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10.07.2011

14:20 Uhr

Finanzvertriebe

Stiftung Warentest geht gegen Carpediem vor

VonThomas Schmitt

Er beleidigte eine Journalistin und rief vor laufenden Kameras zur Gewalt auf. Stiftung Warentest ging das zu weit: Die Äußerungen von Daniel Shahin, Gründer des Finanzvertriebs Carpediem, haben ein juristisches Nachspiel.

Ausschnitt aus der fraglichen NDR-Produktion: Daniel Shahin, Gründer des Finanzvertriebs Carpediem, zieht hemmungslos über eine Redakteurin der Stiftung Warentest her. Quelle: NDR/Plusminus

Ausschnitt aus der fraglichen NDR-Produktion: Daniel Shahin, Gründer des Finanzvertriebs Carpediem, zieht hemmungslos über eine Redakteurin der Stiftung Warentest her.

Der Geschäftsführer des Finanzvertriebs Carpediem hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Danach müsse Unternehmensgründer Daniel Shahin eine Vertragsstrafe zahlen, wenn er seine beleidigenden Äußerungen gegenüber der Finanztest-Redakteurin Ariane Lauenburg wiederhole, teilte die Stiftung Warentest auf ihrer Internetseite mit.

Shahin habe die Redakteurin im Rahmen eines Kongressvortrags Anfang Juni in Fulda vor etwa 350 Zuhörern mehrmals beleidigt, erklärte die Stiftung Warentest. Die Redakteurin habe zuvor über dubiose Vertriebsmethoden des Finanzvertriebs Carpediem bei der Vermittlung von geschlossenen Fonds der Cis Deutschland AG berichtet. Frau Lauenburg habe Strafantrag gestellt und Strafanzeige erstattet.

Das NDR-Fernsehen hatte die Äußerungen Shahins gefilmt und in der ARD-Sendung Plusminus gesendet. So rief Shahin dem Bericht zufolge vor laufenden Kameras zur Gewalt auf und erklärte: Menschen, die seine Ideen zum Vermögensaufbau nicht verstünden, gehörten wegen Dummheit an die Wand gestellt. Zum Umgang mit missliebigen Menschen habe er seiner Zuhörerschaft empfohlen: „Aufstöbern, zuschlagen! Jeder drei Baseballschläger im Auto! Einen aus Aluminium, einen aus Holz, einen aus Plastik.“

Auf der Internetseite des Finanzvertriebs werden einzelne Äußerungen Shahins unter dem Stichwort „Kommentierung zur Berichterstattung Plusminus vom 28.06.2011“ bestätigt. So sagte dieser über Konkurrenten: „Kloaken gibt´s viele. Die Vertriebswelt ist geschädigt von Toten, Halbtoten, Möchtegernen, Schwätzern, Besserwissern.“ Und weiter heißt es dort unter Bezug auf Shahin: „Wir schützen den Verbraucher vor den Fängen einer Bank, Bausparkasse oder Lebensversicherung. Wir sagen ihm konsequent: Raus aus diesen Verträgen! Mein Parteitag ist der, wo von diesen 120 Versicherern 30, 40, 80 Konkurs gehen, da geht mir einer ab, das sage ich Ihnen, ja! Wir haben ein Ziel und das Ziel heißt: Zweistellig! Wir müssen neue Geschäftspartner für diesen Krieg ausbilden.“ Das Wort „Krieg“ beziehe sich dabei „auf unsere Aufklärungsarbeit, gegen Finanztest, gegen die Banken- und Versicherungslobby, gegen Presse und Fernsehanstalten. Weil wir laut sagen, was sonst keiner sagt“, kommentiert Carpediem diese Äußerungen Shahins.

