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07.04.2014

14:07 Uhr

Hagel und Flut 2013

Gewinn von R+V Versicherung bricht ein

Mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten den Versicherungskonzern R+V die Hagelstürme und das Hochwasser im vergangenen Jahr. Obwohl die Ziele für 2013 nicht erreicht wurden, zeigt sich der Vorstand zufrieden.

Hochwasser im Juni 2013 in Passau. Im neuen Jahr setzt die R+V Versicherung vor allem auf Betriebsrenten. dpa

Hochwasser im Juni 2013 in Passau. Im neuen Jahr setzt die R+V Versicherung vor allem auf Betriebsrenten.

WiesbadenHagelstürme und Hochwasser haben den genossenschaftlichen Versicherungskonzern R+V im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet. Der Gewinn vor Steuern sei deshalb auf 309 (2012: 491) Millionen Euro eingebrochen. „Wir hatten uns eigentlich 400 Millionen Euro vorgenommen“, sagte Vorstandschef Friedrich Caspers am Montag in Wiesbaden. Doch dann mussten fast 146.000 Unwetterschäden an Autos und Häusern geregelt werden. Die DZ Bank, die 74,9 Prozent an der R+V Versicherung hält, muss sich daher mit einer Ausschüttung von 212 (298) Millionen Euro begnügen. Nachdem die Schäden um das Zweieinhalbfache über den Planungen lagen, steigen die Preise: in der Autoversicherung um vier bis fünf Prozent, in der Wohngebäudeversicherung um knapp zehn Prozent im Neugeschäft.

Trotz der hohen Unwetterschäden zeigte sich Caspers mit dem Jahr 2013 zufrieden. „Wir sind ungefähr doppelt so stark gewachsen wie der Markt.“ Die Brutto-Beitragseinnahmen stiegen im Konzern um 7,4 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro. In der Lebensversicherung ist die R+V mit einem Marktanteil von sieben Prozent inzwischen die Nummer drei hinter Marktführer Allianz und der Generali -Gruppe. Im Neugeschäft kommt sie - vor allem dank der über die Volks- und Raiffeisenbanken als Geldanlage verkauften Verträge gegen Einmalbeitrag - auf 10,2 Prozent Marktanteil. In der Kfz-Versicherung sieht sich die R+V ebenfalls als Nummer drei im Markt hinter Allianz und HUK-Coburg. Die Bruttobeiträge in der Schaden- und Unfallversicherung stiegen um 3,6 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Im neuen Jahr setzt Caspers vor allem auf Betriebsrenten. Die Bundesregierung habe sich die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge auf die Fahnen geschrieben. Im ersten Quartal wuchsen die Beitragseinnahmen im Inland um 8,3 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Die R+V stehe zu Lebens- und Renten-Policen mit lebenslangen Garantien, biete aber zugleich ausreichend flexible Anlageformen an, um mit den niedrigen Zinsen fertig zu werden. Seit 2011 musste der Konzern auf Geheiß der Finanzaufsicht BaFin 446 Millionen Euro als Zinszusatzreserve zurücklegen, bis 2017 dürfte daraus nach Schätzungen von R+V-Leben-Vorstand Frank-Henning Florian eine Milliarde Euro werden.

Caspers begrüßte die geplante Gesetzesänderung, mit der die Lebensversicherer die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere nicht mehr zur Hälfte an die Kunden ausschütten müssen. Mit 260 Millionen Euro hat die geltende Regelung R+V im vergangenen Jahr aber weniger getroffen als viele Konkurrenten. Man habe keine lukrativen Finanzanlagen verkaufen müssen. Der R+V-Chef sprach sich aber dagegen aus, die Neuregelung etwa mit einer Deckelung der Vertriebsprovisionen zu verknüpfen: „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Damit kann man das ganze Thema auch beschädigen.“

Von

rtr

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