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13.09.2011

11:33 Uhr

Gesundheitswesen

Untergangsstimmung in der privaten Krankenversicherung

VonThomas Schmitt

Rolf Bauer, Chef der Continentale, fordert von seinen Kollegen mehr Engagement für ein gutes Image der privaten Krankenversicherung. Gesundheitsminister Bahr stärkte der Branche den Rücken.

Rolf Bauer, Chef der Continentale Versicherung. PR

Rolf Bauer, Chef der Continentale Versicherung.

Der Continentale-Chef Rolf Bauer fordert mehr Transparenz von seinen Kollegen in der privaten Krankenversicherung (PKV). Nur so könne die Branche das Nebeneinander von Krankenkassen und privaten Anbietern sichern.

Aktuell sieht er die PKV durch die Debatte um eine Bürgerversicherung und eigene Versäumnisse im Abseits: Dies führe „zu einer schon fast düsteren Untergangsstimmung für das Segment der privaten Krankenversicherung“, sagte Bauer vor 1200 Beratern und Branchenspezialisten auf dem 11. Continentale PKV-Forum in Köln.

„Wir benötigen zur nachhaltigen Sicherung unseres Gesundheitssystems sowohl eine starke und gesunde gesetzliche Krankenversicherung (GKV) als auch eine ebenso aufgestellte PKV“, forderte Bauer, der mit der Continentale zu den zehn größten Anbietern von privaten Krankenversicherungen in Deutschland gehört. Insgesamt sind rund neun Millionen Menschen vollständig privat versichert, die gesetzlichen Krankenkassen schützen 70 Millionen Menschen.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) reagierte auf die Stimmung in der PKV und wollte die Branche beruhigen. Er sagte in Köln: "Wir brauchen Vielfalt im Gesundheitssystem, damit der Einzelne große Wahlfreiheit hat." Für das Verhältnis von GKV und PKV sprach er sich für „fairen Wettbewerb“ aus.

Im Sinne der PKV war auch Bahrs Credo für die Reform der Pflegeversicherung: "Wir brauchen eine starke Säule der kapitalgedeckten Pflegeversicherung." So wird auch die PKV finanziert, in der GKV gilt dagegen ein Umlagesystem. Ideal wäre aus Sicht von Bahr, wenn die neue Pflegeversicherung "nicht auf eine freiwillige Lösung setzen" würde, sondern obligatorisch würde. Dies wolle die Regierung, weil die Menschen das Pflegerisiko unterschätzten.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

13.09.2011, 14:30 Uhr

Wen sollte es wundern, wenn sich in der PKV auf breiter Front Untergangstimmung verbreitet.
Seit Jahren liegt toppt die stetig ansteigende Preisspirale der Beiträge, in prozentualer Hinsicht, die Beitragsanpassungen bei den gesetzlichen Kassen erheblich.
Dann kommt auch noch obendrein hinzu, dass die privaten Krankenversicherungen, wobei ich hier in erster Linie von meinen eigenen Erfahrungen mit der Central bei der ich vollversichert bin schreibe, bei den Zahlungen der ausgelegten Rechnungen immer öfter Ablehnungen aussprechen, bzw. zusätzliche ärztliche Atteste einfordern (die selbst zu bezahlen sind!) hinsichtlich einer medizinisch als notwendig erachteten Relevanz zu den Verordnungen; Teils zu Verordnungen die ich über Jahre zuvor stets ohne Beanstandungen erstattet bekam. Auch werden die Zeitspannen bis zur Leistung der Erstattung fortwährend ausgedehnt.
Desweiteren, um eine Zusage der Kostenübernahme zu einer medizinisch indizierten und fachärztlich verordneten, stationären Behandlung in einer akkreditierten Klinik zu erhalten, bedurfte es dreier Anläufe über einen Zeitraum von mehr als 4 Monaten bis zur Bewilligung.
Ein versichertes Krankentagegeld wurde zunächst, nach Vorlage diverser Fragebögen und Dokumente ordnungsgemäß ausgezahlt, nach ca. einem Jahr ununterbrochener Krankheitsdauer aber eingestellt und wird mir seitdem vorenthalten, mit dem Vorwand, ich hätte noch nicht alle Unterlagen eingereicht. Inzwischen fordert die Versicherung gar eine BWA der GmbH für die ich tätig bin und den zugrunde liegenden Gesellschaftsvertrag, da ich, neben meinem Betätigungsfeld in der Gesellschaft, auch Gesellschafter dort bin. Unterlagen, die ein Jahr zuvor nie ein Thema waren, deren Vorlage nie verlangt und auch die ordnungsgemäße Leistung des versicherte Tagegeldes "damals" noch nicht behinderte.
Hallo?! Was verlangt die Central wohl als Nächstes!? Vielleicht die Bescheinigung meiner Religionszugehörigkeit, einen Nachweis meiner politischen Gesinnung?!!

