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02.07.2013

17:44 Uhr

Flut-Katastrophe

Hochwasser kostet Versicherer fast zwei Milliarden Euro

Das Hochwasser ist in Deutschland wieder zurückgegangen. Jetzt werden die Schäden in ihrem ganzen Ausmaß sichtbar: Es wird teuer – auch für die Versicherungen. Die Schadensfälle überschreiten die der Elbeflut 2002.

Teure Überflutung: Nach dem Hochwasser im Juni zählt die Versicherungsbranche rund 180.000 versicherte Schäden. dpa

Teure Überflutung: Nach dem Hochwasser im Juni zählt die Versicherungsbranche rund 180.000 versicherte Schäden.

BerlinDas extreme Hochwasser im Juni wird die Versicherungen in Deutschland fast zwei Milliarden Euro kosten. Die Branche zählte rund 180.000 versicherte Schäden, wie der Branchenverband GDV am Dienstag in Berlin mitteilte. Davon unabhängig können deutsche Bauern in diesem und im nächsten Jahr mit insgesamt bis zu 600 Millionen Euro an Nothilfen rechnen. Die EU-Kommission genehmigte die geplante staatliche Unterstützung, die je zur Hälfte vom Bund und den Länder kommt.

In der Versicherungssumme enthalten sind alle Schäden an Gebäuden, Hausrat, in Gewerbebetrieben und an Fahrzeugen. Die nicht versicherten Schäden etwa durch zerstörten Straßen dürften weitaus höher liegen. Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche einen Hilfsfonds im Höhe von acht Milliarden Euro beschlossen.

Die Elementarversicherung für die Landwirtschaft habe bei den Assekuranzen kaum zu Buche geschlagen, weil sie erst Anfang dieses Jahres eingeführt worden sei, sagte eine GDV-Sprecherin. Die Schadenshöhe der Versicherungen liegt etwa auf dem Niveau der Elbeflut des Jahres 2002. Damals zählten die Versicherungen 150 000 Schadensfälle in Höhe von zusammen 1,8 Milliarden Euro.

„Nach aktuellem Stand gibt es dieses Mal mehr versicherte Schäden, auch weil die Menschen nach der Elbeflut 2002 verstärkt ihre Häuser gegen Überschwemmung versichert haben“, erklärte GDV-Präsident Alexander Erdland. Inzwischen seien 32 Prozent der Gebäude in Deutschland gegen Naturgefahren versichert, 2002 seien es lediglich 19 Prozent gewesen.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

Das Schadenvolumen sei aber nicht in gleichem Maße wie die Schadenzahl gestiegen. Dazu hätten staatliche, aber auch individuelle Schutzmaßnahmen beigetragen. „Viele Betroffene waren besser auf die Katastrophe vorbereitet als 2002“, sagte Erdland. Durch Starkregen seien beim diesjährigen Hochwasser viele Schäden weitab großer Flüsse entstanden.

Nach der Genehmigung durch die EU könnten die Bundesländer „unverzüglich mit der Auszahlung der Mittel beginnen“, erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Dass die ganze Summe ausgeschöpft wird, ist nach Angaben des Ministeriums unwahrscheinlich. Bisher sind den Angaben zufolge 120 Millionen Euro an Soforthilfen eingeplant.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Hannes

02.07.2013, 18:20 Uhr

Wie lächerlich ist das denn?
Zitat: "Die EU-Kommission genehmigte die geplante staatliche Unterstützung, die je zur Hälfte vom Bund und den Länder kommt."

Deutsche Bürger und Steuerzahler saufen ab und verlieren Einkommen, Hab und Gut; unsere Politschranzen wollen Wahlkampf betreiben und geben sich großzügig. Und die EU-Kommission "genehmigt"?
Ja sollen die armen Teufel die nichts mehr haben jetzt auch noch auf allen Vieren nach Brüssel kriechen und sich beim Herrscher bedanken? Ist deutsches Steuergeld nicht dafür da, damit deutschen Bürgern in einer solchen Notlage zügig geholfen wird?
Haben Merkel und Konsorten uns den schon total verschachert?
Dürfen wir den überhaupt noch irgendwas im eigenen Land?
Ich meine ausser Banken und Gesindel füttern und die Fresse halten?
Darf ich eigendlich noch selbst entscheiden, mit welcher Hand ich mir den A... wische?

Also mal ehrlich, erbärmlicher geht´s ja wohl kaum noch!

Mark

02.07.2013, 19:40 Uhr

Was hat dieses Experiment denn nun ergeben? Schaden bei Ernten, Bürgern oder Versicherungen, Gewinn durch Spekulation und Steigerung des Bruttosozialproduktes?

Treudoof

02.07.2013, 22:41 Uhr

Die Kosten der Überflutung sind, dank guter Leute und Investitionen in früheren Jahren... im Angesicht der möglichen Schäden minimal.
Selbst das Gejammer der fehlenden Geldbeträge, der bitteren Armut und des untergehenden Vaterlandes das von Hartz bis Hindukusch immer herhielt will nicht mehr in Fahrt kommen.
Vielleicht weil mittlerweise auch der Letzte Mohikaner mitbekam, dass diese Milliärdchen in Zypern nicht mal übers Wochenende reichen. So hat Europa hier zu Lande doch einen netten Nebeneffekt: Es relativiert die bisher weisen Worte unserer Staatenlenker ein wenig sehr.

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