Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2013

14:32 Uhr

Gewinneinbruch

AWD-Abschreibung belastet Swiss Life

Abschreibungen in Millionenhöhe auf die Finanzmakler-Tochter AWD haben den Gewinn von Swiss Life um 85 Prozent einbrechen lassen. Der Lebensversicherer Swiss Life hält die Dividende trotzdem stabil.

Swiss Life-Chef Bruno Pfister. Der Lebensversicherer hat einen Gewinneinbruch erlitten. ap

Swiss Life-Chef Bruno Pfister. Der Lebensversicherer hat einen Gewinneinbruch erlitten.

ZürichDer Lebensversicherer Swiss Life schließt mit einer millionenschweren Wertberichtigung das unrühmliche Kapitel AWD ab und blickt wieder optimistisch in die Zukunft. "In diesem Jahr beginnt für Swiss Life eine neue Zeitrechnung", sagte Konzernchef Bruno Pfister am Mittwoch bei der Bilanzvorlage 2012. „Die operativen Fortschritte sind ein Beweis für die Schlagkraft unseres Unternehmens.“

Der Befreiungsschlag kommt teuer und ließ den Gewinn des größten reinen Lebensversicherers der Schweiz im vergangenen Jahr auf 93 Millionen Franken zusammenschmelzen. 2011 standen unter dem Strich noch 606 Millionen Franken. Trotzdem sollen die Aktionäre, wie bereits im November angekündigt, 4,50 Franken Dividende je Aktie erhalten - gleich viel wie im Vorjahr.

Der Zürcher Konzern schrieb 578 Millionen Franken (474 Millionen Euro) auf den Unternehmenswert von AWD ab. Bis April verschwindet der Firmenname. AWD sei eine Enttäuschung, gab Pfister, der damals als Finanzchef an der Akquisition beteiligt war, zu. Eine weitere Wertberichtigung hält er für sehr unwahrscheinlich.

Tops und Flops: Die 15 größten Lebensversicherungen

Vertragsveränderungen

So viele Verträge kamen bei den größten Lebensversicherern hinzu oder fielen weg: Entwicklung der Anzahl der Hauptversicherungen im vergangenen Jahr
Quelle: Map-Report 811-813, Versicherungsjournal

Gewinner: Platz 1 bis 3

R+V – plus 68.540 Verträge
Allianz – plus 66.245 Verträge
Debeka – plus 65.507 Verträge

Sparkassenversicherer im vorderen Mittelfeld: Platz 4 bis 6

Bayern-Versicherung – plus 17.080 Verträge

SV Sparkassenversicherung – minus 3.309 Verträge
Provinzial Nordwest – minus 17.496 Verträge

Starke Verluste: Platz 7 bis 11

Nürnberger – minus 37.104 Verträge
HDI-Gerling – minus 49.343 Verträge
Iduna – minus 45.466 Verträge
Axa – minus 57.567 Verträge
Zurich Deutscher Herold – minus 58.400 Verträge

Sehr schwach: Platz 12 bis 14

Aachen Münchener (Generali) – minus 72.376 Verträge
Württembergische – minus 76.921 Verträge
Generali – minus 95.103 Verträge

Letzter Platz

Unter den Top-15 Lebensversicherern genauso wie unter den insgesamt betrachteten 88 Unternehmen der Branche

Ergo – minus 170.940 Verträge

Erste Zweifel am Wert von AWD waren bereits Anfang 2010 aufgetaucht - knapp eineinhalb Jahre, nachdem der deutsche Investor Carsten Maschmeyer sein Lebenswerk für 1,2 Milliarden Euro an die Schweizer veräußert hatte. Der Finanzdienstleister aus Hannover erfüllte die hohen Erwartungen nie und ist in Deutschland und Österreich in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, die Swiss Life viel Geld kosten. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz von AWD um 13 Prozent auf 561 Millionen Euro und ist damit weit von der einen Milliarde entfernt, die Swiss Life bei der Übernahme angepeilt hatte.

Als Folge des AWD-Debakels im November legte Swiss Life ein neues Sparprogramm auf. Bis zu 400 Stellen werden gestrichen, der Großteil davon in Deutschland. Die Kosten sollen bis 2015 um bis zu 160 Millionen Franken sinken.

Der Heimmarkt rettet

Die Prämieneinnahmen gingen bei Swiss Life im vergangenen Jahr leicht auf 17,05 Milliarden Franken zurück. Gewachsen ist der Konzern nur im Heimmarkt Schweiz, der knapp die Hälfte des Geschäfts ausmacht. Im zweitgrößten Markt Frankreich sowie in Deutschland gingen die Einnahmen zurück, auch das Geschäft mit steuerbegünstigten Lebensversicherungen war rückläufig.

Unter Ausschluss von Sonderposten arbeitete Swiss Life rentabler. Der Reingewinn stieg so gerechnet um 22 Prozent auf 681 Millionen Franken. Swiss Life verdiente, wie andere Branchenvertreter auch, gut an den Finanzmärkten. Der Konzern hat sich eine bereinigte Eigenkapitalverzinsung von acht bis zehn Prozent auf die Fahnen geschrieben. 2012 waren es 8,6 Prozent.

Gewinneinbruch: Swiss Life schreibt AWD ab

Gewinneinbruch

Swiss Life schreibt AWD ab

Swiss Life trennt sich von dem Markennamen AWD. Der Schweizer Versicherer schreibt zudem fast eine halbe Milliarde Euro auf die von Carsten Maschmeyer gekaufte Tochter ab. Der nennt den Schritt „ logisch und konsequent“.

Die Anleger reagierten erleichtert auf den Abschluss und das Ausbleiben weiterer Hiobsbotschaften. Die Swiss Life-Aktien schnellten um sieben Prozent auf 149,50 Franken nach oben und setzten sich damit an die Spitze der europäischen Versicherungswerte. Lasse man AWD beiseite, glänzte der Konzern bei Gewinn und Eigenmitteln, erklärte ZKB-Analyst Georg Marti, der den Buchwert je Aktie mit 319 Franken veranschlagt - mehr als doppelt so hoch wie den aktuelle Kurs.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.03.2013, 07:06 Uhr

Tut mir sehr leid für ein ansonsten so solides Unternehmen wie SwissLife ...

... ist aber auch die logische Konsequenz wenn man sich vor lauter Gier nach Umsatz mit dubiosen Finanzvertrieben und deren höchst dolosen Vertriebspraktiken einlässt.

Gier frisst Hirn, ob in den »vielgerühmten« USA, hier in Deutschland oder halt auch bei den Eidgenossen.

Schön wenn man im Ländle der guten alten Toblerone das Problem endlich erkannt hat.
_____________________________
Ihr Versicherungsmaklerbureau

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×