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23.05.2011

18:05 Uhr

Hamburg-Mannheimer-Sexskandal

Jürgen Klopp sagt „Tschüss, Herr Kaiser“

VonSönke Iwersen

Als HMI-Botschafter war Dortmunds Meistertrainer quasi die offizielle Ablösung der Werbefigur Herr Kaiser. Doch nach Bekanntwerden der Budapester Sex-Party geht Jürgen Klopp auf Distanz - und lässt seinen Vertrag ruhen.

Trainer Jürgen Klopp des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Quelle: dpa

Trainer Jürgen Klopp des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

DüsseldorfWenige Tage nach der Enthüllung des Sex-Skandals der Hamburg-Mannheimer zieht der erste Werbepartner seine Konsequenzen: Jürgen Klopp, der Trainer des deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund, lässt seinen Vertrag mit der Versicherung ruhen. "Was man von dieser Reise liest, kann man nur aufs Schärfste verurteilen", sagte Klopps Berater, Marc Kosicke, dem Handelsblatt. "Wir verlangen eine lückenlose Aufklärung. Solange nicht klar ist, ob heute noch Teilnehmer der Reise für die Hamburg-Mannheimer aktiv sind, wird Herr Klopp keine Vorträge mehr für das Unternehmen halten."

Klopp ist seit Juli 2010 offizieller Botschafter des Vertriebs der Hamburg-Mannheimer, der HMI. Der Meistertrainer hält vor Nachwuchskräften und Führungskräften Motivationsseminare zum Thema Führung, zuletzt im Frühjahr 2011 im Berliner Hyatt-Hotel. "Wie die HMI halte auch ich immer Ausschau nach außergewöhnlichen Talenten", sagte Klopp bei der Vertragsunterzeichnung mit der Versicherung. "Die Verbindung zwischen Leistung und Verantwortung gefällt mir."

Die Hamburg-Mannheimer gehört zur Ergo-Versicherungsgruppe. Zum Auftakt der Zusammenarbeit sagte der zuständige Ergo-Vorstand, Ludger Griese: "Jürgen Klopp passt ideal zur HMI und unseren 17.000 selbstständigen Partnern. Er steht wie kein anderer für die zentralen HMI-Werte Leistung, Respekt, Verantwortung und Spaß."

Der Begriff Spaß hat jedoch bei der HMI inzwischen eine ganz andere Bedeutung erhalten. Bei der jetzt bekannt gewordenen Reise im Juni 2007 verwandelte die HMI die historische Gellert-Therme in Budapest in ein Freiluftbordell mit mindestens 20 Prostituierten. Die Frauen trugen farbige Bändern an den Handgelenken, um zu kennzeichnen, für welche Dienste und für welche der rund 100 Vertreter sie vorgesehen waren. In der Therme waren hierzu fünf große Himmelbetten aufgestellt.

"Jeder konnte mit einer der Damen auf eines der Betten gehen und tun, was er wollte", erinnert sich ein Teilnehmer. "Die Damen wurden nach jedem solcher Treffen mit einem Stempel auf ihrem Unterarm abgestempelt. So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde."

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

23.05.2011, 19:32 Uhr

Na und? Da wurde den Damen in aller Ruhe der Rilke gezeigt.
Mehr Werbung aus dem Land der Dichter und Denker kann nicht erwartet werden!
Schmach über die, die den Rilke für eine runde Sache halten.

Beobachter

23.05.2011, 23:49 Uhr

Teil 3 Ihr Beobachter
Liebe Ergo: Klären Sie lückenlos auf und entfernen Sie die wirklich Verantwortlichen. Verklagen Sie die, die Ihr Unternehmen in Misskredit bringen. Wie man im Internet liest, ist das Credo der HMI, „Mein Auto, mein Haus, mein Schiff“. Meine Frau“, lass ich jetzt mal weg, wäre irgendwie blöd. Wie man ebenso liest, hat eine Topführungskraft Ihres Hauses einen berühmten Bruder, der sich auf „solche“ Partys versteht. Vielleicht hat er sich ja Rat geholt ;-). Da offensichtlich die Umsätze dieses Vertriebes eh nicht mehr der Brüller sind – machen Sie den Laden doch einfach dicht.
Liebe Münchner Rück: Beobachten Sie mit Argusaugen was die Ergo nun macht oder nicht oder verschleiert. Auch dort braucht’s eine Zäsur.`
Alles neu macht der Mai.
Ihr Beobachter

Beobachter

23.05.2011, 23:53 Uhr

Teil 1 Beobachter
Gratuliere Herr Klopp zu Ihrem Rückgrat, auch wenn es Werbeeinnahmen kostet.
Nun bin ich weder prüde noch neidisch auf die Teil-„Nehmer“ dieser Sex Sause in spätrömischer Dekadenz, aber wo bleibt die Verantwortung der „sogenannten“ Führungskräfte den Mitarbeitern und Familien und dem Unternehmen gegenüber?
Wieviel Frauen fragen dieser Tage Ihre Männer, „Schatz, wo warst du denn im Juli 2007“.
Scheidungsanträge werden sicherlich schon besprochen.
Wer hat solch primitive Ideen, die Nutten mit Bändchen zu „qualifizieren“. Man muss sich das einmal bildlich vorstellen, die Damen hatten bis zu 20 „Abstempelungen“ (Ich sah das, das letzte Mal an einem Schweinebauch) wie man lesen kann. Das muss ja eine ziemlich schmierige und eklige Angelegenheit gewesen sein. Und das alles im Zeitalter von Aids.
Ich glaube kaum dass die Damen vorher untersucht wurden und deren wirkliches Alter geprüft wurde. Wer ist so krank die Damen zu rekrutieren, die sich für 400 € , 20 mal durchnudeln lassen? Obwohl, rekrutieren können die Oberen ja wohl.
Und nun stellen Sie sich vor, der Typ steht einen Tag später, natürlich verwandelt, im Anzug vor Ihrer Tür und will Ihre Lieben absichern und streichelt dabei Ihrem Töchterchen über den Kopf.
Der arme Herr Kaiser – der natürlich nur ein Schauspieler ist, muss von der Ergo aus dem Schussfeld genommen werden, „er habe an der Veranstaltung nicht teilgenommen“.
Hat er sich doch, ohne jede Beteiligung, frei von Schuld, zum Gespött einer ganzen Nation gemacht.
Meine Empfehlung: Tun Sie sich mit Herrn Klopp zusammen und verklagen Sie den ganzen Laden.
Man kann lesen, es gibt ein Leitbild des Unternehmens und auf Seminaren und in schlauen Vertriebsbüchern wir kommuniziert, wie wichtig der Partner eines erfolgreichen Verkäufers ist. „Führen durch Vorführen“, oder „rekrutiere nur Leute die besser sind als Du“. Nun zumindest das scheint ja an diesem Abend geklappt zu haben.

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