And

14.09.2011, 09:00 Uhr

Ich selbst bin auch privat versichert. Zum Teil verstehe ich die Diskussionen, da es wirklich sehr schwer sein kann sich im Dschungel der ganzen Verträge zu Recht zu finden. Leider besteht aber auch sehr viel Unwissen und gefährliches Halbwissen. Meine Familie und ich haben uns sehr lange mit den Themen beschäftigt und ich bin wie meine Familie seit zig Jahren Central versichert.

1. Preisspirale: Ja. Das ist wirklich eine bescheidene Entwicklung, die da stattfindet und wenn es weiter so geht ist der Beitragsvorteil zur GKV dahin. Hier erwarte ich mehr Transparenz warum und wieso und nicht immer Vertröstungen der Vertreter der Central.
2. Ablehnungen von bisher immer genehmigten Leistungen sind mir völlig neu. Wir haben solche Erfahrungen nicht gemacht. Ganz im Gegenteil - die Central hat bei uns viele Dinge bezahlt, die sie nicht zahlen müsste laut Vertrag. Aber natürlich waren wir da auch immer hartnäckig bei der Leistungsabteilung, wo man ja anrufen kann. Also da war bisher viel Kulanz gegeben.

3. Krankentagegeld. Da fehlt wahrscheinlich ein Vergleich zu anderen PKV-Unternehmen total. Die Central hat meiner Meinung nach bisher viel zu leicht das Geld ausgezahlt ohne große Nachweise oder so. Das haben sicher sehr viele ausgenutzt und die Ordentlichen bezahlen das mit Preiserhöhungen. Es ist völlig normal das ein Nachweis über die Höhe des Einkommens einzureichen ist und zwar bei fast allen PKV-Unternehmen. Sonst kann ich mich ja z.B. mit 1.000€ Einkommen nicht im Krankheitsfall mit 4.000€ besser stellen. Da wäre ich dann auch öfters krank (;

4. Was wird als nächstes benötigt? Also Religion nicht, aber ich weis, dass neuerdings auch die Zahlungsmoral geprüft wird um Nichtzahler abzuhalten. Also es geht weiter (-:

Account gelöscht!

14.09.2011, 15:19 Uhr

Ich habe volles Verständnis dafür, dass eine Versicherung notwendige Prüfungen vornimmt, um eventuellen Missbrauch zu konterkarieren. Dies ist jedoch in meinem Falle unzutreffend. Im Übrigen hatte ich ja schließlich auch schon vor Beginn der Tagegeldleistung die seinerzeit geforderten Unterlagen ordnungsgemäß eingereicht - nebenbei bemerkt sogar unter Mithilfe und über den Tisch meines Kundenbetreuers - was dann ja auch zur ordentlichen Leistung führte; wenigstens ein Jahr lang.
Was sollte in der Zwischenzeit - bei mir und an meiner Situation - wohl in der Zeit ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit (einkommenstechnisch betrachtet) da neues passiert sein?!
Jedenfalls waren diese Informationen/Unterlagen plötzlich bei der Central irgendwie nicht (mehr!) vorhanden und wurden erneut nachdrücklich verlangt. Als ich dem nachgekommen war, Dank meiner Kopien kein Problem, uferte Angelegenheit durch die Forderung nach immer noch mehr Unterlagen erheblich aus.
Da kann man doch schon fast dran fühlen, dass da etwas mächtig faul sein muss, in der Zentrale der Central!

Zu meiner Zahlungsmoral, ich bin über 20 Jahre bei der Central versichert und habe stets pünktlich meine (inzwischen erheblichen!) Beiträge geleistet :))

Anrufe und Schreiben meinerseits waren leider völlig fruchtlos und wurden allenfalls mit weiteren stereotypen Anforderungen der - nachweislich längst vorgelegten/vorliegenden - Informationen beschieden!

Central? Besser nich! Das Ranking der, gar heftig im TV Beworbenen, im "Focus-online" spricht zudem Bände...

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