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25.01.2012

10:45 Uhr

Gier frisst Hirn

Mit Versicherungen Millionär werden

VonThomas Schmitt

ExklusivMit dem Strukturvertrieb MEG häufte Mehmet Göker Millionenschulden auf. Doch mit Versicherungen will der schillernde Verkäufer auch künftig Geld verdienen – wieder am Telefon, aber nicht in Kassel, sondern in der Türkei.

Fernsehstar: Das Leben von Skandalvertreter Mehmet Göker wurde verfilmt.  Bild: Sternfilm

Fernsehstar: Das Leben von Skandalvertreter Mehmet Göker wurde verfilmt. Bild: Sternfilm

Einer der umstrittensten und erfolgreichsten Versicherungsverkäufer Deutschlands startet seit dieser Woche wieder durch. In seinen besten Zeiten arbeitete Mehmet Göker mit den Versicherern Allianz, Axa und Central zusammen. Dann folgte die Millionenpleite seines Strukturvertriebs, der MEG. In Deutschland laufen noch Prozesse gegen ihn, daher agiert Mehmet E. Göker nun von der Türkei aus. Seine Verkäufer rekrutiert er dabei auch über Facebook. 

Auf der Pinnwand seiner persönlichen Facebook-Seite war seit dem 14. Januar dieser Eintrag mit seiner persönlichen Handy-Nummer zu lesen: „Meine Damen und Herren, am 23. Januar beginnt unsere Rookie-Runde, zwei Plätze für zwei außergewöhnliche Vertriebler sind noch frei.“ Rookie ist englisch und bedeutet Neuling, Anfänger oder Frischling. Im Profisport wird damit ein unerfahrener Sportler bezeichnet. 

Gökers Welt: Provisionen und Versicherer

Versicherer zahlten Provisions-Vorschüsse in Millionenhöhe

Der Finanzvertrieb MEG und dessen Ex-Chef Mehmet Göker gelten als Paradebeispiel dafür, wie Finanzunternehmen über Provisionen Anreize für Verkäufer setzen. Im Insolvenzbericht der MEG heißt es: „Anfang des Jahres 2009 hatten vier Versicherungsgesellschaften Provisionsvorschüsse gezahlt, die im Jahr 2009 und teilweise auch noch in 2010 abgearbeitet werden sollten.“ Insgesamt waren das 19,5 Millionen Euro. „Etwa zur Jahresmitte valutierten diese Vorschüsse noch in Höhe von 11,28 Millionen Euro und waren im Übrigen tatsächlich durch entstandene Provisionsansprüche abgearbeitet. Es wurden dann weitere Vorschüsse gezahlt unter teilweiser Verrechnung der noch nicht abgearbeiteten Vorschüsse.“

Versicherer forderten mehr als 20 Millionen Euro zurück

Insgesamt ergaben sich aus Vorschüssen 15,7 Millionen Euro an Forderungen der Versicherer an MEG. Diese Forderungen der Versicherungsgesellschaften erhöhten sich jedoch noch erheblich, weil viele der bereits verrechneten Provisionsansprüche der MEG storniert werden mussten. Überschlägig ist jedoch davon auszugehen, dass weitere ca. 15 Millionen Euro aus Stornierungen von den Versicherungsgesellschaften geltend gemacht werden können. Ingesamt schätzt der Insolvenzverwalter die Forderungen der Versicherer aus gezahlten Vorschüssen (ohne Axa) auf 21 Millionen Euro.

Allianz

Die Allianz ist der drittgrößte private Krankenversicherer.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 2 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 1,7 Millionen Euro

Axa

Die Tochter des französischen Versicherers ist der viertgrößte private Krankenversicherer

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 10 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 7 Millionen Euro

AXA ist in einer Stundungsvereinbarung vom 28.09.2009 mit allen ihren zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Forderungen zur Vermeidung einer Überschuldung der MEG hinter alle anderen Forderungen von Gläubigern im Rang zurückgetreten ist. Ihre Forderung: 11 Millionen Euro.

 

Central

Der fünftgrößte deutsche Krankenversicherer ist eine Tochter der Generali Deutschland. Die Gesellschaft arbeitet bevorzugt mit dem größten deutschen Finanzvertrieb zusammen, der DVAG.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 8 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 4 Millionen Euro

 

Sparkassenversicherer

Consal arbeitete mit MEG. Die Gesellschaft gehört zu den Sparkassenversicherern. Die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die Union Krankenkasse AG sind Teil der Versicherungskammer Bayern und bilden zusammen den siebtgrößten privaten Krankenversicherer. Sie sind unter dem Dach der Consal Beteiligungsgesellschaft AG vereint. 

