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24.02.2012

01:08 Uhr

Gewinnsteigerung

AIG erhebt sich aus der Asche

Nur mit Staatsgeld konnte der US-Versicherer AIG die Pleite abwenden. Jetzt beschert der Staat dem Unternehmen erneut einen Geldregen: Steuervergünstigungen sorgen dafür, dass der Gewinn bei AIG kräftig zugelegt hat.

Steuereffekte bringen AIG unterm Strich Traumgewinne ein. dpa

Steuereffekte bringen AIG unterm Strich Traumgewinne ein.

New YorkDer vom Staat gerettete US-Versicherer AIG hat dank Steuervergünstigungen seinen Gewinn im vierten Quartal deutlich gesteigert. So kommt der schwer von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogene Versicherungsriese langsam wieder auf die Beine.

Wegen der gigantischen Verluste, die der Allianz-Rivale in der Finanzkrise an den Rand des Ruins brachten, kann er nun von einem erheblichen Steuervorteil profitieren. AIG muss in den kommenden Jahren wahrscheinlich viele Milliarden nicht an den Fiskus überweisen. Ein Teil der Steuergutschrift - er steht im Zusammenhang mit dem Lebensversicherungsgeschäft - wurde noch nicht genutzt.

Im vergangenen Jahr lief aber auch das Kerngeschäft mit den beiden Versicherungstöchtern Chartis und SunAmerica besser. Anhaltende Probleme bereitete dagegen die Leasingsparte ILFC, der größte Flugzeugverleiher der Welt. „Im Jahr 2011 haben wir angefangen, wieder aufzublühen“, erklärte Konzernchef Robert „Ben“ Benmosche am späten Donnerstag (Ortszeit) in New York. In den vergangenen vier Jahren hat das Unternehmen nur in sechs Quartalen überhaupt Gewinn gemacht.

Der operative Gewinn nach Steuern lag bei 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) nach einem Verlust von knapp 900 Millionen Dollar im Vorjahr. Unterm Strich machte der Konzern sogar einen Traumgewinn von 17,0 Milliarden Dollar, was allerdings maßgeblich an einem Steuereffekt im Schlussquartal lag - das Geld hat AIG nicht auf dem Konto.

Die Umstellung in der Buchhaltung könnte sich auf künftige Bilanzen dramatisch auswirken und dazu führen, das AIG auf Milliarden an Einnahmen keine Steuern mehr zahlen müsste. Anleger reagierten erfreut: Die AIG-Aktie stieg nach Bekanntgabe der Ergebnisse im nachbörslichen Handel um mehr als drei Prozent auf 28,92 Dollar. Die Papiere lagen damit immer noch deutlich unter ihrem Wert von 40 Dollar vor einem Jahr.

Chartis, der Sachversicherer von AIG, konnte wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Konzernzweig verdiente 348 Millionen Dollar - trotz hoher Schadensfälle wegen der verheerenden Überschwemmungen in Thailand. Der US-Lebensversicherer SunAmerica verbuchte mit 931 Millionen Dollar einen kleineren Gewinn als zuletzt.

AIG war einst der Primus unter den Versicherern. Fehlspekulationen auf dem US-Häusermarkt brachten den Allianz-Konkurrenten jedoch an den Rand des Ruins. Der Staat sprang mit 182 Milliarden Dollar ein - es war die teuerste Rettungsaktion während der Finanzkrise. Einen Teil der Schulden hat AIG durch den Verkauf von Tochtergesellschaften bereits getilgt, doch immer noch ist der Steuerzahler der größte Aktionär.

Kommentare (3)

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Derfruehevogelkannmichmal

24.02.2012, 03:07 Uhr

Welch absurde Propagandamaschinerie bestimmt einen solchen Artikel? AIG hat bisher so gut wie gar nichts zurückgezahlt. Und wenn sie nun in ihrem - übrigens niemals gefährdeten - Wald und Wiesen-Kerngeschäft als ganz normale Versicherung Gewinne erzielen - so what ?

Bei 180 Milliarden Staatshilfe bedeutet dies doch nichts anderes, als dass sie bei einem Jahresüberschuss von 1,8 Milliarden ungefähr weitere 100 Jahre brauchen werden, um mit den Steuerzahlern nominal, ohne jede Berücksichtigung der Inflation, auf pari zu kommen. Für mich unfassbar eine solche Berichterstattung, meilenweit an der Realität vorbei.

Account gelöscht!

24.02.2012, 09:03 Uhr

Ja, solche Artikel, genauso wie dieses ganze Dax-Pushing, kann nur von einer stumpfen Maschine kommen!!

Hier soll wieder Schrott als Gold dargestellt werden!!

Handelsblind

24.02.2012, 09:39 Uhr

76% der AIG Anteile befindet sich in staatlicher Hand. Das Unternehmen wird niemals in der Lage sein, die erhaltenen Subventionen operativ zu erwirtschaften. Daher gehen die USA einen anderen Weg:
Die Regierung sucht einen Narren, der ihr die Anteile zu einem unangemessen hohen Preis abkauft, um auf diese Weise die Subventionen wieder einzuspielen ...
Zu diesem Zweck wird der Markt mit Schein-Erfolgsmeldungen angefüttert, wie man es auch bei der CITIGROUP oder GM beobachten kann/konnte.
Die USA machen sich dabei zu nutze, dass der Markt Bewertungen an Gewinn-Multiplen festmacht. Ein steuerlicher Verzicht, der den Gewinn um 1 Dollar steigert, steigert den Verkaufswert der US-Unternehmensanteile gehebelt.
Tatsächlich ist bei diesem Taschenspielertrick die operative Leistungs-(Un)-Fähigkeit nicht verbessert worden.
Das US-Finanzsystem ist ein Betrugsjahrmarkt. Auf diesem Markt werden eskalierende Privatschulden,Firmen- und Staatsschulden nach Hütchenspielerart hin-und hergeschoben. Dank angelsächsischer Bilanzierungskunst entstehen dabei immer wieder Gewinn-und Wohlstandsillusionen.
Es ist dieser Finanzmarkt, der das einstige Flaggschiff der Marktwirtschaft als Patient an den Devisentropf Rotchinas gebracht hat.
Leider hat das Handelsblatt über die Jahre das bilanzanalytische Know-How verloren, das es sich einst mit dem INDUSTRIEKURIER eingekauft hatte.
Tickermeldungen werden im Handelsblatt mit ein paar Füllwörtern
zu Artikeln ausgebaut - wie das "Malen nach Zahlen" der Kinder.
Garniert wird diese kümmerliche Leistung mit Kampagnendienstleistungen - um es freundlich zu sagen.
Wenn Sie wissen wollen, was recherchierter Wirtschaftsjournalismus zu leisten vermag - werfen Sie einmal einen Blick in die öffentlich kaum wahrgenommene "Lebensmittelzeitung".



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