barmer GEK Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen. Offenbar wurden ärztliche Diagnosen nicht von den Ärzten selbst, sondern im Nachhinein kodiert. Die Barmer GEK bestreitet allerdings, dabei Diagnosen abgeändert zu haben.

BerlinDas Bundesversicherungsamt hat gegen die Barmer GEK ein Prüfverfahren wegen des Verdachts von Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen eingeleitet. Nach einem Bericht der Zeitungen „B.Z.“ und „Bild“ vom Montag geht es um nachträgliche Kodierungen von Arzt-Diagnosen, durch die die Kasse mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds erhält.

Normalerweise kodieren Ärzte ihre Diagnose in den Abrechnungsunterlagen. Diese Codes sind Grundlage für die Kostenerstattung durch die Kassen. Bei der Barmer kodierte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV) dem Bericht zufolge selbst in großem Stil nachträglich die Diagnosen. Um wie viele Fälle es sich hierbei handelt, sei noch offen.

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Konkret soll die KV bei der Barmer GEK in Berlin allein in diesem Jahr für sogenannte „technische Dienstleistungen“ in 2014 und 2015 insgesamt 750.000 Euro abgerechnet haben, wie die Zeitungen unter Berufung auf interne Mails berichteten. Dahinter verberge sich die „Neuerstellung und Übermittlung“ von ärztlichen Abrechnungsdaten für die Barmer.

Die Krankenkasse räumte eine nachträgliche Änderung oder Ergänzung von Kodierungen ein. Ein Sprecher sagte den Zeitungen aber, es gehe der Kasse „um eine korrekte und lückenlose Kodierung von Behandlungsfällen und nicht um eine Veränderung von Diagnosen“. Auch die KV Berlin räumte demnach eine „Datenkorrektur“ ein, da diese „nicht die gewünschte Konsistenz“ aufwiesen. Beide erklärten, die Patienten nicht kränker zu schreiben.

Das Bundesversicherungsamt spricht dagegen von Sozialbetrug. Eine zusätzliche medizinische Bewertung und Nacherfassung von Diagnosedaten sei im Rahmen des Risikosturkturausgleischs (RSA) unter den Kassen „nicht vorgesehen und rechtswidrig, da sie gegen den Sozialdatenschutz und das vom Gesetzgeber vorgegebene Meldeverfahren verstößt“, sagte Sprecher Tobias Schmidt den Zeitungen. Gegen die Barmer sei deshalb ein offizielles Prüfverfahren eingeleitet worden.

Von

afp

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