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12.04.2011

08:46 Uhr

Handelsblatt exklusiv

Nürnberger freut sich auf Solvency II

VonThomas Schmitt

Insbesondere in den Geschäftsbereichen Berufsunfähigkeit und fondsgebundene Policen hat die Nürnberger Versicherungsgruppe keine Probleme mit den neuen EU-Kapitalregeln. Kritik gibt es aber an den Informationspflichten.

Der Vorstandsvorsitzende der Nürnberger Versicherungsgruppe, Werner Rupp. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Nürnberger Versicherungsgruppe, Werner Rupp.

Dramatische Auswirkungen durch das EU-Regelwerk Solvency II befürchtet die Versicherungsgruppe nicht. „Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, es kommt auf den Versicherer und seinen Bestand an“, reagierte Vorstandschef Werner Rupp gegenüber dem Handelsblatt auf die erregte Kritik in der Branche am geplanten EU-Regelwerk Solvency II. Wer sein Geschäft diversifiziert habe wie die Nürnberger, auf den kämen in der Lebensversicherung auch ab 2013 keine großen Belastungen zu. Zuvor hatten der Branchenverband GDV und Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner vor „dramatischen“ Auswirkungen insbesondere für Lebensversicherer gewarnt.

Das Lebensversicherungs-Geschäft der Nürnberger ist in drei gleiche Teile aufgeteilt. Ein Drittel entfällt auf die Berufsunfähigkeit, die mit Zinsen nichts zu tun hat. „Die Solvency-II-Regeln kommen uns hier entgegen“, sagte Rupp. Ein weiteres Drittel entfalle auf fondsgebundene Policen, auch hier habe die Nürnberger kein Problem mit Zinsgarantien. Auch beim letzten Drittel, den Lebensversicherungen mit Zinsgarantien, gebe es Spielarten, die nicht so kapitalaufwendig seien.

„Für die Nürnberger wäre es wunderbar, wenn Solvency II da wäre“, sagte Rupp mit Blick auf die neuen Kapitalregeln weiter. Mit Skepsis betrachtet er jedoch wie viele andere nur die Informationspflichten. „Das Berichtswesen ist ein Kraftakt.“ An der jüngsten Studie der Versicherungsaufsicht Eiopa (Qis5) hat er teilgenommen. Und auch bei dem Eiopa-Stresstest werde die Nürnberger mitmachen. „Wir müssen uns nun nicht verstecken.“ Die Nürnberger habe früh eingetretene Pfade in der Lebensversicherung verlassen und verfügt heute über ein differenziertes Portfolio an Beitragsquellen. In der Berufsunfähigkeit ist die Gruppe nach der Allianz die Nummer zwei mit einem Marktanteil von acht Prozent.

Er stimmt allerdings mit dem Allianz-Vorstand Achleitner überein: „Es geht nicht, dass Solvency II als Konsolidierungsinstrument genutzt wird.“ Viele in der deutschen Versicherungswirtschaft fürchten, dass sie wegen Kapitalnot gezwungen sein könnten, Teile ihres Geschäfts zurückzufahren oder einzustellen.

Probleme hatte die Nürnberger im vergangenen Jahr vor allem in der Sachversicherung. In der Autoversicherung lief es nicht gut. Die kombinierte Schaden- und Kostenquote stieg auf 118 Prozent, also noch höher als im Markt mit 109 Prozent. Grund waren Sondereinflüsse, die Nürnberger musste in der Haftpflicht nachreservieren, also mehr Geld zurücklegen. Ein Grund sei: Unfallopfer hätten heute eine längere Lebensdauer. Dieser einmalige Effekt sei aber nun ausgestanden. In der Autoversicherung fehlt Ruppe indes der Glaube, dass die Beiträge nach oben gehen werden. Richtig wäre es aber aus seiner Sicht.

Insgesamt berichtete Rupp von einem guten Jahr, besonders in der Kapitalanlage. In diesem Bereich verwaltet die Nürnberger inzwischen 20 Milliarden Euro. Die Nettoerträge seien um 60 Prozent gestiegen, die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen erhöhte sich von 2,9 auf 4,4 Prozent. Die Dividende steigt erneut von 2,30 auf 2,50 Euro je Aktie, das entspreche zum Jahresschlusskurs eine Dividendenrendite von 4,6 Prozent. Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung bleibe stabil bei vier Prozent. Die Substanz in der Lebensversicherung sei gut, auch im nächsten Jahr werde die Nürnberger daher mit vier Prozent agieren.

In der Lebensversicherung seien nur 14 Prozent der Einnahmen auf die umstrittenen Einmalbeiträge entfallen. Die laufenden Beiträge seien sogar um ein Prozent gewachsen, was untypisch für die Branche ist, aber vor allem auf die starke Stellung im Geschäft mit Berufsunfähigkeitsversicherungen zurückzuführen sei. Die gebuchten Beitragseinnahmen wuchsen insgesamt um 3,1 Prozent auf 3,38 Milliarden Euro.

 

Kommentare (1)

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dieterhilft

12.04.2011, 11:24 Uhr

Schlussendlich bleibt doch nur alles beim Versicherten hängen. Ich rate jedem regelmässig ein neutraler Vergleich machen zu lassen und die Möglichkeit eines Wechsels zu prüfen: Mancher kommt da ins Staunen...

Gruss

Dieter
http://www.berufsunfaehigkeit-hilfe.info

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