Die Stiftung Warentest hatte bereits im Februar dieses Jahres vor dem 1991 gegründeten Finanzvertrieb gewarnt.  Die Zeitschrift „Finanztest“ habe Carpediem wegen seiner unseriösen Vertriebsmethoden auf die Warnliste gesetzt – genauso wie die Cis Deutschland AG, die den Garantie Hebel Plan ´08 Premium anbiete. Dort stehe auch schon das Vorprodukt, der Garantie Hebel Plan ´09 der Cis AG. Beide Angebote seien zur Altersvorsorge wegen hoher Risiken und Kosten ungeeignet. Aus Sicht von Finanztest seien die Renditeprognosen gewagt. Auch ständen die Unternehmen, in die das Anlegergeld investiert werden soll, zu Beginn der Anlage nicht fest. Die Gefahr für Anleger, dass hier vieles schiefgehen könnte und die prognostizierten Renditen nicht erzielt werden, sei hoch: „Anleger können mit der Anlage sogar einen Totalverlust erleiden.“

Kommentare (11)

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AndreasMA

10.07.2011, 18:43 Uhr

Zur Sache hat die Finanztest bzw. Stiftung Warentest bislang nichts, aber auch gar nichts beitragen können. Weder klärt sie die Verbraucher (Sparer!) über die wahren Ursachen und möglichen Konsequenzen der "Finanzkrise" auf, noch äußert sie sich um Verdacht, dass ein mit rd. 6 Mio Euro jährlich vom Staat gesponsertes Gremium, seit Jahren vor allem staatnahe Kapitalanlagen und Versicherungen propapgiert.

Es steht einer Redakteurin natürlich frei, den Ton eines Vortrages zu hinterfragen, dies entlässt sie aber nicht aus der journalistischen Sorgfaltspflicht. Es ist unseriös Geschäftsleute mit falschen Behauptungen anzuprangern, diese weitgehend nicht oder falsch zu belegen und es das gute Recht eines so angegriffenen Geschäftsführers, sich zu wehren.

Die FINANZTEST hat in den letzten 5-10 Jahren nichts, aber auch gar nichts an Kapitalanlagen empfohlen, dass dem Otto-Normal-Verbraucher einen Vermögensaufbau (netto - nach Steuern und wirklicher Inflationsrate)ermöglicht hätte.

Das Magazin wirbt mit Anzeigenfreiheit und Unabhängigkeit, wirbt aber für Riester -und Rürup mit einem Trommelwirbel nach dem anderen, so als wäre es das ein Werbeorgan der Deutschen Finanzagentur GmbH.

Auf alle größere Vertriebe, die KEINE staatgeförderten Anlagen verkaufen, wird warnend hingewiesen. Einzige Ausnahme ist ein Unternehmen. Und warum ist dieses Unternehmen, das Schuldverschreibungen verkauft und massiv Kleinanleger bewirbt, nicht auf der Warnliste?

Nun - man kann diese Unternehmensbeteiligung schlecht auf die Warnliste setzen, wenn man der Staat (= Förderer des Magazins) selbst in dieser Unternehmensbeteiligung massiv investiert ist....

Das ganze hat einen ganz üblen Beigeschmack, es riecht nach Kungelei, Seilschaften und den Verbraucherschutz- gedanken wie auch die GEmeinnützigkeit der Stiftung kann man durchaus mal hinterfragen.

rieksmeier

11.07.2011, 08:23 Uhr

Auch hier kann man nur auf die STiftung Warentest verweisen: http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/Carpediem-Riskantes-Investment-4192501-4192503/

CarpeCanem

11.07.2011, 12:15 Uhr

Ich persönlich finde, CIS-Anleger haben einen enormen Gegenwert erhalten: als Mussolini-Imitator bietet der Mann doch jede Menge Unterhaltungswert für sein Geld. Dazu in perfektem Outfit und einer Rhetorik, wie wir sie zuletzt vor 70 Jahren in Deutschland erleben durften. Das muss einem schon etwas Wert sein. Statt meine Existenz künstlich durch bungeejumping, freeclimbing etc. aufs Spiel zu setzen geb ich meine Rücklagen einfach bei Hr. Shahin ab 8-))

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