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30.07.2015

12:48 Uhr

Gewinn steigt nur leicht

Sachschäden machen Swiss Re zu schaffen

Von Naturkatastrophen bleibt die Swiss Re zwar weitestgehend verschont. Doch von Menschen verursachte Sachschäden sorgen für hohe Kosten. Der Gewinn steigt deswegen nur leicht. Die Aktionäre reagieren enttäuscht.

Hohe Kosten bei Sachschäden bremsen den Schweizer Rückversicherer Swiss Re aus. Reuters

Swiss-Re-Zentrale in Zürich

Hohe Kosten bei Sachschäden bremsen den Schweizer Rückversicherer Swiss Re aus.

ZürichDer Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat mit einem unerwartet schwachen Abschneiden der größten Geschäftssparte Schadenversicherung enttäuscht. Zwar verdiente die Nummer zwei der Branche nach der Münchener Rück im Zeitraum April bis Juni unter dem Strich mit 820 Millionen Dollar etwas mehr als ein Jahr zuvor, wie Swiss Re am Donnerstag mitteilte. Doch die Sachversicherung arbeitete nur dank der Auflösung nicht mehr benötigter Schadenreserven rentabel.

Teure Naturkatastrophen blieben im zweiten Quartal zwar aus, doch von Menschen verursachte Schäden kamen den Konzern aus Zürich teuer zu stehen. Desaster wie der Brand auf einer Ölplattform oder ein Sattelitenabsturz kostete Swiss Re mehr als 300 Millionen Dollar. Zudem kämpft das Sachversicherungsgeschäft mit Preisrückgängen und es fielen höhere Steuern an. Der Spartengewinn sank um fast ein Fünftel auf 453 Millionen Dollar.

Die Anleger reagierten verschnupft, die Swiss-Re-Aktien waren mit einem Kursabschlag von drei Prozent der größte Verlierer unter den europäischen Versicherungswerten. Analysten monierten neben den hohen durch Menschen verursachte Schäden auch höhere Kosten. Der Konzern musste mehr Geld ausgeben, um Rückversicherungsverträge abzuschließen.

Der Geschäftsausblick ist verhalten. „Zweifellos sind die aktuellen Marktbedingungen schwierig“, erklärte Swiss-Re-Chef Michel Lies. Vor allem in der Katastrophenversicherung kämpfen die großen Rückversicherer mit Konkurrenz durch branchenfremde Anbieter. Hedge- und Pensionsfonds sind angesichts der niedrigen Zinsen auf der Suche nach Rendite sind in das Geschäft eingestiegen, was auf die Preise drückt.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Swiss Re forciert deshalb das Geschäft mit maßgeschneiderten Versicherungslösungen für große Kunden. Die vergleichsweise kleine Sparte Corporate Solutions schnitt mit 72 Millionen Dollar Gewinn deutlich besser ab als vor einem Jahr. Bei den Vertragserneuerungen im Juli in Amerika, Australien und Neuseeland, die rund ein Fünftel des Prämienvolumens in der Sachversicherung betreffen, konnte der Konzern das Prämienvolumen dank der Ausrichtung auf Großtransaktionen und Schlüsselkunden um 31 Prozent steigern. Zudem trägt die Neuausrichtung des Lebensversicherungsgeschäfts Früchte, der Gewinn verfünffachte sich nahezu auf 218 Millionen Dollar. Swiss Re trimmt die Sparte auf mehr Rentabilität, etwa indem wenig rentable Verträge und Geschäfte abgestoßen wurden. Konzernweit lagen die Prämieneinnahmen im zweiten Quartal mit 7,1 Milliarden Dollar um sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Swiss Re sieht sich weiterhin auf Kurs zu seinen Finanzzielen. Unter anderem strebt der Rückversicherer im Schnitt einen Gewinnanstieg je Aktie von zehn Prozent an. Die Eigenkapitalverzinsung soll 700 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz liegen. Ab kommendem Jahr gelten dann neue Vorgaben.

Von

rtr

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