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28.10.2012

14:58 Uhr

Finanzdienstleister

Maschmeyers AWD ist bald Geschichte

Der von Carsten Maschmeyer gegründete Finanzdienstleister AWD kämpft mit seinem schlechten Image und soll auf Druck der Muttergesellschaft umbenannt werden. Der neue Name steht wohl schon fest.

Arbeiter installieren an der Firmenzentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover ein neues Firmenlogo. dapd

Arbeiter installieren an der Firmenzentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover ein neues Firmenlogo.

HamburgDer Name des Finanzberatungsunternehmens AWD ist laut "Spiegel" bald Geschichte. Die von Carsten Maschmeyer gegründete Firma solle Ende November mit der Deutschland-Niederlassung der Schweizer Muttergesellschaft Swiss Life fusionieren und die Finanzprodukte künftig wohl unter der Bezeichnung "Swiss Life Best Select" vertreiben, berichtete das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Insider vorab aus seiner neuen Ausgabe.

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (1)

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist unter die Buchautoren gegangen. "Selfmade - erfolg reich leben" (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Die ersten Auszüge hatte die Bild-Zeitung veröffentlicht - hier die wichtigsten Ausschnitte.

Seine Ausbildung

Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.

Sein Ratschlag

Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen

Seine Freunde

Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.

Vitamin B wichtiger als Arbeit

Häufig ist Beziehungsarbeit lohnender als rein fachliche Arbeit. Frei nach der Parole: „Der Kluge kennt alles, der sehr Kluge kennt alle.“ Ich kenne sogar Personen, die einzig wegen ihrer Netzwerke, Kontakte und Beziehungen einen begehrten, gut bezahlten Job bekommen haben.

Interessante Jobs finden

Interessante Jobs findet man heutzutage viel eher durch die Nutzung von Netzwerken als durch Print- oder Internet-Stellenanzeigen. Viele Statistiken belegen, dass die meisten Menschen ihre Jobs durch persönliche Beziehungen finden. Machen Sie sich also nichts vor: 

Über Politiker

Das gilt umso mehr für Politiker: Ihr Erfolg hängt auch von ihrem Netzwerk, von ihren Beziehungen ab. Man wird kaum in den Ortsbeirat gewählt, wenn man keine guten Verbindungen hat. Als Politiker brauchen Sie – gerade in Ihrer Partei – die richtigen Unterstützer, die sich für Sie einsetzen und propagieren, warum die Leute Sie wählen sollen.

Über Gerhard Schröder

Wenn man den Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennengelernt hat und er schließlich Bundeskanzler wird, dann lernt man fast ganz automatisch andere SPD-Politiker wie Stephan Weil, unseren Oberbürgermeister, und sogar Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel kennen.

Der Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Swiss Life werde noch in dieser Woche die Namenstilgung beschließen. Der AWD war in den vergangenen Jahren durch eine Klagewelle von Kunden in die Schlagzeilen geraten. Swiss Life hofft laut "Spiegel", mit einem neuen Namen das schlechte Image des AWD abstreifen zu können. Internen Kritikern erfolge die Umbenennung allerdings zum falschen Zeitpunkt, da noch hunderte Schadenersatzklagen anhängig seien - und diese auch mit dem neuen Namen in Verbindung gebracht würden.

Maschmeyer und die Fußball-Conection

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist 2012 unter die Buchautoren gegangen. „Selfmade - erfolg reich leben“ (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Hier Teil 2 der wichtigsten Ausschnitte.

Über den ersten Sportsfreund

Durch den Sport habe ich viele Menschen kennengelernt. Frank Pagelsdorf, ehemals Libero von Borussia Dortmund und dann erfolgreicher HSV-Trainer, war schon vor über 25 Jahren mein Kunde.

Über Mirko Slomka

Durch Pagelsdorf und natürlich durch meine Nähe zu Hannover 96 lernte ich etliche Spieler kennen. So entstand auch eine Freundschaft mit Mirko Slomka, der damals noch Co-Trainer von Hannover 96 war; gemeinsam haben wir schon mehrmals Familienurlaub gemacht.

Über Jogi Löw

Auf einer Sportgala lernte ich durch ihn Jogi Löw kennen, mit dem jede Begegnung eine Bereicherung ist.

