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02.11.2011

13:17 Uhr

G-20

Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister

Versicherungskonzerne warnen vor mehr Regulierung und wollen nicht mit Banken in einen Topf geworfen werden. In einem offenen Brief an die G-20-Staaten kritisieren sie die lockere Geldpolitik. Was die Branche fordert.

Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard: Unterzeichner des Brandbriefs. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard: Unterzeichner des Brandbriefs.

Die großen Versicherer haben einen Brandbrief an die Finanzminister der G-20-Staaten verfasst. Sie warnen darin vor allem davor, dass die Branche weltweit mit den Banken in einen Topf geworfen wird. Verfasst hat das Schreiben die Interessenorganisation Geneva Association (GA), in der rund 80 große, weltweit tätige Versicherungskonzerne vertreten sind.

Unterschrieben wurde es von dem Vorstandsvorsitzenden des Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, der Präsident der Organisation mit Sitz in Genf ist.

Der offene Brief hebt in erster Linie den möglichen Schaden hervor, der verursacht werden könnte, wenn die Regulierung für Banken auf die Versicherungsbranche übertragen würde. Begrüßt wird dagegen, dass in der Debatte um systemrelevante Finanzinstitute, sogenannte Sifi, nun zwischen Banken und Versicherern unterschieden werde.

Die Versicherer bitten allerdings darum, sehr sorgfältig die Folgen zu erwägen, wenn ein Unternehmen als möglicherweise systemrelevant identifiziert werde

Gefordert wird in dem Brief zudem, dass die Politik verschiedene Aufsichtsebenen sorgfältiger unterscheide. So sei es wichtig, die Detailkenntnisse von lokalen Aufsichtsbehörden über Versicherer anzuerkennen und zu berücksichtigen.

Als vierten Punkt heben die Versicherer die „extrem lockere Geldpolitik“ hervor. Sie warnen vor den negativen Folgen der anhaltenden Niedrigzinspolitik auf die Branche. Dadurch würde eine wesentliche Ertragssäule der Versicherer, die Erträge aus Kapitalanlagen, langsam aber sicher verringert. In dem Brief wird dafür der Begriff „erodieren“ gebraucht.

So bedeute eine Verringerung des Zinsniveaus um einen Prozentpunkt, dass die Erträge aus den Kapitalanlagen in der Branche weltweit um 226 Milliarden Dollar im Jahr sinken würden.

Ein Sprecher der Allianz erklärte auf Anfrage, man stehe inhaltlich voll hinter den Aussagen. Die Allianz ist Mitglied in der Geneva Association.

Mit ihrem Appell richtet sich die Branche an die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Sie bilden den Kreis der so genannten G20. An diesem Donnerstag und Freitag treffen sie sich in Cannes. Auf der Tagesordnung stehen die Reform des Währungssystems sowie schärfere Kapitalvorgaben für internationale Großbanken.

Kommentare (6)

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brain

02.11.2011, 16:10 Uhr

Beim Gewinnen sind stets alle dabei.
Eine vernünftige Risikoabschätzung indes sieht anders aus, als jetzt Finanzminister anzuposten, weil man nicht aufgepaßt hatte.
Versicherungen?
Vor Dummheit?
Nicht, daß das nicht längst schon gesagt wurde.
Es wurde gesagt.
Danach wurde gefeuert.
Froh sein kann man darüber nicht.

Account gelöscht!

02.11.2011, 16:26 Uhr

Fahrt das System doch einfach ganz runter und startet es neu, dieses mal aber bitte mit deutlich höherer Eigenkapitalquote bei den Banken und Versicherern!!!!

Der Schnitt muss bald geschehen. Besser friedlich runterfahren, als ein Megacrash mit turbulenten Straßenschlachten!

Mein BWL-Prof an der Uni, sieht dies genauso!!

Account gelöscht!

02.11.2011, 18:02 Uhr

Erst einmal muss die Pflicht zum Kauf von Staatsanleihen bzw. deren AAA-Bewertung abgeschafft werden. Aber das will natürlich kein Politiker, weil es seine Kreditfinanzierung und damit auch die Verschwendung stark einschränken würde. Und künstlich unrealistisch niedrig gehaltene Leitzinsen helfen zwar den Staaten, haben aber fatale Folgen ink. Blasenbildung. Die Versicherungen haben da wohl was begriffen ...

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