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03.08.2012

07:39 Uhr

Gefährliche Zentralbanken

Versicherer im Niedrigzins-Stress

VonMichael Detering

Die Niedrigzinsen der Zentralbanken setzt die Versicherungskonzerne unter Druck. Ihr Geschäft mit Lebensversicherungen droht unterzugehen. Denn die hohen Renditeversprechen an ihre Kunden können sie kaum noch einhalten.

Die Allianz-Verwaltung in Köln. dpa

Die Allianz-Verwaltung in Köln.

FrankfurtFür viele Versicherungskonzerne ist es immer noch das Hauptgeschäft: der Verkauf von Lebensversicherungen. Über 90 Millionen Policen haben die Deutschen abgeschlossen. Doch nun wird etwas zur Gefahr, was Banken und Staaten retten soll: die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Das Geschäft mit Lebensversicherungen wird dadurch allmählich unattraktiv. "Die Versicherer werden das Geschäft schrittweise zurückfahren müssen", prophezeit Fabrizio Croce, Versicherungsanalyst bei Kepler Capital Markets.

Ganz so düster sehen es Branchenvertreter noch nicht. Aber auch der Chef der Munich Re, Nikolaus von Bomhard, klagte unlängst, man könne nicht ewig mit den historisch niedrigen Zinsen leben: "Das stresst uns gewaltig." Der Rückversicherer verkauft über die Tochter Ergo Lebenspolicen.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Das Problem ist groß: Die Versicherer haben ihren Kunden hohe Renditeversprechen gemacht, erwirtschaften selbst aber nur noch wenig an den Kapitalmärkten. In den 1990er-Jahren versprach die Branche einen Garantiezins von jährlich vier Prozent - über die gesamte Vertragsdauer. Wer heute eine Police abschließt, erhält nur 1,75 Prozent. Über alle Kunden gerechnet liegt der Garantiezins aber immer noch bei 3,3 Prozent.

Die Versicherer investieren das Geld ihrer Kunden beispielsweise in Pfandbriefen, Staatsanleihen oder Immobilien. Der Mutterkonzern der Ergo, die Munich Re, erzielte damit bei der Neuanlage im ersten Quartal nur noch eine Rendite von 2,9 Prozent. Andere Versicherer erwirtschaften sogar nur noch 2,7 oder gar 2,5 Prozent, berichtet Analyst Croce. "Die Branche holt die Konditionen an den Kapitalmärkten nicht mehr raus", sagt der Experte. "Sie zahlt mit Mitteln aus der Vergangenheit."

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Noch haben die Konzerne Puffer: Die Versicherer haben einen Großteil des Geldes in langlaufende Papiere investiert und müssen daher nur einen kleinen Teil neu investieren. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Wertpapiere beträgt mehr als neun Jahre. Dank dieser Altanlagen liegt die Verzinsung der gesamten Kapitalanlagen immer noch bei 4,2 Prozent - also höher als der Garantiezins.

Kommentare (3)

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elsaesser

03.08.2012, 09:24 Uhr

Zeichen der Zeit
Die Banken und Versicherer die von den Zentralbanken mit Geld zum null Tarif bis höchstens 0.75% überschwemmt werden, finden keine bessere Lösung als das Geld mit Negativzins dem Staat zurückzuverleihen.
Sie legen dieses Geld nicht in Aktien,Fonds,Derivate...an, Finanzprodukte die sie aber mit grossem Werberummel dem Normalenkleinanleger andrehen wollen.
Sie drehen auch den Hahn zu bei der Kreditvergabe an die Unternehmen :haben aber die Verfrorenheit in Zeitungsartikel den Kleinbürgern zu raten ihr Vertrauen in die Wirtschaft zu erhalten.
Das Zeichen ist klar : das System ist faul.
Mein Rat : gehe nie in ein Restaurant in dem der Koch nicht selber isst was er dem Gast serviert.Weck von den faulen Produkte die uns von Lebensversicherer in den Finanztod führen.

Mazi

13.08.2012, 21:54 Uhr

Das Kind hat einen Namen: Draghi

Er ist es der die Südstaaten unterstützt, koste es was es wolle und hier bei uns bisher gesunde Unternehmen kaputt macht.

Es ist an der Zeit, dass unsere Regierung sich den Herrn einmal vorknöpft und ihm zu verstehen gibt, dass er sich an die getroffenen vertraglichen Regelungen zu halten hat. Nur diesen hat die Bundesregierung zugestimmt. Der Rest ist sein eigenes Risiko, dafür muss er haften.

Account gelöscht!

28.09.2012, 10:12 Uhr

Mein Kommentar zu dem parallel laufenden Artikel des Herrn Stock:

Kleiner Unterschied:

Kundeneinlagen bei Banken werden entweder wieder als Kredite an die Wirtschaft (Unternehmen, Private, Konsumenten) ausgeliehen oder wandern in den Handelssaal, wo die Bank auf eigene Rechnung zockt. Beides ist risikobehaftet, eventuelle Gewinne aus dem Handelssaal oder dem Investmentbanking werden dem Kunden jedoch vorenthalten.

Kundeneinlagen bei Versicherungen werden langfristig und möglichst sicher, jedoch mit Ertrag angelegt, in der Strategie etwa einem Vermögensfond vergleichbar. Und da diese Struktur nun einmal schon da ist (Pimco/Allianz), nimmt sie auch Kundeneinlagen entgegen, denen kein Versicherungsvertrag gegenübersteht. Da dieses zweite Bein nicht den staatlichen Auflagen des Versicherungsgeschäfts unterliegt, ist es natürlich ertragreicher und gräbt langfristig dem (Lebens-)Versicherungsgeschäft das Wasser ab.

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