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12.07.2017

19:00 Uhr

Generali Leben

Generali prüft angeblich Verkauf von deutscher Tochter

Generali soll Insidern zufolge die US-Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt haben, einen Verkauf der deutschen Tochter Generali Leben zu prüfen. Das Portfolio beinhaltet mehr als 44 Milliarden Euro Kapitalanlagen.

Der italienische Versicherungskonzern trennt sich vielleicht von seiner deutschen Tochter. dpa

Generali

Der italienische Versicherungskonzern trennt sich vielleicht von seiner deutschen Tochter.

Frankfurt/LondonIn Deutschland könnte Finanzkreisen zufolge bald der bislang größte Bestand an Lebensversicherungen auf den Markt kommen. Der italienische Versicherungskonzern Generali habe die US-Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt, alle Optionen für die deutsche Tochter Generali Leben zu prüfen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Mögliche Käufer für das Portfolio mit mehr als 44 Milliarden Euro Kapitalanlagen seien bereits angesprochen worden, berichteten Insider. Der Versicherer hatte das Neugeschäft mit traditionellen Lebensversicherungen mit langfristigen Garantien Ende 2015 eingestellt. In Generali Leben war vorher die traditionsreiche Volksfürsorge aufgegangen.

Eine Entscheidung zum Verkauf sei noch nicht gefallen, sagte einer der Insider. Ein Generali-Sprecher betonte, ein Verkauf bestimmter Portfolien in Deutschland sei nur eine von mehreren strategischen Möglichkeiten. „Dieser Prüfprozess läuft noch.“ Generali Leben sei von der Niedrigzinsphase stärker betroffen als die Schwestergesellschaften CosmosDirekt und AachenMünchener Leben. Man habe sich in den vergangenen beiden Jahren stark auf Kostensenkungen und Kapitalmanagement konzentriert. „Dadurch ist die Gesellschaft heute in einer sicheren und gesünderen Lage.“ Morgan Stanley wollte sich nicht dazu äußern.

Für Generali Leben dürften sich vor allem professionelle Abwickler wie Viridium, Frankfurter Leben und Athene interessieren. Der Verkauf geschlossener Bestände von Lebensversicherungen zur Abwicklung – im Fachjargon „Run-off“ genannt – gilt in Deutschland noch als Tabu, in Ländern wie Großbritannien ist er seit Jahren gang und gäbe. Bisher haben in Deutschland nur eine Handvoll zumeist kleiner Bestände den Besitzer gewechselt: Zuletzt ging die Arag Lebensversicherung an die Frankfurter Leben, hinter der die chinesische Fosun und die BHF-Bank stehen. Einige Versicherer – wie der Branchenriese Ergo – wickeln Bestände ohne Neugeschäft lieber selbst ab als sie zu verkaufen.

Lebensversicherer stehen angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen immer mehr unter Druck. Die Finanzaufsicht BaFin fordert hohe Rückstellungen für die langfristigen Zins-Garantien, die sie gegeben haben und die sich heute kaum noch erwirtschaften lassen. Die Abwicklungsfabriken setzen dagegen auf effiziente Bearbeitung und Größenvorteile. Die Bafin wacht darüber, dass die Kunden nicht schlechter gestellt werden.

Generali-Chef Philippe Donnet hatte schon im November 2016 erklärt, Generali Leben sei als Problem erkannt. Cosmos Leben und AachenMünchner Leben hatten sich schon früher auf fondsgebundene Lebensversicherungen und Risikolebensversicherungen konzentriert, weil diese kapitalschonender sind. Konzernweit machen klassische Garantiepolicen nur noch 30 Prozent des Prämienvolumens (APE) im Neugeschäft aus.

Von

rtr

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