Über Borussia Dortmund

Mit meiner damaligen Firma stiegen wir 2008 als Champions-League-Sponsor bei Borussia Dortmund ein. Von Anfang an hielten Borussen-Chef Hans-Joachim Watzke und ich Kontakt. Zuerst lud er mich ein, dann ich ihn. Daraus ist eine enge Beziehung entstanden – auch wenn die Sponsorschaft längst wieder beendet ist und ich meine Firmenanteile verkauft habe. Mittlerweile treffen wir uns auch ganz privat zu Hause.

Über das Wiedersehen

Geht es Ihnen nicht auch so: Wenn ich jemanden kennenlerne, den ich sympathisch finde, überlege ich fast automatisch, wann und wo ich diesen Menschen wiedersehen könnte. Um solche Wiederbegegnungen nicht dem Zufall zu überlassen, habe ich mir ein einfaches und effektvolles Verfahren abgeschaut: Ich nehme alle Menschen, die mich besonders interessieren, in meine Geburtstags- und Kontaktdatei auf.

Über das Pflegen von Freunden

Sobald ich jemanden kennengelernt habe, den ich besonders nett oder spannend finde und bei dem ich das Gefühl habe, dass das auf Gegenseitigkeit beruht, bekommt er oder sie von mir einen Brief, eine E-Mail, eine SMS oder einen Anruf. SMS oder Anruf innerhalb von 24 Stunden, E-Mail oder Brief innerhalb einer Woche.

Über In-Vorleistung-Gehen

Langfristige Beziehungen sind wichtiger als kurzfristige Vorteile. Gehen Sie ruhig auch einmal in Vorleistung: „Wen darf ich dir vorstellen, wen möchtest du kennenlernen?“ So baut der andere quasi Kontaktschulden bei Ihnen auf. Später haben Sie einen gut bei ihm – also ein Kontaktguthaben.

Über Kontakt-Zulasser

Zu den Personen, die ich meine Kontakt-Zulasser nenne, etwa Sekretärinnen oder Assistentinnen, bin ich gerne besonders freundlich. Gelegentlich überreiche ich ihnen auch eine kleine Aufmerksamkeit. Diese wichtigen Menschen lassen nämlich zu (oder auch nicht), dass Sie telefonisch durchgestellt werden oder schnell einen Termin bekommen.

Über Sekretärinnen

Sekretärinnen sind Türöffner oder Türschließer. Mit einem besonders freundlichen Wort oder mal Pralinen können Sie einen „Sesam öffne dich“-Dank aussprechen. Unterschätzen Sie nicht die enorme Macht der Kontakt-Zulasser.

Eine Umbenennungen sei "reine Spekulation", die das Unternehmen nicht kommentieren wolle, hieß es dem Bericht zufolge beim AWD. Der Finanzdienstleister war in den 80er Jahren von Maschmeyer gegründet worden, der lange Jahre Co-Chef des Unternehmens war. 2009 schied er aus - zuvor hatte seine Familie ihre Aktienbeteiligung für 1,2 Milliarden Euro an AWD an Swiss Life verkauft.

Wie Maschmeyer Veronica Ferres "eroberte"

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist 2012 unter die Buchautoren gegangen. „Selfmade - erfolg reich leben“ (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Es folgen die Ausschnitte über Veronica Ferres.

Wulff als "Kuppler"

Als mich Christian Wulff auf der Berlinale 2007 mit meiner heutigen Partnerin Veronica Ferres bekannt machte, fragte sie mich nach meinem Beruf. „Finanzen und Versicherungen“, antwortete ich, und da sagte sie: „Oh, da könnte ich auch einmal einen Ratschlag gebrauchen.“

Das erste Gespräch

Zum ersten Mal länger und intensiver sprach ich mit Veronica Ferres auf der Geburtstagsparty von Klaus Meine im Mai 2008. Wir telefonierten danach ab und zu und im Spätherbst immer öfter.

Das Wiedersehen und Gerüchte

Dann sahen wir uns im Winter in Südafrika wieder, wo sie den ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ drehte. Meine Zuneigung stieg, und ich glaube, ich fing an, mich zu verlieben. Bei einem Empfang, bei dem wir beide anwesend waren, tauchten die ersten Gerüchte auf, dass wir ein Paar seien, was aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stimmte.

