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24.05.2011

13:43 Uhr

Finanzvorstand Achleitner

Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland

VonPaul Achleitner

Wie kann Griechenland gerettet werden? Der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz, Paul Achleitner, schlägt in einem Gastbeitrag eine Art Schuldenversicherung für Krisenländer vor.

Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz, macht in Bezug auf Griechenland einen Vorschlag. Quelle: picture alliance/dpa

Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz, macht in Bezug auf Griechenland einen Vorschlag.

Die Herabstufung der Kreditqualität Griechenlands, Gerüchte über einen Euro-Austritt sowie die Diskussion über den nächsten Notkredit zeigen, dass das Thema Staatsschulden in der Euro-Zone noch nicht gelöst ist. Eine Staatsanleihenversicherung würde helfen und wird zu Unrecht kaum diskutiert.

Griechenland und andere Staaten haben über Jahre ein "Geschäftsmodell" betrieben, das auf billige Kredite setzte. Seit der Krise 2008 sind diese nicht mehr erhältlich. Der entstandene Liquiditätsengpass wurde von den Euro-Regierungen durch eine Notfallkreditlinie verantwortungsvoll gemildert. Die fehlende Liquidität ist aber nur ein Symptom des Solvenzproblems Griechenlands: Mit dem alten Geschäftsmodell kann es die wachsende Schuldenlast nicht mehr bedienen.

Die Kapitalmärkte erwarten, dass diese Überschuldung nach amerikanischem Muster durch einen radikalen Schuldenerlass gelöst wird. Trotz der vielen Dementis wird ein sogenannter "Hair-Cut" von 40 bis 60 Prozent erwartet. Es überrascht nicht, dass unter diesen Bedingungen kein privates Kapital nach Griechenland fließt. Der Liquiditätsnottopf der EU droht zur einzigen Finanzierungsquelle für Griechenland & Co zu werden. Weil das so nicht gedacht war, erhebt sich vermehrt politischer Widerstand.

Die Alternative zum "Hair-Cut" ist der sogenannte "Work-out". Der entspricht der europäischen Tradition, den in Schwierigkeiten steckenden Kreditnehmer weiter zu finanzieren, unter strikten Auflagen, das Geschäftsmodell anzupassen, um eine Genesung zu ermöglichen. Europäische Regierungen und Zentralbanken sowie viele Kreditgeber bevorzugen aus guten Gründen diese Lösung. Ein großzügiger Verzicht auf die Rückzahlung griechischer Schulden erzwänge eine große Neukapitalisierung des europäischen Bankensystems. Weil diese aber in großem Ausmaß auf die Steuerzahler zurückfiele, wäre ein Schuldenerlass kaum vermittelbar. Eine weitere Gefahr ist, dass andere hochverschuldete Staaten der Versuchung erliegen, sich auf ähnliche Weise zu entlasten. Allein derartige Vermutungen würden Investoren verunsichern und zu zusätzlichen Risikoprämien zwingen. Es droht eine Kettenreaktion mit Auswirkungen wie bei der Lehman-Pleite.
Zum Gelingen des "Work-out" bedarf es aber einer längerfristigen Finanzierung zu Konditionen, die das Schuldenproblem nicht verschärfen. Selbst der großzügig bemessene 500-Mrd.-Euro-Rettungsschirm ESM wird als einzige Finanzierungsquelle nicht ausreichen, da schon jetzt klar ist, dass Griechenland & Co die über Jahrzehnte aufgebauten Strukturdefizite nicht in ein bis zwei Jahren beheben können.

Kommentare (7)

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SeriousSam

24.05.2011, 16:52 Uhr

Ein Schelm, wer Eigeninteresse der Allianz vermutet... Wer haftet letzlich für das Risiko dieses ach so praktischen Rückversicherers ESIM? Genau: die Steuerzahler. Wie immer drängt auch mti diesem Vorschlag die Finanzindustrie darauf, Gewinne zu privatisieren und/oder zu sichern, und Risiken und Verluste zu sozialisieren. Herr Achleitner, ich halte das für erbärmlich.

Logo23

24.05.2011, 17:54 Uhr

Damit kann man nichts anfangen, solange die Höhe der Versicherungsprämie nicht bekannt ist !

Account gelöscht!

24.05.2011, 18:20 Uhr

So eine Art AIG für die Euroländer,
aber diesmal mit einer Jahre im voraus angekündigten Pleite. Denn wer jetzt noch nicht mal die Zinsen bezahlen kann, wird auch keine ernst zu nehmenden Beiträge zahlen können.

Wer wohl wieder Versicherer (Bürge(r) für die Versicherung werden wird ?

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