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09.05.2012

11:52 Uhr

Hauptversammlung

Allianz-Chef warnt vor Konjunkturprogrammen

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann hat auf der Hauptversammlung des Versicherungsriesen vor den Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf sein Unternehmen gewarnt. Er sieht neue Konjunkturspritzen skeptisch.

Allianz: Gut geführt - gut gerüstet

Video: Allianz: Gut geführt - gut gerüstet

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München/DüsseldorfDie Allianz warnt vor neuen Konjunkturprogrammen zur Ankurbelung der lahmenden Wirtschaft in der Euro-Zone. "Wenn jetzt lautstark Konjunkturprogramme gefordert werden, dann muss man meines Erachtens sehr vorsichtig sein", sagte Vorstandschef Michael Diekmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung von Europas größtem Versicherer in München. "Zusätzliche schuldenfinanzierte Belastungen könnten das System überfordern."

Vor allem der neue französische Präsident François Hollande hat sich zuletzt für neue Wachstumsimpulse eingesetzt und stellt damit den geschlossen Pakt der Euro-Zone zur Schuldendrosselung infrage. Zudem droht wieder eine Eskalation der Krise, wenn Griechenland, wie es nach den jüngsten Wahlen scheint, regierungsunfähig bleibt und die zugesagten Sparmaßnahmen nicht einhält. Dann könnte ein Euro-Austritt wieder realistischer werden.

Allianz: Stärken und Schwächen

Gut gerüstet für schwierige Lage

Die Umstände könnten leichter sein für die Allianz: Die Staatsschuldenkrise sorgt für Unsicherheit. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und es gibt immer mehr Naturkatastrophen. Doch Europas größter Versicherer ist vergleichsweise gut gerüstet. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Vermögensverwaltung

Der Versicherungskonzern verwaltete im Jahr 2011 Anlagen im Wert von fast 1,7 Billionen Euro. Das sind noch einmal neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Rund drei Viertel davon verwaltet der Konzern "für Dritte", also nicht für die eigenen Versicherungskunden. Mit diesem Geschäft erzielt die Allianz hohe Provisionserlöse.

Stärke: Ergebnis steigt

Die hohen Provisionserlöse führen dazu, dass das operative Ergebnis der Asset-Management-Sparte im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro anstieg. Die Sparte trug damit einen Großteil des Gewinns des Allianz-Konzerns bei. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen zählt die Allianz zu den größten Vermögensverwaltern der Welt.

Stärke: Gute Verteilung

Das Geschäft ist dabei seit Jahresbeginn auf zwei gleichberechtigte Anlageverwalter aufgeteilt: Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Zuvor war Pimco ein Tochterunternehmen von AGI. Nun ist der sehr erfolgreiche Anleihespezialist unabhängiger und kann eigenständig seine Fonds managen und vertreiben.

Stärke: Hohe Kundenzufriedenheit

Kaum ein anderer deutscher Konzern analysiert so genau, was seine Kunden denken und wie zufrieden sie sind. In einem Kundenbericht publiziert die Allianz nun regelmäßig die Ergebnisse. Auf einer Notenskala von eins bis fünf bekommt die Allianz von den Kunden für die Produkte durchschnittlich die Note 1,9 und für den Service die Note 2,3.

Stärke: Hohe Preise zu rechtfertigen

Eine hohe Zufriedenheit ist wichtig, weil der Konzern nur dann seine Preise rechtfertigen kann. Laut Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand bei der Allianz Deutschland, hat der Konzern noch zu wenig rundum begeisterte Kunden, die eine 1,0 vergeben.

Stärke: Viel Neugeschäft

Gerade solche Kunden sind wichtig, denn die Untersuchungen des Konzerns haben ergeben, dass die 20 Prozent der Kunden mit der höchsten Zufriedenheit im Schnitt mehr als doppelt so viel Neugeschäft bringen wie der Durchschnittskunde.