Bedenken wegen der Medien

Es war schon sehr beängstigend, nicht zu wissen, wie die Leute und die Medien reagieren, wenn Veronica Ferres und ich uns als Paar outen würden.

Die Zwickmühle

Die Zwickmühle war, jetzt entweder zu sagen: „Lass uns jetzt einfach mal versuchen, ein Paar zu sein und das auch offiziell zu machen“ oder sich ein paarmal zu treffen, um festzustellen, ob man wirklich zueinander passt. Aber dabei eventuell gesichtet zu werden, wäre „gefährlich“ gewesen. Die normale Reihenfolge, sich näher kennenzulernen, mal zusammen ins Kino zu gehen, war hier eben nicht möglich.

Ganzen Mut aufgebracht

So brachten wir im Februar 2009 unseren ganzen Mut auf, uns zu outen. Unsere Beziehung war noch ein zartes Pflänzchen, aber die Medien hatten großes Interesse, das erste Bild von uns als Paar zu erhalten.

Der erste gemeinsame Auftritt

Wir entschlossen uns, bei der Gursky-Ausstellung in Wolfsburg bei VW im April 2009 zum ersten Mal gemeinsam öffentlich aufzutreten. Als sich das herumsprach, kündigten sich sehr viele Pressevertreter und Fotografen an.

Herz pochte wie wild

Mein Herz pochte wie wild und am liebsten wäre ich im Hotelzimmer geblieben. Auf der Fahrt zum Pressezentrum wurden meine Hände feucht und es erforderte unheimlich viel Mut, dann aus dem Auto zu steigen und sich dem Blitzlichtgewitter zu stellen.

Jetzt müssen wir es tun

Aber ich wusste, jetzt müssen wir es tun! Gleichzeitig war mir auch klar, dass ich von nun an viel weniger Privatsphäre haben würde, aber die Liebe zu ihr hat die Angst davor besiegt.

Der Finanzvertrieb war in den Sog der Krise geraten, Umsatz und Ergebnis brachen ein und die Kundenberater liefen davon. Von den Zielen - dieses Jahr hätte AWD wieder 80 bis 100 Millionen Euro Betriebsgewinn abliefern sollen - hat sich Swiss Life lange verabschiedet. Zudem kosten Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich, wo die Behörden die Vertriebspraktiken des Unternehmens untersuchen, viel Geld.

Zum Halbjahr stand die Firma mit 764 Millionen Franken (634 Millionen Euro) in den Büchern der Schweizer. Weitere Wertberichtigungen wollte Finanzchef Thomas Buess nicht ausschließen - es könne sein, dass der Wert angepasst werden müsse, wenn der Konzern im November seine neuen Finanzziele veröffentlicht, hatte er im August gesagt.

Kommentare (12)

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Brasil

28.10.2012, 15:47 Uhr

Alles klar, mit einem neuen Namen ist alles anders! Kein Abzocken mehr, keine unlauteren Versprechungen, kein Beschiss, alles aendert sich mit einem neuen Namen, so leicht geht´s! Geht doch!

blackstone13

28.10.2012, 16:04 Uhr

Was passiert den mit der MaschmeyerRürup AG?

Schreibt Herr Rürup weiter "unabhängige Artikel" (PR / Werbung) gegen Honorar im HB?

http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

LG
Blackstone

Account gelöscht!

28.10.2012, 19:52 Uhr

Kann es einen deutlicheren Beweis für totales Versagen der Führungsriege der Swiss Life geben, wenn das übernommene Kind nach 3 Jahren aus der Not heraus unbenannt werden muss...????

Maschmeyer ist ein alter OVB-Strukki, und die sind oft auf den ersten Blick simpel, aber schlitzohrig. Einen. beseren Zeitpunkt für den Verkauf hätte Maschmeyer nicht finden können, weg mit dem Laden und 1,2 Mrd. im Sack.

Einzig die vielen kleinen unabhängigen Finanzvermittler können einem leid tun, weil die Presse die Verfehlungen dieser Großvertriebe als für die Finanzbranche normal ansieht.

Fazit, leider: Wer im großen Stil bescheisst, kassiert, uahlt ein bisshen Strafe hier und da dank guter Anwälte, schreibt hier ein Buch und mmt da irgendwie cool rüber, während der 'kleine' Berater leiden muss, 500.000 Protokolle ausfüllen muss und trotzdem für jeden Quatsch haften soll.

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