Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.12.2011

10:31 Uhr

Fragwürdige Dienstreise

Wüstenrot droht nach Bordellaffäre mit Konsequenzen

VonMichael Detering, Sönke Iwersen

Die Bausparkasse Wüstenrot prüft die zweifelhafte Incentive-Reise nach Rio de Janeiro. Bis zu 20 Handelsvertreter sollen dort in einen einschlägigen Nachtclub eingekehrt sein. Es drohen personelle Konsequenzen.

Ausgerechnet die besten Mitarbeiter haben dem Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) einen schlüpfrigen Skandal eingebrockt. dpa

Ausgerechnet die besten Mitarbeiter haben dem Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) einen schlüpfrigen Skandal eingebrockt.

Frankfurt/DüsseldorfEine fragwürdige Reise von freien Handelsvertretern der Bausparkasse Wüstenrot nach Rio de Janeiro könnte harte Folgen haben. „Wir prüfen derzeit intensiv, ob einzelne Teilnehmer gegen unsere Verhaltensregeln oder Rechtsvorschriften verstoßen haben“, sagte Bernd Hertweck, Vorstand der Wüstenrot Bausparkasse AG. Gegebenenfalls werde man personelle Konsequenzen ziehen oder disziplinarische Maßnahmen ergreifen.

Bei einer Incentive-Reise für die besten freien Handelsvertreter von Wüstenrot im April vergangenen Jahres kehrten bis zu 20 Teilnehmer in einen Nachtclub in Rio ein, der als Kontakthof für käuflichen Sex dient. Mindestens drei Mitarbeiter, darunter Führungskräfte, nahmen sich Prostituierte mit aufs Zimmer. Das Handelsblatt hatte gestern ausführlich über den Fall berichtet.

Dass Wüstenrot nun schnell disziplinarische Schritte einleiten will, hält José A. Campos Nave, Leiter der Compliance-Abteilung der renommierten Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner für den richtigen Weg. „Es reicht nicht, Werte nur auf irgendein Papier zu schreiben. Sie müssen auch vorgelebt werden“, sagt der Anwalt. „Mit einem offen zur Schau getragenen Bordellbesuch könnten sich Führungskräfte erpressbar machen. Mit so einem Verhalten ist die Durchsetzung der Corporate Governance praktisch obsolet.“

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.12.2011, 11:19 Uhr

Durch das Bild konterkariert das Handelsblatt den scheinbar moralisch entrüsteten Unterton des Artikels. Es wird so vielmehr (genau wie bei Boulevard-Blättern) das genüssliche Auskosten des sexuell erregenden Momentes legitimiert, indem man es ja 'nur' schreibt/liest, weil man dieses Fehlverhalten ablehnt. Das gleiche Verfahren hat bspw. schon 1712 ein kleiner Quacksalber angewandt, der seine Werbung für masturbationsvorbeugende Mittelchen mit Softpornos versah.

Fred_Kirchheimer

13.12.2011, 11:24 Uhr

Und die künstliche Empörung wird weiter am Köcheln gehalten.
Welchen Informationsgehalt soll die Info haben, daß man nun eine Prüfung vornimmt, außer vielleicht daß man den Namen einer Wirtschaftskanzlei in das Spiel bringt, quasi als Produktplatzierung? Das ist doch zunächst nur eine unverbindliche Ankündigung von Wüstenrot. Wohl wissentlich, daß Medienleute sehr schnell die Lust an einem Thema verlieren und bald die nächste Sau durchs Dorf treiben werden, hat Wüstenrot das Richtige gemacht und sich erst einmal die Zecken abgeschüttelt.
Bin ja mal gespannt, wann das Ergebnis der Untersuchung vorliegt, die ja - den Willen vorausgesetzt - eigentlich nur ein paar Stunden dauern kann: Das Regelwerk liegen doch vor, oder? Tja und dann muß das eben mit den fürchterlichen Taten abgeglichen werden. Und schwupp kann man den Galgen aufstellen auf das der Pöbel sich ergötzen kann.
Lassen wir uns mal überraschen. Ich wette, daß da nichts mehr bei rumkommt - wie gesagt, die Pressleute haben einen kurzen Atem und die Energie wir zur Zeit gerne in das Projekt zu Guttenberg gesteckt. Dort wird man nicht müde, ihm zu unterstellen, daß er in die dt. Politik zurück will, obwohl es von ihm keine einzige Aussage dergestalt gibt.

Fred_Kichheimer

13.12.2011, 11:36 Uhr

Politeia, vielleicht bekommt die Sache ja noch eine unerwartete Wendung, wenn denn mal herauskommt, unter welchen Umständen das rote Bild entstanden ist. Offensichtlich war da jemand von der dpa in einer schwülen Umgebung. War er geschäftlich dort oder hat er einen Privatbesuch anschließend auf Spesen abgerechent, weil er ja angeblich recherchiert hat. Um gerade auch die Sprache der dpa aufzunehmen, müßte die Überschrift dementsprechend lauten: "Geiler Journalist setzt Bordellbesuch von der Steuer ab".
Tja, so eine Überschrift werden wir nie lesen, denn die Branche sieht sich ja über alles und jeden erhaben. Sie sehen sich quasi über dem Gesetz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×