Schwäche: Deutsche Sachversicherung

Ausgerechnet der Heimatmarkt ist für die Allianz in der Sachversicherung ein Sorgenkind. Die Beitragseinnahmen der Allianz Versicherungs-AG, in der die Sachversicherung gebündelt ist, waren auch 2011 leicht rückläufig (siehe Grafik). Dass es Probleme bei der Profitabilität gibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote von 102,2. Nur bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Schwäche: Kfz-Versicherung

Vor allem die wichtige Kfz-Versicherung schwächelt. Die Zahl der versicherten Autos sank 2011 nochmals um 50?000 auf 8,12 Millionen Fahrzeuge. Marktführer ist die Huk-Coburg (8,7 Millionen Fahrzeuge). "Was die Autoversicherung angeht, hat die Allianz ungünstigere Kostenstrukturen als die Konkurrenz", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Schwäche: Starke Konkurrenz

Die Huk-Coburg kann dank ihrer automatisierten Prozesse billigere Tarife anbieten. Der neue Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß will die Profitabilität steigern und baut die Sparte um. Mit Preiserhöhungen nimmt die Allianz auch weitere Marktanteilsverluste in Kauf, wenn dadurch das Geschäft wieder mehr Gewinn abwirft.

Schwäche: Das Bankgeschäft

Die Allianz vertreibt neben dem Versicherungsgeschäft auch Bankprodukte. Doch das Geschäft läuft nicht rund. Der Umsatz ging 2011 leicht auf 567 Millionen Euro zurück, die Sparte schrieb einen operativen Verlust von 68 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und der Allianz Bank aktiv. 2011 schrumpfte das Ergebnis der OLB nach Steuern um rund 68 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

Schwäche: Hohe Risikovorsorge

Sie musste viel Risikovorsorge für wacklige Schiffsfinanzierungen bilden. Die Allianz Bank - formal eine Zweigniederlassung der OLB - schrieb vor Steuern 1,8 Millionen Euro Verlust. Sie tut sich schwer mit der Neukundengewinnung.

Diekmann ergänzte, zuletzt habe vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Liquiditätsspritzen in Höhe von mehr als einer Billion Euro den Banken unter die Arme gegriffen und so eine drastische Einschränkung der Kreditvergabe verhindert. Solche Maßnahmen und die seit Jahren niedrigen Zinsen hätten aber auch schädliche Nebenwirkungen, vor allem für Sparer und Versicherer. Es bestehe das Risiko, dass eine expansive Geldpolitik Ausgangspunkt der nächsten Blase sein könnte. "Je schneller also die Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik gelingt, desto besser", so Diekmann.

Die Politik habe mittlerweile mit dem dauerhaften Rettungsmechanismus und einer verpflichtenden Schuldenbremse die richtigen Weichen gestellt. "Allerdings wird der notwendige Anpassungsprozess über Jahre andauern." Die Schuldenländer müssten konsequente Reformen umsetzen, um so Wachstum zu schaffen. "Nur so kann das Vertrauen aller Beteiligten nachhaltig zurückgewonnen werden."

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.05.2012, 13:42 Uhr

Diekmann warnt vor Konjunkturprogrammen. Das ist ja interessant.

Die Riesterrente ist in erster Linie ein Konjunkturprogramm für Versicherungen. Die FDP hat ein Konjunkturprogramm für Hotelgewerbe (halbieren des MwSt-Satzes) ins Leben gerufen und die Eurorettung - oder Griechenlandrettung, wie man auch argumentiert - ist in erster Linie ein Konjunkturprogramm für die Banken, die einfach zu hohe Risiken eingegangen sind und in einer Marktwirtschaft, die wir leider nicht haben, die Schuld hätten tragen müssen, anstelle der Steuerzahler.

Wir sind nur so umgeben von Konjunkturprogrammen! Entweder ist Diekmann zu unklever, um das zu merken, wovon ich aber nicht ausgehe! Vielleicht will er uns ja für dumm verkaufen. Was schon wahrscheinlicher ist.

Leider hat man den Eindruck, dass der Wirtschaftsjournalismus, auch der des HB, nicht unabhängig genug und auch nicht tiefgründig und kritisch genug mit Politik und Wirtschaftsbossen umgeht. Die Beschränkung auf die Verbreitung von Meinungen ohne Nennung und gelegentliche Wertung von Fakten ist zu wenig liebes HB-Team.

Account gelöscht!

09.05.2012, 13:46 Uhr

Versicherungen brauchen höhere Zinsen. Von daher ist seine Argumentation erstmal nicht falsch.

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