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss:  3,5 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

 

Inter

Inter ist die Nummer 16 im Markt der privaten Krankenversicherer.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 1,5 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

 

Hallesche

Der zehngrößte Krankenversicherer gehört zum Konzern Alte Leipziger und wird immer wieder genannt. Der Filmemacher Klaus Stern etwa hatte eine Liste mit 120 Gesprächspartnern, die er nach und nach abarbeitete. Nur die Versicherungskonzerne wie Axa oder Hallesche wollten sich nicht äußern. „Die waren zu keinem Interview vor der Kamera bereit“, sagte er HNA Online zufolge. Die 5. Zivilkammer des Kasseler Landgerichts urteilte im September 2011, dass das Ex-MEG-Vorstandsmitglied Patrick Drönner nichts von zuvor kassierten Provisionen zurückzahlen muss. Die Hallesche Versicherung will laut HNA Online von dem ehemaligen MEG-Vorstand insgesamt 1,5 Millionen Euro an gezahlten Bonifikationen und Provisionvorschüssen zurückhaben.

Aragon

Die Vertriebsgesellschaft Aragon AG hat nach Übernahme der Aktien der MEG dieser ein Darlehen ausgereicht in Höhe von 6,5 Millionen Euro und sich zur Besicherung dieses Darlehens den Datenbestand der MEG abtreten lassen.

„Mehmet E. Göker ist wieder da“, stellt auch der Kasseler Filmemacher Klaus Stern auf seiner Internetseite fest. Stern hat den Film „Versicherungsvertreter“ über die erstaunliche Karriere von Göker gedreht. Dieser residiere derzeit an der türkischen Ägäisküste mit über 50 Mitstreitern. Die neue Firma aber sei nicht seine, beteuere er. Die „Göker Consulting Group“ gehöre seiner Mutter, er selbst sei dort nur Angestellter. 

Auf eine Anfrage des Handelsblatts zu seinen neuen Aktivitäten reagierte Göker indessen nicht. Unter Versicherungsmanagern gelten Göker und seine MEG inzwischen als Paradebeispiel für ein Verkaufssystem, das nicht nur teuer war, sondern auch Kunden klar benachteiligt. Die Manager haben daraus gelernt: "Wir müssen Exzesse bei den Vertriebskosten verhindern", forderte Torsten Oletzky, Vorstandschef der Ergo Versicherungsgruppe im Handelsblatt. 

Göker sieht dennoch weiter Chancen. Er braucht wieder Leute, die ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und vor allem einen Wunsch haben: schnell reich zu werden. "Vier Jahre braucht ein Verkäufer, um an meiner Seite Millionär zu werden", ist einer der Sprüche, durch die er bekannt wurde. Es macht nichts, wenn seine Leute von der jeweiligen Materie wenig Ahnung haben. Hauptsache, sie finden Mittel und Wege, ihre Versicherung an den jeweiligen Kunden zu verkaufen. Göker greift dabei auf das Prinzip zurück, durch das er auch mit der MEG in Kassel groß geworden ist: Telefonverkauf von privaten Krankenversicherungen. 

Der Vorteil: Mit dem Telefon kann er von überall her agieren. „Ein Jahr aus der Türkei arbeiten – leben und bei 30 Grad im Schnitt am Meer das Leben genießen und das mit ausreichend finanziellen Mitteln“, lockt er seine neuen Vertriebler.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 10:57 Uhr

Mehmet Göker.... Danke, nächster Fall!

Account gelöscht!

25.01.2012, 11:00 Uhr

selbst Schuld. Wie können diese Konzerne nur 8000 Euro auf den Tisch legen für die Vermittlung einer PKV. Ich würde mich ja privat versichern, lass es aber lieber weil das System für Ältere genau so schlecht is wie das der GKV.

Oelblase

25.01.2012, 11:10 Uhr

Ach was, der hat doch mit dem Göker nichts zu tun.

Der Typ hier ist der uneheliche Sohn von Carsten Maschmeyer.
Der Drückerprinz wird bald den Thron des Drückerkönigs besteigen, sobald Papa genügend Politiker geschmiert hat und in der Politik sein Geld "wohltätig" anlegen kann.


Ich jedenfalls habe mir den Artikel über Jochen Sanio bereits rausgeschnitten und im Wohnzimmer gut sichtbar aufgehängt.
Denn die organisierte Kriminalität an den Finanzmärkten ist noch in ihrer Blütephase. D.h. dass jetzt genügend Blüten in Form des FIAT-Moneys angehäuft und bald die Kurse so hoch getrieben werden, dass danach die Sinflut kommt.

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